Ngandong, Indonesien

Fundort: Ngandong, Java, Indonesien
Spezies: Homo erectus
Geschätztes Alter: 50000 Jahre, Datierung basierend auf Biostratigraphie, Argon-Argon-Methode

Letzte Meldung:   Mutter-Kind-Bindung vor 2 Millionen Jahren   –  Senckenberg-Wissenschaftler Ottmar Kullmer hat mit einem internationalen Team Zähne der ausgestorbenen Vormenschen-Art Australopithecus africanus in Hinblick auf die Nahrungsaufnahme im Kindesalter untersucht. Analysen der Zahnchemie zeigen, dass die Mütter der afrikanischen Homininen-Art ihre Kinder in den ersten 12 Lebensmonaten stillten und auch später – in Zeiten von Nahrungsknappheit – auf die Ernährung mit Muttermilch zurückgriffen. Die intensive, jahrelange Mutter-Kind-Bindung wird als eine der Ursachen für die geringe Nachkommen-Anzahl bei den Vormenschen gedeutet. Die Studie erscheint heute im renommierten Fachjournal „Nature“. ....

Die homininen Fossilien von Ngandong bestehen aus elf Schädeldecken, die man im Jahre 1931 in der Nähe des Solo-Flusses auf Java, Indonesien gefunden hat. Sie sind Teil eines Abstammungspuzzles, denn die Morphologie der Schädel scheint sowohl zu Homo erectus als auch zu einer archaischen Form des Homo sapiens zu passen.

Die ersten Datierungen der Schädel ergaben ein Alter von 100.000 Jahren. Das war verblüffend, denn Homo sapiens war in diesem Teil der Welt erst sein etwa 40.000 Jahren bekannt, während man vom Homo erectus annahm, dass er bereits lange vor dieser Zeit ausgestorben war. Einige Forscher glauben, die Schädel repräsentieren eine kleine Kolonie von Homo erectus, die länger überlebt hat, als der Rest der Population.

Neuere Datierungen scheinen darauf hinzudeuten, dass die Schädel tatsächlich nur zwischen 27.000 und 50.000 Jahre alt sind, was auf jeden Fall zum archaischen Homo sapiens passen würde. Allerdings wurden diese Daten von Faunenresten gewonnen, von denen andere Forscher glauben, dass sie nicht dem Alter der Hominiden entsprechen.



So wird der Solo Mensch, früher als Homo sapiens soloensis klassifiziert, heute in der Regel als eine Unterart des ausgestorbenen Homo erectus betrachtet (Homo erectus soloensis). Die Überreste werden häufig auch einfach als Ngandong bezeichnet, nach einem Dorf in der Nähe der Fundstelle.

Obwohl die Morphologie von Ngandong zum größten Teil typisch für Homo erectus ist, war die Kultur ungewöhnlich weit fortgeschritten. Dies wirft viele Probleme für derzeitige Theorien über die Fähigkeiten des Homo erectus in Bezug auf Innovation und Sprache auf. Aufgrund der Werkzeuge, die man mit den menschlichen Überresten fand, sowie der vielen grazilen anatomischen Merkmale der Knochen, wurden die Funde zunächst als eine Unterart des Homo sapiens - als Javanthropus - klassifiziert, von dem man annahm, dass er der Vorfahre der australischen Aborigines sein könnte. Allerdings kamen genauere Studien zu dem Schluss, dass dies nicht der Fall ist.

Fundstücke Nachfolgende Fotos © Human Evolution Research Center, (US-Lizenz Fair Use)

Homo erectus
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NGANDONG A

R. TIB

Homo erectus
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NGANDONG B

R. TIB

Homo erectus
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NGANDONG 6 (SOLO 5)

CRA (calotte)

Homo erectus
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NGANDONG 7 (SOLO 6)

CRA (calvarium)

Homo erectus
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NGANDONG 14

CRA (calvarium)

Homo erectus
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NGANDONG 12 (SOLO 11)

CRA (calvarium)

Homo erectus
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NGANDONG 11 (SOLO 10)

CRA (calotte)

Homo erectus
NGANDONG-2_1.gif
NGANDONG 2

FRO (juvenile)


Literatur

Koordinaten