Landelinus war ein spätantiker Metallhandwerker. Er war in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts wahrscheinlich in Burgund tätig.

Landelinus ist heute nur noch von einer Signatur-Inschrift auf einer Gürtelschnalle bekannt. Diese ist aus Buntmetall gefertigt. Sie wurde bei Ausgrabungen auf dem frühmittelalterlichen Friedhof von Ladoix-Serrigny in der Region Bourgogne-Franche-Comté (Bourgogne), Département Côte-d’Or in einem Frauengrab gefunden. Das Bildfeld der Gürtelschnalle zeigt einen bewaffneten Reiter mit Begleittier und ein Kreuz über dem Kopf des Pferdes. Ein weiteres Kreuz steht vor dem Namen des Handwerkernamens. Die Inschrift nennt den Schöpfer als auch einen Spruch:[1]

LANDELINV S FICIT / NVMEN / QUI ILLA PVSSEDIRAVIT VIVA / VSQVI ANNVS MILI IN D(E)O
Landelinus hat das Numen dargestellt. Wer dies besitzen wird, möge in Gott bis zu tausend Jahre leben 

Numen meint hier „die Gottheit“, also Jesus Christus, der auch der dargestellte bewaffnete Reiter ist. Da nicht wie etwa auf den von Achvinus und Maxo gefertigten Schnallen der Name eines Auftraggebers genannt ist, ist davon auszugehen, dass dies keine Auftragsarbeit war, sondern für den freien Verkauf geschaffen wurde. Die Aussicht auf 1000 Jahre Seelenheil ist damit als verkaufsfördernde Werbung zu verstehen. Der Name Landelinus ist germanisch, die von ihm verwendete Sprache indes war schon romanisch. Der Name sagt zu dieser Zeit über die Herkunft des Trägers nichts aus, auch von merowingerzeitlichen Münzmeistern dieser Zeit sind germanische Namen bekannt. Neben Landelinus Maxo und Achvinus ist mit Siggiricus noch ein vierter Namen eines Metallhandwerkers des 6./7. Jahrhunderts bekannt, der eine Gürtelschnalle als Hersteller signiert hatte.

Die Inschrift ist trotz der Kürze von historischer Bedeutung, da sie Rückschlüsse auf den Status von Landelinus zulässt. Dieser muss nach der Lex Burgundionum ein faber aerarius (Bronzegießer) gewesen sein. Diese durften auf eigene Rechnung Waren aus ihnen zur Verfügung gestelltem Material fertigen, standen aber in einem Abhängigkeitsverhältnis zu einem Herrn. Somit war Landelinus offenbar ein Unfreier, der zwar eigenständig arbeiten durfte, aber nicht freizügig leben konnte. Das eingeritzte Bild weist ihn nicht als Künstler, sondern als mäßig begabten Handwerker aus, der dennoch schreiben und lesen konnte und einigermaßen mit christlicher Symbolik vertraut war. Der Reiz seiner Werke für Käufer rührte dementsprechend wohl eher aus dem Zusammenspiel von Gegenstand, Bild sowie Schrift und Sprache her. Wo Landelinus genau lebte und arbeitete, ist bisher nicht sicher feststellbar.

Literatur

  • Joachim Werner: Die romanische Trachtprovinz Nordburgund im 6. und 7. Jahrhundert. In: Von der Spätantike zum frühen Mittelalter. Aktuelle Probleme in historischer und archäologischer Sicht (= Vorträge und Forschungen Band 25). Thorbecke, Sigmaringen 1979, ISBN 3-7995-6625-2, S. 447–465, vor allem S. 456–458 (Digitalisat).
  • Raymund Gottschalk: Landelinus. In: Rainer Vollkommer (Herausgeber): Künstlerlexikon der Antike. Über 3800 Künstler aus drei Jahrtausenden. Nikol, Hamburg 2007, ISBN 978-3-937872-53-7, S. 439–440.
  • Henri Gaillard de Sémainville: Landelinus, l’auteur de la plaque-boucle mérovingienne au Christ de l’Apocalypse découverte à Ladoix-Serrigny (Côte-d’Or) serait-il saint Landelin? In: Revue archéologique de l’Est 68, 2019, S. 349–354 (Digitalisat, danach erscheint es möglich, dass es sich nicht um einen Metallhandwerker handelt, sondern um den Hl. Landelin).

Einzelbelege

  1. Übersetzung nach Joachim Werner

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