KV56
Grabmal von unbekannt

Ort Tal der Könige
Entdeckungsdatum 5. Januar 1908
Ausgrabung Edward R. Ayrton
für Theodore M. Davis
Vorheriges
KV55
Folgendes
KV57
Tal der Könige
(östliches Tal)

KV56 (Kings’ Valley no. 56) ist das altägyptische Grab mit der Nummer 56 im Tal der Könige. Der Grabinhaber ist unbekannt. Eine exakte Datierung ist nicht möglich, allerdings wurde es zur Zeit des Neuen Reiches (19. Dynastie) benutzt. KV56 ist auch als „Goldgrab“ (Gold Tomb) bekannt, da das Grab die bedeutendste, jemals in Ägypten gefundene Schmucksammlung aus der 19. Dynastie enthielt[1].

Entdeckung und Ausgrabung

Die Entdeckung und Ausgrabung erfolgte 1908 von Edward R. Ayrton für Theodore M. Davis. Publiziert wurden die Ergebnisse 1908 von Davis in The Tomb of Siptah, the Monkey Tomb, and the Gold Tomb. Im Rahmen des The Amarna Royal Tombs Project (ARTP) wurden von 1998 bis 2002 unter Nicholas Reeves erneute Ausgrabungsarbeiten durchgeführt.

Architektur und Funde

Isometrische Darstellung, Grundriss und Schnittzeichnung des Grabes
Goldene Ohrringe mit den Namen Sethos II. (Ägyptisches Museum Kairo, JE 39675)

Das unfertige Grab verfügt über einen tiefen Eingangsschacht und eine einzige, undekorierte Kammer, die eine Größe von 34,6 m² hat.[2] Eine Zuordnung zu einem bestimmten Grabtypus ist aufgrund der Bauweise und Funde schwierig: Einerseits ist fraglich, ob es sich überhaupt um ein Grab handelt, andererseits wird vermutet, KV56 könnte vielleicht ein Königsgrab sein.[3]

Die Schmuckfunde, die Ayrton in KV56 machte, gehören zu den schönsten, die im Tal der Könige gefunden wurden. Darunter waren mehrere Ringe, Armbänder, einige Halsbandornamente sowie Amulette, ein Diadem, ein Paar silberne Handschuhe, eine silberne Sandale sowie Ohrringe. Es ist deshalb auch als das „Goldgrab“ bekannt. Es enthielt jedoch auch Gefäße und Bestattungsutensilien, Anteile an Goldfolie sowie Stücke von Stuck, die vielleicht von einem Sarg stammen.

Deutungen

Das Grab enthielt Objekte mit den Namen von Königin Tausret und König (Pharao) Sethos II. Gaston Maspero schloss daraus, dass es sich bei KV56 um ein Versteck handelte, in das die Gegenstände aus dem Grab der Tausret (KV14) gebracht wurden, bevor dieses von Sethnacht usurpiert worden war. Gemäß Nicholas Reeves präsentierte Cyril Aldred jedoch eine wesentlich „fantasievollere“ Interpretation: „KV56 sei ein letztlich intaktes Grab“, in dem die etwa „einen halben Zoll dicke und rund vier Quadratfuß bedeckende Schicht aus zerbrochenem Stuck und Blattgold“ die „allerletzten Überreste eines völlig vermoderten Sargs darstelle.“ Aldred zufolge handele es sich bei den silbernen Handschuhen um Hüllen für die Hände der Mumie. Die Funde von Blattgold und zerbrochenem Stuck hielt er für Teile eines Sarges und mutmaßte deshalb, das Grab sei das eines Kindes von Tausret und Sethos II., das während der Regierungszeit von Sethos II. beigesetzt worden war[4]. Peter A. Clayton bezeichnet den Goldschmuck als von „zweitklassiger Qualität“. Zwei Paar Ohrringe von schlechter Verarbeitung deutet er ebenfalls als Grabbeigaben für eine im Kindesalter verstorbene Prinzessin von Sethos I. und Tausret.[5]

Reeves spricht sich dafür aus, dass KV56 aufgrund der Grablage, des Typs und des Entwurfs in die späte 18. Dynastie einzuordnen sei.

Siehe auch

Literatur

  • Theodore M. Davis: The Tomb of Siphtah; The Monkey Tomb and The Gold Tomb. Reprint der Ausgabe London 1908, Duckworth Publishing, London 2001, ISBN 0-7156-3073-3, S. 30–32.
  • Nicholas Reeves, Richard H. Wilkinson: Das Tal der Könige. Geheimnisvolles Totenreich der Pharaonen. Bechtermünz, Augsburg 2000, ISBN 3-8289-0739-3, S. 153.
  • Nicholas Reeves: Faszination Ägypten. Die großen archäologischen Entdeckungen von den Anfängen bis heute. Frederking & Thaler, München 2001, ISBN 3-89405-430-1, S. 116.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Nicholas Reeves: Faszination Ägypten. Die großen archäologischen Entdeckungen von den Anfängen bis heute. München 2001, S. 116.
  2. Theban Mapping Project: KV56, Chamber B, Dimensions (Memento des Originals vom 26. September 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.thebanmappingproject.com
  3. Theban Mapping Project: KV56, Additional Tomb Information (Memento des Originals vom 26. September 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.thebanmappingproject.com
  4. Theban Mapping Project: KV56, Site History (Memento des Originals vom 26. September 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.thebanmappingproject.com
  5. Peter A. Clayton: Die Pharaonen. Bechtermünz, Augsburg 1995, ISBN 3-8289-0661-3, S. 159.

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.