Shanidar, Irak

Letzte Meldung:   Urmenschen mit Fingerspitzengefühl   –  Senckenberg-Wissenschaftlerin Katerina Harvati widerlegt gemeinsam mit ihrem Team der Universität Tübingen und in enger Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum Basel die bisherige Annahme, dass sich Neandertaler bei dem Einsatz ihrer Hände hauptsächlich auf ihre Kraft verlassen hätten. In einer heute im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlichten Studie zeigen sie....

Fundort: Shanidar, Kurdistan, Irak
Spezies: Homo neanderthalensis
Fossil: Shanidar Skelett, Pollenkörner aus einem Grab waren einmal die wichtigsten Belege in der Debatte über den Totenkult der Neandertaler. Zahnstein bezeugt Pflanzenkonsum
Geschätztes Alter: 49.000 Jahre, Datierung basierend auf Radiokarbon-Methode (C-14)
Kultur: Moustérien, Begräbnisse
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Die Shanidar Höhle liegt rund 400 Kilometer nördlich von Bagdad im Nordosten Kurdistans auf einer Höhe von 747 Metern in den Barradost Bergen, einer der westlichen Ausläufer des Zagros-Gebirges

Die Shanidar Höhle ist die älteste prähistorische Stätte im Irak, einem Land, das archäologisch berühmt ist für die kulturellen Errungenschaften, die man in Mesopotamien entdeckte. Die Shanidar Höhle liegt rund 400 Kilometer nördlich von Bagdad im Nordosten Kurdistans auf einer Höhe von 747 Metern in den Baradost Bergen, einer der westlichen Ausläufer des Zagros-Gebirges und eine Gebirgskette, deren schwerer dolomitischer Kalkstein die häufigste Gesteinskomponente ist. In diesem Gestein hat die Erosion Höhlen und Unterstände geformt, die bis heute von Menschen genutzt werden.

Shanidar 4, oder das Blumengrab, ist eines der markantesten Beispiele eines Begräbnisritus von Neandertalern. Der männliche Verstorbene war etwa 35 bis 40 Jahre alt und wurde auf der Seite liegend in einer fötalen Position beerdigt.

Pollenanalysen aus dem Boden, der das Grab bedeckte, ergaben Spuren von Schafgarbe, Kornblumen, Disteln, Kreuzkraut, Traubenhyazinthen, Kiefern, Malve und andere, die in anderen Teilen der Höhle abwesend waren. Dies deutet darauf hin, dass diese Blüten - von denen die meisten in der Medizin auch heute noch als Diuretika, Stimulanzien oder Entzündungshemmer genutzt werden - speziell auf die Grabstätte gebracht wurden, und die wahrscheinlich in irgendeinem Zusammenhang mit dem Beerdigten standen. Es muß allerdings darauf aufmerksam gemacht werden, dass einige Forscher die Anwesenheit der Blüten als Ergebnis natürlicher Umstände interpretieren, wie etwa Einwehungen oder Einschwemmungen.


Literatur

  • Solecki, R. S. (1971). Shanidar: the first flower people: Knopf New York.
  • Solecki, R. S. (1975). Shanidar IV, a Neanderthal flower burial in northern Iraq. Science, 190, 880-881.
  • Sommer, J. D. (1999). The Shanidar IV Flower Burial: A re-evaluation of Neanderthal burial ritual. Cambridge Archaeological Journal, 9(01), 127-129.

Koordinaten

  • 36.832500° N, 44.228889° E von Henry Gilbert,
     

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