Statue der Mondgöttin (Kapitolinische Museen Rom)

Luna ist in der römischen Mythologie die Mondgöttin; sie entspricht der griechischen Göttin des Mondes Selene („die Leuchtende, Strahlende“).

In romanischen Sprachen hat sich ihr Name als Bezeichnung für den Erdmond erhalten, der hier grammatisch weiblichen Geschlechts ist. Auch in der deutschen Sprache wird die Bezeichnung Luna oder Frau Luna verwendet, vor allem in Übersetzungen, um Probleme beim Geschlechtswechsel zu „der Mond“ zu umgehen.

Der römische Tag der Mondgöttin lunae dies (italienisch lunedì, französisch lundi) wurde als Montag (Mond-Tag) ins Deutsche übernommen. Gebräuchliche Beinamen der Luna in der poetischen Literatur sind Trivia, Phoebe, Lucina, Dictynna und Cynthia.

Mythologie

Luna auf einem Zweiergespann (Schmuck-Kamee im British Museum London)

Bereits in der griechischen Mythologie hat die Mondgöttin zwei Geschwister, die von den Römern mit lateinischen Namen übernommen wurden: Lunas Bruder ist der Sonnengott Sol (griechisch Helios), ihre Schwester ist die Morgenröte Aurora (griechisch Eos). Ihre Eltern sind die Titanen Theia und Hyperion.

Antiker Kult

Luna, einer von sieben Planeten (Kupferstich von Hans Sebald Beham, 1539)

Es deutet wenig darauf hin, dass der Mondkult ein ursprünglich italischer Brauch war. Die wahrscheinlichste Erklärung liegt in einem anfänglich latinischen Kult, der durch den Kult der griechischen Göttin Artemis oder Selene beeinflusst wurde. Auf diesem Hintergrund entstanden wahrscheinlich die Darstellungen der Luna als junge Frau auf einem Streitwagen (lateinisch biga). Auch Lunas Bruder, der Sonnengott Sol, fährt auf einem Streitwagen über das Himmelsgewölbe.

Wie Sol war auch Luna eine Schutzgottheit des römischen Zirkus. Beide zusammen, er aufsteigend, sie herabsteigend, dienten als bildliche Vorstellung der Ewigkeit.

Im antiken Rom war ihr der Tempel der Luna auf dem Aventin-Hügel geweiht, wo sie als Monatsgöttin am letzten Tag des März verehrt wurde, bis 153 v. Chr. der erste Monat im altrömischen Jahr. Dieser Tempel wurde der Sage nach von Servius Tullius gegründet. Er stand in der Nähe der Diana- und Ceres-Heiligtümer und brannte 64 v. Chr. nieder. Als Luna Noctiluca (etwa „Leuchterin der Nacht“) war ihr ein Tempel auf dem Palatin-Hügel geweiht, der nachts erleuchtet war und vermutlich im gleichen Jahr zerstört wurde.

In der römischen Republik scheint der Luna-Kult von nur geringer Bedeutung gewesen zu sein, da sich wenige Meldungen über Wunderzeichen (Prodigien) auf Luna beziehen. Im Volksglauben scheint ihr Kult aber eine gewisse Bedeutung gehabt zu haben, wie Reaktionen von einfachen Leuten auf eine Mondfinsternis zeigen.[1]

In der römischen Kaiserzeit wurde Luna vor allem als Gegenstück zu Sol dargestellt, der jeweilige Herrscher wurde als Sonne und seine Ehefrau als Mond dargestellt, und diese göttliche Ordnung wurde auf die politischen Zustände übertragen.

Rezeption

Im Jahr 1532 wurde in Lüneburg der Lunabrunnen errichtet mit einer bronzenen Statue der Mondgöttin mit Pfeil und Bogen; 1972 erfolgte eine Nachbildung.

Literatur

  • Emil Aust: Luna. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 2,2, Leipzig 1897, Sp. 2154–2160 (Digitalisat).
  • Georg Wissowa: Luna 2). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIII,2, Stuttgart 1927, Sp. 1808–1811.
  • Karl Kerényi: Die Mythologie der Griechen. Band 1: Die Götter- und Menschheitsgeschichten. dtv, München 2010, ISBN 978-3-423-30030-8, S. 157.
  • Françoise Gury: Selene / Luna. In: Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae (LIMC). Band VII, Zürich/München 1994, S. 706–715.
  • Richard L. Gordon: Luna 1). In: Der Neue Pauly (DNP). Band 7, Metzler, Stuttgart 1999, ISBN 3-476-01477-0, Sp. 505–508.

Weblinks

Commons: Luna (Mythologie) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Peter Lichtenberg: Luna. In: imperium-romanum.com. 13. März 2011, abgerufen am 29. Oktober 2013.

Einzelnachweise

  1. Titus Livius, Ab urbe condita 44,37,5–9; Plinius der Ältere, Naturalis historia 28,77.

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.