Koobi Fora, Upper Chari Member, Kenia

Fundort: Koobi Fora, Upper Chari Member, Koobi Fora Formation, East Lake Turkana, Ostafrikanischer Grabenbruch, Kenia
Spezies: Homo rhodesiensis, (heidelbergensis)
Geschätztes Alter: 300000 Jahre

Koobi Fora ist ein Höhenrücken am Ostufer des Turkana-Sees in Kenia im Gebiet des nomadischen Gabbra-Volkes. In deren Sprache bedeutet der Begriff Koobi Fora "Ort der Commiphora und Quelle der Myrrhe", die eine häufige Pflanze in dieser heißen und trockenen Gegend ist.

Geologisch gesehen ist der Höhenrücken von Koobi Fora ein Ausläufer von hauptsächlich plio-pleistozänen Sedimenten, die aus Tonstein, Schluff (Silt) und Sandstein bestehen und in denen sich zahlreiche Fossilien terrestrischer Säugetiere, einschließlich früher Menschenformen, erhalten haben. Gegenwärtig wird das Gelände durch eine Reihe von kurzlebigen Wasserläufen erodiert, die in den nordöstlichen Teil des Lake Turkana abfließen. Im Jahr 1968 gründete Richard Leakey auf einer großen Sandbank des Lake Turkana das Koobi Fora Base Camp, das er als Koobi-Fora-Landzunge bezeichnete.

Die folgenden Forschungsarbeten und zahlreichen Ausgrabungen an mehreren Fundstellen etablierten die Region als ergiebige Hominiden-Fundstellen, die bis heute Aufschluss über die Evolution des Menschen über 4,2 Millionen Jahre gibt. Auch die riesige Anzahl an Tier- und Pflanzenfossilien gibt einen detaillierten Einblick in die Fauna und Flora bis zurück in das Miozän.



Im Jahr 1973 erklärte die kenianische Regierung die Region zum Schutzgebiet und errichtete den Sibiloi National Park. Das Reservat ist gut gepflegt und wird von freundlichen, aber bewaffneten Parkpolizisten gut bewacht. Der Schutz der Fundstellen und vor allem der Tierwelt hat für die kenianische Regierung höchste Priorität. Die Forschungen und Ausgrabungen in der Region stehen unter der Schirmherrschaft des Koobi Fora Research Project (KFRP), das mit einer Reihe von Universitäten in aller Welt zusammenarbeitet.

Früher wurde der Begriff "Koobi Fora" verwendet, um einige wenige Fundstellen (oder Leakeys Koobi Fora Base Camp auf besagter Landzunge) zu beschreiben. Wenn Forscher heute von Koobi Fora sprechen, so meinen sie einige oder mehrere Stellen im Sibiloi-Nationalpark. Der Begriff Ost-Turkana hat sich ebenfalls eingebürgert.

Man unterteilt die Region in Fossilien führende Bereiche, beispielsweise Area 102, 103, 140 usw. Innerhalb dieser Bereiche befinden sich die archäologischen Fundstellen, die man beispielsweise als FXJj 1 oder FxJj 10 bezeichnet, sowie die paläontologischen Fundstellen, die in der Regel nach der Inventarnummer wichtiger hominider Knochenfunde benannt werden. So stammt z.B. der berühmte Hominidenschädel KNM-ER 1470 aus Area 131, wobei KNM für Kenya National Museums steht, ER für East Rudolf (der Turkanasee hieß früher Rudolfsee) und 1470 für die Inventarnummer des Fundstücks. Alle Fossilien, die an dieser Stelle gefunden wurden, auch die nicht-menschlichen, werden der Lokalität 1470 zugeordnet.


Literatur

  • Feibel, C. S., Brown, F. H., & McDougall, I. 2005. Stratigraphic context of fossil hominids from the Omo Group deposits: Northern Turkana Basin, Kenya and Ethiopia. American Journal of Physical Anthropology, 78(4), 595-622.
  • Brown, F. H., & Feibel, C. S. 1986. Revision of lithostratigraphic nomenclature in the Koobi Fora region, Kenya. Journal of Geological Society, 143(2), 297

Koordinaten

  • 4.349792° N, 36.245483° E von Henry Gilbert,