Sesselfelsgrotte, Deutschland

Letzte Meldung:   Urmenschen mit Fingerspitzengefühl   –  Senckenberg-Wissenschaftlerin Katerina Harvati widerlegt gemeinsam mit ihrem Team der Universität Tübingen und in enger Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum Basel die bisherige Annahme, dass sich Neandertaler bei dem Einsatz ihrer Hände hauptsächlich auf ihre Kraft verlassen hätten. In einer heute im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlichten Studie zeigen sie....

Fundort: Sesselfelsgrotte, Neuessing, Altmühltal in Bayern, Deutschland
Spezies: Homo neanderthalensis
Fossil: Sesselfelsgrotte 1 - 3, Skelett eines Fetus, zwei Milchzähne
Geschätztes Alter: 50.000 Jahre
Kultur: Moustérien, Micoquien

Die Sesselfelsgrotte ist ein archäologischer Fundplatz bei Neuessing im Altmühltal. Sie gilt als einer der wichtigsten altsteinzeitlichen Fundorte des mitteleuropäischen Raumes. Sie ist nach Südwesten geöffnet und liegt etwa 25 m über der Altmühl, etwa 374 m über dem Meeresspiegel und direkt über der nördlichen Häuserzeile von Neuessing.

Bei Ausgrabungen ab 1964 konnte eine etwa sieben Meter mächtige Schichtenfolge dokumentiert werden, die mit den unteren Schichten bis in die etwa 125.000 Jahre alte Eem-Warmzeit zurückreicht. Die Ausgrabungen unter der Leitung von Prof. Lothar Zotz (1899-1967) und Prof. Gisela Freund haben rund 100.000 Artefakte des Mittel- und Jungpaläolithikums, die Reste von drei Neandertalern und eine umfangreiche Fauna ans Licht gebracht.

Die Neandertaler aus der Sesselfelsgrotte

1995 entdeckte man bei der Auswertung der Säugetierfauna 12 Knochenbruchstücke eines 8 Monate alten Fetus (Sesselfelsgrotte 1), diese Stücke kamen bereits 1968 bei Grabungsarbeiten zutage, wurden aber wie alle Faunenreste zunächst verpackt und jahrelang unerkannt eingelagert. Bereits während der Grabungsarbeiten in den Jahren 1971 und 1973 konnte man zwei Milchzähne (Sesselfelsgrotte 2, 3) identifizieren, die etwa 12 Jahre alten Kindern gehörten, aber aus unterschiedlichen Schichten stammten. Das Fossil Sesselfelsgrotte 1 ist rund 50.000 Jahre alt, Sesselfelsgrotte 2 und 3 dürften älter als 70.000 Jahre alt sein.

Die Sesselfelsgrotte gewährt einen detaillierten Einblick in die geologischen, klimageschichtlichen, faunistischen, paläobotanischen und kulturgeschichtlichen Veränderungen in einem Zeitraum von rund 100.000 Jahren. Die weitgehend ungestörte Sedimentation in der Sesselfelsgrotte erlaubt es, die typologische und technologische Entwicklung des Moustérien und des Micoquien zu verfolgen.

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Das Paläolithikum und Mesolithikum des Unteren Altmühltals II“ werden in der „Quartär-Bibliothek“ durch G. Freund und L. Reisch herausgegeben. Vier reich bebilderte Monographien liegen bereits vor, vier weitere mit archäologischen und naturwissenschaftlichen Untersuchungen stehen vor dem Abschluss.

Weblink: Die Sesselfelsgrotte in Neuessing mit vielen Abbildungen


Literatur

  • Freund, G. 1998. Sesselfelsgrotte I – Grabungsverlauf und Stratigraphie. (Forschungsprojekt "Das Paläolithikum und Mesolithikum des Unteren Altmühltals II", Teil I) Quartär Band 8, ISBN 3-930843-42-0
  • Rathgeber, Th. 2006. Fossile Menschenreste aus der Sesselfelsgrotte im unteren Altmühltal (Bayern, Bundesrepublik Deutschland). Quartär, Jahruch für Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit, Band 53/54, S. 33-59. 16

Koordinaten

  • 48.935555° N, 11.789444° E von Henry Gilbert,
     

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