Das älteste kontrollierte Feuer?

Presseldung vom 06.04.2012


Eine Höhle in Südafrika birgt die frühesten Zeugnisse von Feuernutzung früher Menschen.

In der Wonderwerk Höhle in Südafrika stießen Forscher auf mikroskopische Aschepartikel von verbrannten Pflanzen und Knochen. Sie waren in Bodenschichen eingebettet, die bereits mehrere Dutzend Steinwerkzeuge ans Licht brachten, sagen der Archäologe Francesco Berna von der Boston University und seine Kollegen. Ein Mitglied der Gattung Homo, vielleicht Homo erectus, entzündete hier ein Feuer, das diese Spuren hinterließ, schreiben die Forscher am 2. April im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Berna und sein Team bezeichnen die Ergebnisse ihrer Analysen als den ältesten, sicheren Nachweis für den kontrollierten Einsatz von Feuer - etwa eine Million Jahre alt. Die Asche und die verkohlten Knochen - bereits früher von Peter Beaumont vom McGregor Museum in Kimberley, Südafrika ausgegraben - zeigen keine Anzeichen, dass sie durch Wind oder Wasser in die in Wonderwerk Höhle gelangten, oder von Waldbränden herrühren.

Die Altersschätzung der Feuerrückstände in der Wonderwerk Höhle basiert hauptsächlich auf der Untersuchung radioaktiver Elemente im Boden. Sie geben Auskunft darüber, wie lange das verbrannte Material von Erde bedeckt war. Molekulare Charakteristika der verbrannten Knochenreste zeigen, dass sie einer Hitze bis etwa 500 ° Celsius ausgesetzt waren, was im Einklang mit einer Art kontrollierten Feuers steht, sagen die Forscher.

Fragmente von Holzkohle fehlten. Daraus schließen die Archäologen, dass die Frühmenschen damals kein Holz als Brennmaterial nutzten, sondern kleinere Pflanzenteile wie Blätter, Zweige und trockene Gräser. Denn ein Holzfeuer werde normalerweise deutlich heißer.

Obwohl es unklar ist, zu welchem Zweck genau die Mitglieder einer ausgestorbenen Spezies Homo dieses Feuer entzündeten, so passen die neuen Erkenntnisse jedoch gut zu der Annahme, dass Homo erectus vor knapp 2 Millionen Jahren begann, seine Nahrung zu kochen, so die Wissenschaftler.

Und die menschlichen Vorfahren könnten möglicherweise noch mehr Gründe für die Zähmung des Feuers gehabt haben. "Die Beherrschung des Feuers war ein entscheidender Wendepunkt in der Evolution des Menschen", sagt der Mitverfasser der Studie Michael Chazan von der University of Toronto. "Denn dieser Schritt berührte alle Elemente der menschlichen Gesellschaft." Wenn sich eine Gruppe um das Lagerfeuer versammle und ihre Nahrung teile, sei dies ein wichtiger Teil dessen, was uns menschlich mache.

Vermutlich waren es zwar menschliche Vorfahren, die für das Feuer in der Wonderwerk Höhle verantwortlich waren, doch das Anzünden eines Feuer so weit zurück in der "Early Stone Age" war keinesfalls alltäglich, sagen die Archäologen Wil Roebroeks von der Universität Leiden in den Niederlanden und Paola Villa von der University of Colorado in Boulder. Reste einer Feuerstelle oder eines Lagerfeuerplatzes, wo die Feuer immer wieder angezündet worden wären, konnten auch in der Wonderwerk Höhle nicht nachgewiesen werden.

"Feuermachen war jenseits der 400.000-Jahre-Marke in der ganzen alten Welt keinesfalls eine Fähigkeit, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde", sagen Roebroeks und Villa. Die frühesten gesicherten Belege seien maximal 400.000 Jahre alt und stammten vermutlich von Neandertalern oder frühen Formen des Homo sapiens. Es gebe noch frühere, rund 700.000 Jahre alte Feuerrelikte aus Gesher Benot Ya'aqov in Israel, deren Bewertung aber umstritten sei. Da die Brandspuren nicht in einer Höhle, sondern auf freier Fläche lagen, könnten sie auch von einem Buschfeuer stammen.

Frühe Arten von Homo überlebten in kalten Teilen Europas vor mehr als 400.000 Jahren auch ohne gewohnheitsmäßig ein Feuer zu unterhalten, schrieb Roebroeks und Villa in einer aktuellen Überprüfung von Hunderten von archäologischen Stätten im Alter zwischen 1,2 Millionen und 40.000 Jahren.


Diese Newsmeldung wurde mit Material von PNAS erstellt


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