Astiruwa als ein junger Prinz.

Astiruwa oder Astiru (hieroglyphen-luwisch á-sa-ti-ru-wa/i-sá[1]) war ein neo-hethitischer König von Karkemiš, der Ende des 9. bis Anfang des 8. Jahrhunderts v. Chr.[2] oder zwischen 848 und 790 v. Chr.[3] regierte. Er trug die Titel Landesherr, Held und König.[2]

Erwähnung in Inschriften

Von Astiruwa sind keine eigenen Inschriften überliefert. Er wird nur in vier Inschriften seiner Diener und Nachfolger erwähnt. Ein Diener des Königs überlieferte, dass König Astiru während seiner Regierung Handwerks-Häuser hätte bauen lassen, wobei die Übersetzung mit Handwerk nicht ganz gesichert ist.[2]

Die Söhne des Astiruwa und der von Astiruwa eingesetzte Regent Yariri (2. v. l.) auf einem Relief aus Karkemiš

Die nächste Erwähnung von Astiruwa erfolgte in zwei Inschriften des Regenten Yariri, wohl eines Eunuchen, der nach dem Tode Astiruwas die Erziehung von dessen minderjährigen Söhnen, insbesondere des designierten Thronnachfolgers Kamani übernahm.[4] In diesen Inschriften bezeichnete Yariri explizit Kamani und seine jüngeren Brüder als Söhne seines Herrn Astiruwa.[5] Auch rühmte sich Yariri, von König Astiruwa eine besondere Behandlung erfahren zu haben:

„Durch Reisen stellte mein Herr mir einen Sohn jedes Landes betreffs der Sprache bereit, und er ließ mich jede Fähigkeit wissen.“

luwische Hieroglyphen-Inschrift KARKAMIŠ A15b[6]

Yariri beherrschte laut Eigenaussage zwölf Sprachen und vier Schriften, was er dem König verdankte.[7] Sollte Astiruwa tatsächlich so sehr für die Bildung des späteren Regenten gesorgt haben, so geschah das wahrscheinlich, um Yariri zu einem engen Vertrauten und Ratgeber[8] oder auch zum Wesir zu erheben.[9]

Die letzte bekannte Erwähnung des Königs erfolgte in der Inschrift eines Autors, der sich selbst als "des Helden Astirus Sohn" bezeichnete und bei dem es sich eventuell um Kamani handeln könnte.[2]

Dynastische Einordnung

Astiruwa war der erste bekannte Herrscher der letzten Dynastie von Karkemiš, die als Dynastie oder Haus des Astiruwa bekannt ist. Es ist nicht bekannt, wie die Dynastie an die Macht kam und wie sie mit der vorhergegangenen Dynastie verwandt ist, auch wenn sie den bereits zuvor gebräuchlichen Titel Landesherr fortführte.[2] Der letzte bekannte Vorgänger von Astiruwa, der nur aus assyrischen Quellen bekannte Sangara (um 870–848 v. Chr.[10]), wurde etwa ein halbes Jahrhundert vor Astiruwas geschätzter Regierungszeit zuletzt in den Quellen erwähnt. Ob und wie viele Könige zwischen Sangara und Astiruwa herrschten, ist nicht bekannt, aber zwei oder mehr werden als wahrscheinlich angesehen.[2]

Mit Astiruwas Dynastie schien auch eine veränderte politische Haltung aufzukommen, wie archaische Titel wie König und Held verraten. Diese Titel verkündeten gewissermaßen grandiose Reichsansprüche. Es scheint, als hätte Astiruwa geplant, seinem Königreich Karkemiš durch zahlreiche diplomatische Kontakte einen internationalen Status zu verschaffen. Wenn nicht bereits ihm selbst, so ist es nachweislich zumindest seinem Nachfolger Yariri gelungen, der sich verschiedener internationaler Kontakte rühmte.[2]

Die von Astiruwa oder einem seiner unbekannten Vorgänger gegründete Dynastie hatte mindestens fünf oder sechs überlieferte Herrscher. Diese waren:

  • Astiruwa selbst (Ende 9. bis Anfang 8. Jahrhundert v. Chr.)[2]
  • der Regent Yariri (frühes bis mittleres 8. Jahrhundert v. Chr.)[4]
  • Kamani, der Sohn von Astiruwa (frühes bis mittleres 8. Jahrhundert v. Chr.)[11]
  • eventuell der Wesir Sastura (mittleres 8. Jahrhundert v. Chr.)[12]
  • Sasturas Sohn unbekannten Namens (evtl. Astiru II. oder Pisiri; 2. Hälfte 8. Jahrhundert v. Chr.)[13]
  • Pisiri, der nur aus assyrischen Quellen bekannte letzte Herrscher von Karkemiš (738–717 v. Chr.)[14]

Unter Pisiris Regierung wurde Karkemiš 717 v. Chr. von den Assyrern erobert, was der Dynastie von Astiruwa ein Ende setzte.[14]

Stammbaum Haus von Astiruwa[15][16][17][18][19]

Die Aufeinanderfolge der Herrscher ist mit fett geschriebenen Zahlen gekennzeichnet. Die entsprechenden Ränge und Titel werden kursiv angegeben. Unklare Verwandtschaftsverhältnisse werden mit unterbrochenen Linien wiedergegeben. Nähere Informationen zu solchen unklaren Verwandtschaftsverhältnissen werden unter "Anmerkungen" erläutert. Personen mit unklarer oder kontroverser Einordnung im Stammbaum können mehrfach auftreten, werden dann aber durch ein fettes und kursives Fragezeichen (?) direkt hinter dem Namen gekennzeichnet. Die in diesem Artikel behandelte Person ist in FETTEN GROSSBUCHSTABEN hervorgehoben.

 
 
 
 
Astiruwa
König
1.
 
 
 
 
 
 
Yariri
Wesir
Regent
2.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Kamani
König
3.
 
weitere Söhne:
Malitispa, Astitarhunza,
Tarnitispa, Isikaritispa,
Sikara, Halpawari,
Yahilatispa
 
Tuwarsai?1
 
 
Tuwarsai?1
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Tuwarsai?1
 
Sastura2
Wesir
König?
4.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Sohn von Sastura3
König
= Astiru II.?
= Pisiri?
5.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Pisiri3
König
6.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Anmerkungen:

1: Bei Tuwarsai ist die genaue Position im Stammbaum etwas unklar. Er könnte sowohl der Sohn des Astiruwa als auch der Sohn des Kamani sein, was ihn im letzteren Falle zu einem Enkel des Astiruwa machen würde. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, dass Tuwarsai keineswegs dem Haus von Astiruwa angehört, sondern der Sohn des Regenten Yariri ist.

2: Der Fakt, dass der Sohn von Sastura der nächste zweifelsfrei belegte König von Karkemiš nach Kamani ist, macht es wahrscheinlich, dass auch Sastura selbst dem Haus von Astiruwa angehört. Die wahrscheinlichsten Erklärungen sind, dass Sastura ein Adoptivsohn, Schwiegersohn oder Neffe von Kamani ist. Alle drei Möglichkeiten würden ihn in die dynastische Linie bringen.

3: Der Name des Sohnes von Sastura ist nicht überliefert. Daher werden mehrere Möglichkeiten seiner Identität in Betracht gezogen. Eine Möglichkeit ist, dass der Sohn von Sastura mit dem Pisiri der assyrischen Quellen identisch ist. Die andere Möglichkeit ist, dass der Sohn des Sastura einem aus einer fragmentarischen Inschrift hypothetisch rekonstruierten Astiru II. entspricht, welcher dann wahrscheinlich nicht mit Pisiri identisch ist. Das würde dann bedeuten, dass Pisiri ein Nachfolger von Astiru II. ist, vielleicht der unmittelbare Nachfolger.

Literatur

  • Trevor Bryce: The World of the Neo-Hittite Kingdoms: A Political and Military History. Oxford University Press, Oxford/ New York 2012, ISBN 978-0-19-921872-1.
  • Annick Payne: Iron Age Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Society of Biblical Literature, Atlanta 2012, ISBN 978-1-58983-269-5.
  • Alessandra Gilibert: Syro-Hittite Monumental Art and the Archaeology of Performance. De Gruyter, Berlin 2011, ISBN 978-3-11-022225-8.

Einzelnachweise

  1. Annick Payne: Iron Age Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Atlanta 2012, S. 86.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 Trevor Bryce: The World of the Neo-Hittite Kingdoms: A Political and Military History. Oxford, New York 2012, S. 94.
  3. Alessandra Gilibert: Syro-Hittite Monumental Art and the Archaeology of Performance. Berlin 2011, S. 135.
  4. 4,0 4,1 Trevor Bryce: The World of the Neo-Hittite Kingdoms: A Political and Military History. Oxford, New York 2012, S. 94 f.
  5. Annick Payne: Iron Age Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Atlanta 2012, S. 86 f.
  6. Annick Payne: Iron Age Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Atlanta 2012, S. 84, 87.
  7. Annick Payne: Iron Age Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Atlanta 2012, S. 87.
  8. Annick Payne: Iron Age Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Atlanta 2012, S. 85.
  9. Trevor Bryce: The World of the Neo-Hittite Kingdoms: A Political and Military History. Oxford, New York 2012, S. 95.
  10. Trevor Bryce: The World of the Neo-Hittite Kingdoms: A Political and Military History. Oxford, New York 2012, S. 93.
  11. Trevor Bryce: The World of the Neo-Hittite Kingdoms: A Political and Military History. Oxford, New York 2012, S. 97.
  12. Trevor Bryce: The World of the Neo-Hittite Kingdoms: A Political and Military History. Oxford, New York 2012, S. 97, 302.
  13. Trevor Bryce: The World of the Neo-Hittite Kingdoms: A Political and Military History. Oxford, New York 2012, S. 97 f.
  14. 14,0 14,1 Trevor Bryce: The World of the Neo-Hittite Kingdoms: A Political and Military History. Oxford, New York 2012, S. 98.
  15. Trevor Bryce: The World of the Neo-Hittite Kingdoms: A Political and Military History. Oxford, New York 2012, S. 94–98, 302.
  16. John David Hawkins (1979): Some Historical Problems of the Hieroglyphic Luwian Inscriptions. In: Anatolian Studies 29, S. 159, 162.
  17. John David Hawkins (1982): Kubaba at Karkamiš and Elsewhere. In: Anatolian Studies 31, S. 159.
  18. John David Hawkins: Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions: Inscriptions of the Iron Age, Volume 1. Berlin 2000, S. 129.
  19. Elisabeth Rieken (2003): Hieroglyphen-luwisch zí+ra/i-la-mi-i („SCALPRUM.ARGENTUM“)su-ha-pa-na-ti: ein Kompositum und eine neue luwisch-lateinische Isoglosse. In: Historische Sprachforschung / Historical Linguistics 116(1), S. 48 f.

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