Landeskrone


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Landeskrone (Begriffsklärung) aufgeführt.
Landeskrone
Landeskrone

Landeskrone

Höhe 420 m
Lage Freistaat Sachsen, Deutschland
Gebirge Lausitzer Bergland
Koordinaten 51° 7′ 43″ N, 14° 55′ 58″ O51.12861111111114.932777777778420Koordinaten: 51° 7′ 43″ N, 14° 55′ 58″ O
Landeskrone (Sachsen)
Landeskrone
Typ Schlotfüllung
Gestein Basaltdurchbruch in Granit
Luftbild der Landeskrone - Die hochmittelalterliche Burg auf der Landeskrone wurde im 15. Jahrhundert abgebrochen. Der älteste Bestandteil der heutigen Bebauung ist ein Aussichtsturm aus dem Jahr 1796.

Die Landeskrone (sorbisch: Sedło) ist der Hausberg der Stadt Görlitz. Der 420 Meter hohe Berg liegt in südlicher bis südwestlicher Richtung unweit des Stadtzentrums und ist Ausflugsziel mit Blick auf Görlitz, die nähere Umgebung, sowie auf das Iser- und Riesengebirge.

Geologie

Die Landeskrone ist vulkanischen Ursprungs, sie besitzt einen Granitsockel mit einem Basaltkegel. Sie entstand vor ca. 34 Mio. Jahren als Schlackenkegel. Dabei bildete gasreiche und basaltische Schmelze aufgeschäumte Lavafetzen (Schlacken), die beim Austritt an die Erdoberfläche entstanden. Die Schlacken wurden beim Auswurf rings um den Lavaschlot abgelagert und formten einen Schlackenwall. Dieser wurde jedoch weitestgehend wieder durch Wasser und Wind erodiert. Ein Lavasee aus gasarmer Lava der sich während der späten vulkanischen Aktivität im Innern des Schlackenkegels gebildet hatte überstand weitestgehend die Erosion und bildet die Kuppe.

Geschichte

Anfänge der Besiedlung

Die Besiedlung auf der Landeskrone lässt sich bis in die jüngere Bronzezeit zurückverfolgen, wie Funde der bronze- und früheisenzeitlichen Lausitzer Kultur im Bereich des 3.000 m² umfassenden so genannten oberen Burgwalls belegen. In slawischer Zeit, wohl um oder bald nach 900 wurde zusätzlich zu einer Befestigung zwischen den beiden Gipfeln des Berges noch eine weitere halbkreisförmige Wehranlage am Südhang des Berges errichtet. Diese sicherte eine Fläche von rund 10.000 m² und wurde durch Rudolf Virchow 1870 durch kleinere Ausgrabungen erstmals genauer erforscht. Die nachgewiesene steinerne Wehrmauer hat eine Stärke von immerhin bis zu 8 m. Weitere archäologische Untersuchungen im Jahr 1909, in den 20er und 30er des 20. Jahrhunderts sowie 1969/70 brachten unter anderem diverse Keramikscherben, aber auch Spuren von Eisenverarbeitung und Pechsiederei zum Vorschein. Diese Funde berechtigen zu der Annahme, die Landeskrone sei Zentralort des lediglich in der Völkertafel des Bayerischen Geographen erwähnten Stammes der Besunzane gewesen. Noch weiter geht Jasper von Richthofen, der auf der Landeskrone gar eine frühstädtische Siedlung allerdings der Milzener vermutet, zu deren Gebiet durch eine Urkunde belegt zumindest die Gegend um die heutige Stadt Görlitz spätestens seit 1071 gehörte. Sofern man der Lokalisierung der Besunzane in der Gegend um Görlitz folgen will, ist dieser kleine Stamm vielleicht bald nach 900 in dem wohl sehr viel größeren Stamm der Milzener aufgegangen. Zumindest finden die Besunzane in späteren Schriftquellen keine Erwähnung mehr. Bisherige, sehr auf die Befestigung konzentrierte Grabungen auf der Landeskrone konnten allerdings bislang keine Spuren einer dichten Innenbebauung aufdecken, wie man sie bei einem solchen zentralen Ort der Milzener erwarten müsste. Die These des vielleicht städtischen Zentrums auf der Landeskrone wird jedoch untermauert durch die Erwähnung in der Chronik Thietmar von Merseburgs.

Bei Thietmar von Merseburg wird im Zusammenhang mit einem Heereszug, den König Heinrich II. im Sommer 1015 gegen Boleslaw I. Chrobry unternahm, auch die Eroberung einer großen urbs Businc durch böhmische Truppen erwähnt. Dabei seien allein 1.000 männliche Gefangene gemacht worden. Sofern die genannte Gefangenenzahl tatsächlich zutrifft, könnten bis zu 4.000 Personen zum Zeitpunkt des Angriffs in der Burg gewesen sein. Mit einiger Sicherheit kann diese „magna urbs businc“ mit der Befestigungsanlage auf der Landeskrone identifiziert werden, da diese strategisch sehr bedeutend für den, gegen Schlesien gerichteten, Feldzug des Kaisers war. Auch der Name der unterhalb des Berges liegenden Orte Klein und Groß Biesnitz (um 1300 „Bisencz“), heute Ortsteile von Görlitz, und evtl. auf den Stamm der Besunzane verweisend, stützt diese These.

1268 taucht die Landeskrone als „castrum landischrone“ in einer Quelle auf. Sie verdankt diesen deutschen Namen wohl dem Rittergeschlecht mit Namen „derer von Landskron“. Der Stammsitz dieser Ritter befand sich im Siebengebirge, von wo aus eine Erhebung zu sehen war, die der Form und Größe nach, dem des Görlitzer Hausberges gleich kam.

Im Hochmittelalter wurde auf der Landeskrone eine wichtige Burg angelegt. Sie gehörte längere Zeit den in Böhmen und den Lausitzen reich begüterten Herren von Bieberstein. Und sie wurde im böhmischen Verwaltungs- und Verteidigungssystem eingesetzt, um die Via Regia (Hohe Straße), die Handelsstraße, die im Mittelalter von Erfurt über Bautzen und Görlitz nach Breslau verlief, zu überwachen.

Als die Burg um 1440 in den Besitz der Stadt Görlitz gelangt war, wurde sie auf Geheiß des Rats geschleift. 1620 nutzte Johann Georg I. von Sachsen die Landeskrone als Beobachtungswarte. 1758 stationierte der österreichische General Esterhazy zwei Husarenregimenter auf dem Gipfel und 1866 besetzte die preußische Heeresführung den Berg im Zug des Krieges gegen Österreich.

Datei:BMS Goerlitz 1901.jpg
Bismarcksäule nach ihrer Einweihung

Geistiger Wandel in Mitteleuropa

Ende des 18. bzw. Anfang des 19. Jahrhunderts veränderte sich der Anspruch, den Gipfel als Wohnort mehr und mehr zu gestalten. Man entdeckte den romantischen Reiz in der Zeit der Dichter und Denker. 1796 baute man den heute noch stehenden Aussichtsturm.

Am 18. Dezember 1901 wurde die auf dem Südgipfel der Landeskrone befindliche Bismarcksäule eingeweiht. Sie wurde durch die Initiative der Görlitzer Akademischen Jugend gebaut und ist in der Ausführung „Götterdämmerung“ des Architekten Wilhelm Kreis realisiert. Die Bismarcksäule auf der Görlitzer Landeskrone war bei ihrer Einweihung die erste in Schlesien. Die Säule wurde in den Jahren 1994/95 saniert und ist heute ein beliebtes Ausflugsziel.

Gegenwart

Heute befinden sich auf dem Berg ein Hotel mit Gaststätte und ein Aussichtsturm. Der Turm diente jahrzehntelang als Fernsehumsetzer für die Stadt Görlitz und ist nach der Abschaltung fast aller Kleinsender in Sachsen im Sommer 2007 einer der letzten Sendestandorte, die noch ein analoges Fernsehprogramm ausstrahlen (Kanal E-06: euro-Regional tv mit 1 kW vertikal in PAL). Der Empfang ist bis an die Grenze zu Brandenburg möglich.

Siehe auch

  • Liste der Burgen und Schlösser in Sachsen
  • Liste von Vulkanen in Deutschland

Literatur

  • Zdeněk Měřínský, K lokalizaci hradu Businc u Dětmara Merseburského. (Thietmari Merseburgensis episcopi chronicon ad a. 1015). Sborník Prací Filozofické Fakulty Brněnské Univerzity. Studia minora Facultatis Philosophicae Universitatis Brunensis E 40, 1995, 135-143. Deutsche Zusammenfassung: Zur Lokalisierung der Burg Businc Thietmars von Merseburg im Jahre 1015 (Thietmari Merseburgensis episcopi chronicon ad a. 1015) auch im Internet.
  • Jasper von Richthofen, Die Landeskrone bei Görlitz – eine bedeutende slawische Befestigung in der östlichen Oberlausitz. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 45, 2003, 263-300. (Hier auch ausführlich zur Geschichte des Berges im Hoch- und Spätmittelalter und in der Neuzeit bis zur Gegenwart. Unter dem gleichen Titel erschien der Beitrag gekürzt auch kurz vor der Langfassung in: Görlitzer Magazin 16/2003, Seite 3-18, ISBN 3-932693-79-5.)
  • Jasper von Richthofen (Hg.), Besunzane – Milzener – Sorben. Die slawische Oberlausitz zwischen Polen, Tschechen und Deutschen. Schriftenreihe der Städtischen Sammlungen für Geschichte und Kultur Görlitz N.F. 37, 2004. (Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Sonderausstellung im Görlitzer Kulturhistorischen Museum 2004)
  • Joerg Buechner, Olaf Tietz: Reconstruction of the Landeskrone Scoria Cone in the Lusatian Volcanic Field, Eastern Germany – Long-term degradation of volcanic edifices and implications for landscape evolution. In: Geomorphology. 151-152, 2012, S. 175–187, doi:10.1016/j.geomorph.2012.01.027.

Weblinks


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