Der Kronprinz Kamani (l.) und sein Mentor, der Regent Yariri (r.) auf einem Relief aus Karkemiš

Kamani (hieroglyphen-luwisch ka-ma-ní-sa[1] oder ka-ma-ni-sa[2]) war ein König von Karkemiš, der je nach Datierung in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. oder im frühen bis mittleren 8. Jahrhundert v. Chr.[3], möglicherweise um 760 v. Chr.[4] regierte. Er führte die Titel Herrscher und Landesherr.[3]

Abstammung und Vorgänger

Kamani war der Sohn des verstorbenen Königs Astiruwa[3]. Da Kamani beim Tod seines Vaters noch unmündig war, wurde der Eunuch Yariri als Regent eingesetzt[3]. Vor dem eigenen Regierungsantritt war Kamani zuvor bereits Mitregent mit seinem Thronvorgänger Yariri. Es ist nicht weiter bekannt, ob Kamani erst nach Yariris Tod den Thron erhielt oder ihn bereits bei Erreichen der Volljährigkeit besteigen konnte, da Yariri ihm den Thron überließ[3].

Regierungszeit

Kamani ist in Yariris sowie in eigenen Inschriften bezeugt, die sich zum Teil auf Statuen fanden. Den Inschriften zufolge erhielt er die friedlichen, stabilen Verhältnisse, die bereits während der Regierungszeit seines Vorgängers geherrscht hatten[3]. Von Kamani sind Bauvorhaben, ein Kriegszug und die Wiederbesiedlung verwüsteter Landstriche belegt.[3] Auch erwarb er ein Territorium, das zuvor der Stadt Kanapu gehörte. Auf diesem Territorium gründete er die Stadt Kamana, die er mit Vater-Sohn-Paaren aus anderen Städten besiedelte.[5] Zudem war er auch in weiteren Grundstücksverkäufen involviert.[3]

Nachfolge

Frau mit Esel und dem Kleinkind Tuwarsai, dem möglichen Nachkommen Kamanis, auf einem Relief aus Karkemiš

Es besteht die Möglichkeit, dass Kamani bereits als unmündiger Prinz einen Nachkommen hatte, der ursprünglich als sein unmittelbarer Thronnachfolger vorgesehen war. Jenes Kind des Kamani, ein Kleinkind namens Tuwarsai, ist auf einem Bauwerk des Regenten Yariri dargestellt. Es bildet das Ende einer Reliefreihe, die den Prinzen Kamani und den Regenten Yariri darstellt, die kindlichen jüngeren Brüder des Kamani und am Ende eine Frau mit Kleinkind und Esel. Dieses Kleinkind ist Tuwarsai. Wird die bei der Frau mit dem Kind angebrachten Inschrift als „Und dies (ist) Tuwarsai, der heranwachsende Herrscher, der für die Herrschaft proklamierte Prinz“ gelesen, ist es möglich, das Kind als Nachkomme des Kamani zu deuten. Jedoch ist die Lesung als heranwachsender Herrscher nicht gesichert. Klar ist zumindest, dass Tuwaršai nie den Thron bestiegen hat.[6]

Auf der aus Karkemiš stammenden Stele Adana 1, die 2012 dem Museum in Adana übergeben wurde, bezeichnet sich ein Atika als Sohn des Landesherren Kamani sowie als geliebter Diener des Astiru, des Helden, des Landesherren der Stadt Karkemiš. Der Status dieses Atika geht allerdings aus dem nur fragmentarisch lesbaren Text der Stele nicht hervor.[7]

Wesir unter Kamani war Sastura. Vielleicht folgte Sastura Kamani auf dem Thron nach. Jedenfalls ist der Sohn des Sastura als König von Karkemiš belegt. Ob Sasturas Sohn mit dem in assyrischen Quellen belegten Pisiri identisch ist oder mit einem hypothetischen Astiru II. gleichgesetzt werden muss, dessen Nachfolger Pisiri dann war, ist nicht bekannt.[3]

Stammbaum Haus von Astiruwa[8][9][10][11][12]

Die Aufeinanderfolge der Herrscher ist mit fett geschriebenen Zahlen gekennzeichnet. Die entsprechenden Ränge und Titel werden kursiv angegeben. Unklare Verwandtschaftsverhältnisse werden mit unterbrochenen Linien wiedergegeben. Nähere Informationen zu solchen unklaren Verwandtschaftsverhältnissen werden unter "Anmerkungen" erläutert. Personen mit unklarer oder kontroverser Einordnung im Stammbaum können mehrfach auftreten, werden dann aber durch ein fettes und kursives Fragezeichen (?) direkt hinter dem Namen gekennzeichnet. Die in diesem Artikel behandelte Person ist in FETTEN GROSSBUCHSTABEN hervorgehoben.

 
 
 
 
Astiruwa
König
1.
 
 
 
 
 
 
Yariri
Wesir
Regent
2.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Kamani
König
3.
 
weitere Söhne:
Malitispa, Astitarhunza,
Tarnitispa, Isikaritispa,
Sikara, Halpawari,
Yahilatispa
 
Tuwarsai?1
 
 
Tuwarsai?1
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Tuwarsai?1
 
Sastura2
Wesir
König?
4.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Sohn von Sastura3
König
= Astiru II.?
= Pisiri?
5.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Pisiri3
König
6.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Anmerkungen:

1: Bei Tuwarsai ist die genaue Position im Stammbaum etwas unklar. Er könnte sowohl der Sohn des Astiruwa als auch der Sohn des Kamani sein, was ihn im letzteren Falle zu einem Enkel des Astiruwa machen würde. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, dass Tuwarsai keineswegs dem Haus von Astiruwa angehört, sondern der Sohn des Regenten Yariri ist.

2: Der Fakt, dass der Sohn von Sastura der nächste zweifelsfrei belegte König von Karkemiš nach Kamani ist, macht es wahrscheinlich, dass auch Sastura selbst dem Haus von Astiruwa angehört. Die wahrscheinlichsten Erklärungen sind, dass Sastura ein Adoptivsohn, Schwiegersohn oder Neffe von Kamani ist. Alle drei Möglichkeiten würden ihn in die dynastische Linie bringen.

3: Der Name des Sohnes von Sastura ist nicht überliefert. Daher werden mehrere Möglichkeiten seiner Identität in Betracht gezogen. Eine Möglichkeit ist, dass der Sohn von Sastura mit dem Pisiri der assyrischen Quellen identisch ist. Die andere Möglichkeit ist, dass der Sohn des Sastura einem aus einer fragmentarischen Inschrift hypothetisch rekonstruierten Astiru II. entspricht, welcher dann wahrscheinlich nicht mit Pisiri identisch ist. Das würde dann bedeuten, dass Pisiri ein Nachfolger von Astiru II. ist, vielleicht der unmittelbare Nachfolger.

Literatur

  • Hawkins, in CAH III.1, 406 f.
  • Ders., Some historic problems of the Hieroglyphic Luwian corpus, in Anatolian Studies XXIX, 153 ff.
  • Trevor Bryce: The World of the Neo-Hittite Kingdoms: A Political and Military History. Oxford University Press: Oxford, New York 2012. ISBN 978-0-19-921872-1
  • Annick Payne: Iron Age Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Society of Biblical Literature, Atlanta 2012, ISBN 978-1-58983-269-5
  • Elisabeth Rieken (2003): Hieroglyphen-luwisch zí+ra/i-la-mi-i („SCALPRUM.ARGENTUM“)su-ha-pa-na-ti: ein Kompositum und eine neue luwisch-lateinische Isoglosse. In: Historische Sprachforschung / Historical Linguistics 116(1), S. 35–53.
  • Alessandra Gilibert: Syro-Hittite Monumental Art and the Archaeology of Performance. De Gruyter, Berlin 2011, ISBN 978-3-11-022225-8

Einzelnachweise

  1. Annick Payne: Iron Age Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Atlanta 2012, S. 77.
  2. Annick Payne: Iron Age Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Atlanta 2012, S. 82.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 3,7 3,8 Trevor Bryce: The World of the Neo-Hittite Kingdoms: A Political and Military History. Oxford, New York 2012, S. 97 f.
  4. Alessandra Gilibert: Syro-Hittite Monumental Art and the Archaeology of Performance. Berlin 2011, S. 135.
  5. Annick Payne: Iron Age Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Atlanta 2012, S. 76 ff.
  6. Elisabeth Rieken (2003): Hieroglyphen-luwisch zí+ra/i-la-mi-i („SCALPRUM.ARGENTUM“)su-ha-pa-na-ti: ein Kompositum und eine neue luwisch-lateinische Isoglosse. In: Historische Sprachforschung / Historical Linguistics 116(1), S. 48 f.
  7. John David Hawkins, Kazım Tosun, Rukiye Akdoğan: A New Hieroglyphic Luwian Stele in Adana Museum In: Höyük 6 S. 1–6.
  8. Trevor Bryce: The World of the Neo-Hittite Kingdoms: A Political and Military History. Oxford, New York 2012, S. 94–98, 302.
  9. John David Hawkins (1979): Some Historical Problems of the Hieroglyphic Luwian Inscriptions. In: Anatolian Studies 29, S. 159, 162.
  10. John David Hawkins (1982): Kubaba at Karkamiš and Elsewhere. In: Anatolian Studies 31, S. 159.
  11. John David Hawkins: Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions: Inscriptions of the Iron Age, Volume 1. Berlin 2000, S. 129.
  12. Elisabeth Rieken (2003): Hieroglyphen-luwisch zí+ra/i-la-mi-i („SCALPRUM.ARGENTUM“)su-ha-pa-na-ti: ein Kompositum und eine neue luwisch-lateinische Isoglosse. In: Historische Sprachforschung / Historical Linguistics 116(1), S. 48 f.

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