Unbekannte Vormenschenart in Ostafrika entdeckt

Meldung vom 04.04.2012 01:50

3,4 Millionen Jahre alte Fußknochen stammen aus der gleichen Zeit wie der Australopithecus afarensis


Original-Publikation:

Yohannes Haile-Selassie (University Cleveland,Ohio) et al.: Nature, doi:10.1038/nature10922

Der neue Fund bei Burtele in Äthiopien besteht aus acht Fußknochen. © The Cleveland Museum of Natural History. Photo courtesy: Yohannes Haile-Selassie

Forscher haben in Äthiopien das 3,4 Millionen Jahre alte Fußskelett einer bisher unbekannten Vormenschenart entdeckt, die somit zur gleichen Zeit wie die bekannte Art Australopithecus afarensis lebte, deren bekannteste Vertreterin die 1974 ebenfalls in Äthiopien gefundene Lucy ist. Die neuen Fußknochen sind jedoch affenähnlicher und weniger stark an den aufrechten Gang angepasst, berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature".

"Zum ersten Mal haben wir Beweise für die Existenz einer anderen Hominiden-Art, die zur gleichen Zeit wie Lucy gelebt hat", sagt Anthropologe und Co-Autor Bruce Latimer von der Case Western Reserve University in Cleveland."Dieser neue Fund hat einen zum Greifen fähigen großen Zeh und keine Wölbung, was darauf hindeutet, dass die Spezies keine großen Entfernungen zurücklegen konnte und viel Zeit in den Bäumen verbrachte."

Der Fund aus der Region Afar in Äthiopien umfasst acht Knochen vom vorderen Teil des Fußes.Dem Fußskelett fehle die für Australopithecus typische Wölbung im hinteren Mittelfuß, berichten die Forscher. Außerdem sei der große Zeh kleiner, abgespreizt und könne wie ein Daumen den anderen Zehen gegenübergestellt werden. Darin ähnele er eher dem Fuß der Gorillas und dem des vor 4,4 Millionen Jahren lebenden, primitiveren Vormenschen Ardipithecus ramidus. "Wir benötigen jetzt noch mehr Fossilien um herauszufinden, welcher Körper zu diesem Fuß gehört", schreibt Daniel Lieberman von der Harvard University in Cambridge in einem begleitenden Kommentar. Dann könne man besser verstehen, wie sich die Vormenschen damals bewegten und wie gut sie gehen, rennen und klettern konnten. Analysen der Sedimentschicht ergaben, dass das Wesen in einer bewaldeten Flusslandschaft lebte.

Die neuen Fossilien wurden in Burtele in der Afar-Region in Äthiopien gefunden. In den Sedimenten dort, die zwischen 3,2 und 3,8 Millionen Jahre alt sind, hat man in den letzten fünf Jahren neben zahlreichen Tierfossilien bereits mehrere Vormenschenrelikte gefunden, berichten die Forscher. Darunter waren ein Teilskelett eines Australopithecus afarensis, das sehr nahe des Ortes des aktuellen Homininen-Fundes ans Licht kam. Somit haben die beiden Vormenschenformen wahrscheinlich gleichzeitig denselben Lebensraum bewohnt und nur unterschiedliche Nischen besetzt, sagen die Wissenschaftler.


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