Sesselfelsgrotte, Deutschland

Fundort: Sesselfelsgrotte, Neuessing, Altmühltal in Bayern, Deutschland
Spezies: Homo neanderthalensis
Fossil: Sesselfelsgrotte 1 - 3, Skelett eines Fetus, zwei Milchzähne
Geschätztes Alter: 50000 Jahre
Kultur: Moustérien, Micoquien

Letzte Meldung:   Mutter-Kind-Bindung vor 2 Millionen Jahren   –  Senckenberg-Wissenschaftler Ottmar Kullmer hat mit einem internationalen Team Zähne der ausgestorbenen Vormenschen-Art Australopithecus africanus in Hinblick auf die Nahrungsaufnahme im Kindesalter untersucht. Analysen der Zahnchemie zeigen, dass die Mütter der afrikanischen Homininen-Art ihre Kinder in den ersten 12 Lebensmonaten stillten und auch später – in Zeiten von Nahrungsknappheit – auf die Ernährung mit Muttermilch zurückgriffen. Die intensive, jahrelange Mutter-Kind-Bindung wird als eine der Ursachen für die geringe Nachkommen-Anzahl bei den Vormenschen gedeutet. Die Studie erscheint heute im renommierten Fachjournal „Nature“. ....

Die Sesselfelsgrotte ist ein archäologischer Fundplatz bei Neuessing im Altmühltal. Sie gilt als einer der wichtigsten altsteinzeitlichen Fundorte des mitteleuropäischen Raumes. Sie ist nach Südwesten geöffnet und liegt etwa 25 m über der Altmühl, etwa 374 m über dem Meeresspiegel und direkt über der nördlichen Häuserzeile von Neuessing.

Bei Ausgrabungen ab 1964 konnte eine etwa sieben Meter mächtige Schichtenfolge dokumentiert werden, die mit den unteren Schichten bis in die etwa 125.000 Jahre alte Eem-Warmzeit zurückreicht. Die Ausgrabungen unter der Leitung von Prof. Lothar Zotz (1899-1967) und Prof. Gisela Freund haben rund 100.000 Artefakte des Mittel- und Jungpaläolithikums, die Reste von drei Neandertalern und eine umfangreiche Fauna ans Licht gebracht.

Die Neandertaler aus der Sesselfelsgrotte

1995 entdeckte man bei der Auswertung der Säugetierfauna 12 Knochenbruchstücke eines 8 Monate alten Fetus (Sesselfelsgrotte 1), diese Stücke kamen bereits 1968 bei Grabungsarbeiten zutage, wurden aber wie alle Faunenreste zunächst verpackt und jahrelang unerkannt eingelagert. Bereits während der Grabungsarbeiten in den Jahren 1971 und 1973 konnte man zwei Milchzähne (Sesselfelsgrotte 2, 3) identifizieren, die etwa 12 Jahre alten Kindern gehörten, aber aus unterschiedlichen Schichten stammten. Das Fossil Sesselfelsgrotte 1 ist rund 50.000 Jahre alt, Sesselfelsgrotte 2 und 3 dürften älter als 70.000 Jahre alt sein.

Die Sesselfelsgrotte gewährt einen detaillierten Einblick in die geologischen, klimageschichtlichen, faunistischen, paläobotanischen und kulturgeschichtlichen Veränderungen in einem Zeitraum von rund 100.000 Jahren. Die weitgehend ungestörte Sedimentation in der Sesselfelsgrotte erlaubt es, die typologische und technologische Entwicklung des Moustérien und des Micoquien zu verfolgen.

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Das Paläolithikum und Mesolithikum des Unteren Altmühltals II“ werden in der „Quartär-Bibliothek“ durch G. Freund und L. Reisch herausgegeben. Vier reich bebilderte Monographien liegen bereits vor, vier weitere mit archäologischen und naturwissenschaftlichen Untersuchungen stehen vor dem Abschluss.

Weblink: Die Sesselfelsgrotte in Neuessing mit vielen Abbildungen




Literatur

Koordinaten