Sima del Elefante

Fundort: Sima del Elefante, Atapuerca, Spanien
Spezies: Homo erectus
Geschätztes Alter: 1150000 Jahre , Datierung basierend auf Kombination aus Paläomagnetismus, kosmogenische Isotope und Biostratigraphie
Kultur: Oldowan

Die Sima del Elefante, auch Trinchera Elefante genannt (dt: etwa "Elefanten-Grube", und in der Literatur abgekürzt TE) ist eine Ausgrabungsstelle des berühmten Fundkomplexes in der Sierra de Atapuerca im Norden Spaniens.

Die Sima del Elefante wurde innerhalb eines Eisenbahngrabens im frühen 20. Jahrhundert entdeckt. Im selben Bahngraben befinden sich auch drei andere Grabungsstätten des Atapuerca-Komplexes: Gran Dolina, Galeria und Covacha de los Zarpazos. Die Ausgrabungen in der Sima del Elefante nahmen erst in den späten 1990ern ihren Anfang, heute gilt die Fundstelle als ein Schlüssel für das Verständnis der prähistorischen Bevölkerung in der Sierra de Atapuerca und für die Besiedelung Europas.

Die Höhle ist 18 Meter tief und bis zu 15 Meter breit und besteht aus sechzehn stratigraphischen Ebenen, von denen die älteste Ebene Fossilien von Homininen enthielt, die mit paläomagnetischen Methoden auf ein Alter zwischen 1,1 und 1,3 Millionen Jahren datiert werden konnten.

Steinwerkzeuge

Die Steinwerkzeuge, die in der Sima del Elefante entdeckt wurden, gehören zum Mode3 aus der Ebene TE19, zum Mode 2 aus der Ebene TE18 und schließlich zum Oldowan Mode 1 aus den Ebenen TE9 - TE14.

Homininen

In der Ebene TE9 konnte im Jahr 2008 ein Fragment des Unterkiefers und ein Zahn geborgen werden. Die Überreste wurden vorläufig der Spezies Homo antecessor zugeordnet. Weitere menschliche Überreste, die in der Folgezeit gefunden wurden, bestehen aus einem Fingerknochen (Phalanx) und einem kleinen Fragment eines Oberschenkelknochens. Zusätzlich kamen Artefakte ans Licht: Abschläge, die durch Schläge eines harten Hammersteins auf in der Hand gehaltene, mittelgroße Kerne hergestellt wurden. Die fossilen Tierknochen aus der Schicht repräsentieren typische Arten für den Zeitraum: Marder (Mustelidae), Mäuse (Muridae), Nager (Rodentia), Insektenfresser (Insectivora). Die Knochen eines vorzeitlichen Rindes zeigen Schlag- und Schnittspuren (wie sie bei der Entfleischung entstehen), was ein direkter Hinweis auf Schlachttätigkeiten ist.

Der Nachweis, dass die Funde aus der Sima del Elefante eine der frühesten Menschenformen außerhalb Afrikas repräsentieren, wird teilweise durch morphologische Vergleiche mit anderen frühen Homininen gestützt (Bermúdez de Castro et al. 2011). Die Studie fand Ähnlichkeiten zwischen Zahnfunden aus der Sima del Elefante und solchen aus Dmanisi sowie Zähnen des frühen afrikanischen Homo. Andere Aspekte des Unterkiefers sehen allerdings nicht wie beim afrikanischne Homo aus, was Forscher vermuten läßt, dass eine Artbildung über den langen Zeitraum, in dem Eurasien besiedelt wurde, stattgefunden haben könnte. Die Studie veranlasste die Forscher auch zu dem Schluss, dass die Homininen aus der Sima del Elefante besser als Homo sp. benannt werden sollten, anstatt H. antecessor, wie sie ursprünglich vorgeschlagen hatten.


Literatur

  • Aguirre E, and Carbonell E. 2001. Early human expansions into Eurasia: The Atapuerca evidence. Quaternary International 75(1):11-18, DOI: 10.1016/s1040-6182(00)00073-2
  • Bermúdez de Castro JM, Martinón-Torres M, Robles AG, Prado L, and Carbonell E. 2010. New human evidence of the Early Pleistocene settlement of Europe, from Sima del Elefante site (Sierra de Atapuerca, Burgos, Spain). Quaternary International 223-224:431-433, DOI: 10.1016/j.quaint.2009.07.024
  • Bermúdez de Castro JM, Martinón-Torres M, Gómez-Robles A, Prado-Simón L, Martín-Francés L, Lapresa M, Olejniczak A, and Carbonell E. 2011. Early Pleistocene human mandible from Sima del Elefante (TE) cave site in Sierra de Atapuerca (Spain): A comparative morphological study. Journal of Human Evolution 61(1):12-25, DOI: 10.1016/j.jhevol.2011.03.005

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