Scladina, Belgien

Fundort: Scladina, Grotte Scladina, Parc National de Furfooz, Belgien
Spezies: Homo neanderthalensis
Geschätztes Alter: 110000 Jahre, Datierung basierend auf Uran/Thorium-Methode, Sauerstoff-Isotopenstufe (OIS)
Kultur: Mousterien, Feuer

Letzte Meldung:   Mutter-Kind-Bindung vor 2 Millionen Jahren   –  Senckenberg-Wissenschaftler Ottmar Kullmer hat mit einem internationalen Team Zähne der ausgestorbenen Vormenschen-Art Australopithecus africanus in Hinblick auf die Nahrungsaufnahme im Kindesalter untersucht. Analysen der Zahnchemie zeigen, dass die Mütter der afrikanischen Homininen-Art ihre Kinder in den ersten 12 Lebensmonaten stillten und auch später – in Zeiten von Nahrungsknappheit – auf die Ernährung mit Muttermilch zurückgriffen. Die intensive, jahrelange Mutter-Kind-Bindung wird als eine der Ursachen für die geringe Nachkommen-Anzahl bei den Vormenschen gedeutet. Die Studie erscheint heute im renommierten Fachjournal „Nature“. ....

Die Scladina Höhle liegt über dem Südufer der Maas, zwischen den Städten Namur und Andenne.

Die Fundstelle aus dem Mittelpaläolithikum wird seit über zwanzig Jahren von der Abteilung für Vorgeschichte der Universtät Lüttich untersucht. Scladina ist eine der wenigen Höhlen in Europa, in der das ganze Jahr über wissenschaftlich gearbeitet wird.



In der Höhle entdeckte man die Überreste eines 7 bis 8 Jahre alten Neandertalerkindes, das vor etwa 100.000 Jahren lebte. Die Konservierung von organischem Material ist in der Höhle von Scladina außergewöhnlich gut, und so konnten Genforscher Teile der mtDNA-Sequenz des Kindes rekonstuieren. Ein internationales Team unter der Leitung von Forschern des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie hat die Entwicklung bei dem Neandertaler-Kind aus Scladina analysiert. Die Forscher nutzten die Wachstumslinien, die sich im Inneren und an der Oberfläche der Zähne des Kindes befinden, um zu rekonstruieren, wann die Zahnung eintrat und wie alt das Kind zum Todeszeitpunkt war. Das Ergebnis: Im Vergleich zum modernen Menschen vollzog sich das Zahnwachstum beim Neandertaler in den meisten Fällen schneller.

Weblink: Grotte Scladina (französisch)


Literatur

Koordinaten