Jinniushan, China

Fundort: Jinniushan, Danshishan, Liaoning, China
Spezies: Homo erectus
Geschätztes Alter: 218500 Jahre, Datierung basierend auf Elektronenspinresonanz-Verfahren (ESR), Uran/Thorium-Methode
Kultur: Oldowan, Feuer möglich

Letzte Meldung:   Mutter-Kind-Bindung vor 2 Millionen Jahren   –  Senckenberg-Wissenschaftler Ottmar Kullmer hat mit einem internationalen Team Zähne der ausgestorbenen Vormenschen-Art Australopithecus africanus in Hinblick auf die Nahrungsaufnahme im Kindesalter untersucht. Analysen der Zahnchemie zeigen, dass die Mütter der afrikanischen Homininen-Art ihre Kinder in den ersten 12 Lebensmonaten stillten und auch später – in Zeiten von Nahrungsknappheit – auf die Ernährung mit Muttermilch zurückgriffen. Die intensive, jahrelange Mutter-Kind-Bindung wird als eine der Ursachen für die geringe Nachkommen-Anzahl bei den Vormenschen gedeutet. Die Studie erscheint heute im renommierten Fachjournal „Nature“. ....

Der Fundort Jinniushan befindet sich auf einem Berg acht Kilometer südlich von Dashiqiao im Bezirk Yingkou, Provinz Liaoning. Der fossilführende Fundort (Site A) ist eine von mehreren, mit Beccia gefüllten Spalten in einem isolierten Karst-Turm, lokal als Jinniushan bekannt.

Im Zuge archäologischer Untersuchungen und Ausgrabungen 1974 entdeckte man drei potenzielle Fundstellen - Site A (befindet sich am Osthang), Site B (ca. 20 m nördlich von A) und Site C (befindet sich am Westhang). Im Jahr 1984 fanden Studenten der Universität Peking während einer "Field School" ein Teilskelett in Schicht 7 der Site A (nicht in Schicht 6, wie ursprünglich berichtet).



Obwohl Jinnishan einer der wichtigsten paläoanthropologischen Fundorte in China ist, wurde das meiste Material (Fauna, menschliche Überreste und Steinwerkzeuge) noch nicht umfassend untersucht und die Ergebnisse sind meist auf Chinesisch publiziert.

Fünf fossile Säugetierzähne wurden mittels Uran-Thorium Methode (Mittelwert 237.000 Jahre) sowie mittels Elektronen-Spin-Resonanz-Spektroskopie (Mittelwert 187.000 Jahre) datiert (Chen et al. 1994). Lu (1985) berichtet über eine weitere U/Th Datierung von Schicht 7 und gibt ein Alter von 280.000 Jahren an. Andere Wissenschaftler haben die Zuverlässigkeit dieser Altersschätzung aus stratigraphischen Gründen in Frage gestellt.

Die Knochenreste von Jinniushan

Das teilweise erhaltene Skelett stammt vermutlich von einem jungen Mann, der im Alter von etwa 20 Jahren starb. Der Schädel wurde von Wu Xin Zhi und Zaho Zhong Yi vom Institut für Wirbeltier-Paläontologie und Paläoanthropologie aus über 100 Bruchstücken rekonstruiert. Die Schädelwände sind dünn, gewölbt und deuten auf ein Gehirnvolumen von ca. 1.300 cm³ hin. Die postcranialen Elemente umfassen sechs Wirbeln (ein Hals- und fünf Brustwirbel), zwei linke Rippen, eine komplette linke Elle, ein komplettes linkes Becken, eine komplette linke Kniescheibe und zahlreiche artikulierte Knochen beider Handgelenke, Hände, Knöchel und Füße.

Die Steinartefakte von Jinniushan

In den Ablagerungen der sieben Schichten (nummeriert von oben nach unten) von Site A konnten nur zwei Steinartefakte gefunden werden. Wegen den dichten und gut geschichteten Ansammlungen von Mikrofauna gehen einige Forscher davon aus, dass Site A wahrscheinlich eine natürliche Falle war und kein Ort der Besiedlung durch Menschen. 1975 wurden bei Site C 15 kleine steinerne Artefakte aus den Schichten 4 - 6 (vermutlich frühes Paläolithikum) ausgegraben und die meist aus Schabern bestehen. Außerdem fand man in diesen Schichten zahlreiche Fossilien von Säugetieren und Hinweise auf Feuernutzung.


Literatur

Koordinaten