Predmosti, Tschechien

Fundort: Predmosti, Mähren, Tschechien
Spezies: Homo sapiens
Geschätztes Alter: 31000 Jahre
Kultur: Aurignacien

Letzte Meldung:   Mutter-Kind-Bindung vor 2 Millionen Jahren   –  Senckenberg-Wissenschaftler Ottmar Kullmer hat mit einem internationalen Team Zähne der ausgestorbenen Vormenschen-Art Australopithecus africanus in Hinblick auf die Nahrungsaufnahme im Kindesalter untersucht. Analysen der Zahnchemie zeigen, dass die Mütter der afrikanischen Homininen-Art ihre Kinder in den ersten 12 Lebensmonaten stillten und auch später – in Zeiten von Nahrungsknappheit – auf die Ernährung mit Muttermilch zurückgriffen. Die intensive, jahrelange Mutter-Kind-Bindung wird als eine der Ursachen für die geringe Nachkommen-Anzahl bei den Vormenschen gedeutet. Die Studie erscheint heute im renommierten Fachjournal „Nature“. ....

Předmostí ist eine jungpaläolithische Siedlung in der Nähe von Prerov in Nordmähren und eine wichtige archäologische Stätte in Tschechien, berühmt vor allem durch steinzeitliche Übereste von Menschen und einer beträchtlichen Anzahl von Mammutknochen. Zusammen mit Dolni Věstonice ist Předmostí der wichtigste archäologische Fundort in der Tschechischen Republik.

Předmostí besteht aus drei getrennten Fundstellen, die sich um zwei Kalkstein-Formationen gruppieren. Frühe Ausgrabungen fanden zwischen 1884 und 1930 statt. In den 1990er Jahren fanden weitere Ausgrabungen unter der Leitung von Jiri Svoboda statt. Mammutknochen wurden hier schon sehr lange gefunden, so erwähnte im 16. Jahrhundert der Verfasser der tschechischen Grammatik Jan Blahoslav (1523-1571) den Fund von Knochen von Riesen. Andere Tierknochen, die bei den neuzeitlichen Grabungen ans Licht kamen, stammen vom Fuchs, Rentier, Pferd, Wolf, Bär, Vielfraß und Hase.

Ausgrabungen der wichtigsten kulturellen Schicht, die bis zu 80 Zentimeter dick war, brachten zahlreiche Werkzeuge aus Knochen und Feuerstein sowie Kunstwerke ans Licht - darunter das stilisierte Abbild einer Frau, eingeritzt in den Stoßzahn eines Mammuts, Figuren aus Elfenbein, die Mammuts und Menschen darstellen, sowie geometrische Muster.

In einem ovalen Grab mit einer Länge von 4 Metern und einer Breite von 2,5 Metern fand man die Überreste von fünf erwachsenen Männern, drei erwachsenen Frauen und 12 Kindern. Bestimmte Verletzungen an Knochen, von denen einige verbrannt wurden, könnten auf Kannibalismus zurückgeführt werden, doch dies wird bis heute kontrovers disktiert. Die Skelette wurden zunächst als Homo predmontensis beschrieben, später aber dem Homo sapiens zugeschrieben. Einige Merkmale der Knochen könnten darauf hinweisen, dass sich die Jäger von Předmostí mit Gruppen von Neandertalern vermischten.

Predmosti war während zwei Perioden des Oberen Paläolithikums in einem Zeitraum vor 24.000 - 27.000 Jahren besiedelt. Dies zeigt, dass die Menschen der Gravettien-Kultur lange Zeit in dieser Gegend lebten. Im Gegensatz zu anderen mährischen Begräbnisstätten aus dem Gravettien, wurden die Verstorbenen ohne roten Ocker beigesetzt und nur mit sehr wenigen Grabbeigaben versehen.

Die Hunde von Predmosti

In den Schichten des Gravettien von Predmosti hat man sieben komplette Schädel von Caniden gefunden, die frühe Beispiele von Domestikation darstellen könnten. Drei der Fundstücke wurden als pleistozäne, europäische Hunde identifiziert. Sie unterscheiden sich von einem vierten Schädel - den man einem pleistozänen Wolf zuordnen konnte - durch einen kürzeren Schädel und eine kürzere Schnauze. Die restlichen drei konnten weder der einen noch der anderen Spezies zugewiesen werden. Diese Funde könnten ein Nachweis für den Fortschritt der Domestikation in Europa sein (Germonpré et al., 2012).


Predmosti_Skull,250.jpg
Schädel aus Predmosti auf einer alten Fotografie


Fundstücke Nachfolgende Fotos © Human Evolution Research Center, (US-Lizenz Fair Use)

Homo sapiens
noImage.jpg
PREDMOST

CRA + MAN


Literatur

Koordinaten