Le Lazaret

Fundort: Le Lazaret, Grotte am südöstlichen Fuß des Mont Boron, direkt über dem Meeresspiegel. Nur etwa 1 km von Terra Amata entfernt, Frankreich
Spezies: Homo
Geschätztes Alter: 152500 Jahre , Datierung basierend auf Elektronenspinresonanz-Verfahren (ESR) (am Zahnschmelz eines Rothirsches), Uran/Thorium-Methode
Kultur: Acheuleen

Die Grotte Le Lazaret ist eine Höhle in den östlichen Vororten der Stadt Nizza mit Blick auf das Mittelmeer.

Berühmt ist sie wegen Spuren prähistorischer Besiedlung, besonders wegen der Hinweise auf den Bau von Unterkünften der frühen Menschen während des Altpaläolithikums. Außerdem sind mehr als 20.000 Knochenfragmente prähistorischer Tiere ausgegraben worden und ein Teil des Schädel eines neunjährigen Kindes, der darauf hinweist, dass die Höhle entweder von Homo heidelbergensis oder einer Gruppe von Proto-Neandertalern vor über 200.000 Jahren bewohnt war.

Insgesamt 24 menschliche Überreste wurden in 50 Jahren Ausgrabungen in der Grotte du Lazaret gefunden: meist Zähne, aber auch fragmentierte Knochen. Zwei Elemente sind für Anthropologen von besonderem Interessen: Ein kindliches Scheitelbein und der Stirnknochen eines jungen Erwachsenen. Das Vorhandensein von Knochen mehrerer Generationen zeigt, dass die Bewohner der Höhle in Clans oder Familien lebten.

In den 1970er Jahren wurden die archäologischen Schichten ausgegraben, die mit der Sauerstoff-Isotopenstufe 6 vor 186.000 bis 127.000 Jahren vor heute korrelieren. Dabei entdeckte man Hinweise, dass die frühen Menschen in Europa vermutlich schon in der Lage waren, einfache Bauten zu errichten und auch andere organisatorische Fähigkeiten besaßen.

In der Nähe des Eingangs zur Höhle und entlang einer Wand wurden Acheuléen Steinwerkzeuge zusammen mit Fragmenten tierischer Knochen um zwei runde, wahrscheinlich als Feuerstellen dienende Holzkohle-Konzentrationen gefunden. Dieser Bereich misst 11 m x 3,5 m und ist an drei Seiten durch die Höhlenwand begrenzt, die vierte Seite ist durch große Steine begrenzt, die in einer Schlangenlinie angeordnet sind. Diese Steine könnten auf dem Boden als Beschwerer für ein Zeltdach gedient haben, das an den drei anderen Seiten an der Höhlenwand befestigt wurde. Leider gibt es keine Hinweise auf Zeltstangen oder das Zelt aus Tierhaut selbst, da diese aus organischem Material bestehen und die Jahrtausende nicht überlebt haben. Aber die Lage von Werkzeugabschlägen aus Stein und Tierknochen - sie waren in zwei Bereichen nach außen hin verstreut - deutet darauf hin, dass sich hier die Zugänge zu der vermuteten Unterkunft befanden.

Funde von kleinen Muscheln um die Herde könnten mit Algen in die Höhle gelangt sein, die nach dem Trocknen als Schlafunterlage dienten. Dies könnte auf zwei unterschiedliche Bereiche des täglichen Lebens hindeuten, beispielsweise auf einen inneren Wohn- und Schlafbereich und einen äußeren, mit einem Zeltdach abgedeckten Bereich, der vermutlich einem anderen Zweck diente.

Es ist aber keineswegs sicher, dass die Steine von den Menschen ​​in die Höhle gebracht und platziert wurden, um sie als Beschwerer für ein Zeltdach zu nutzen. Auch natürliche Prozesse oder ein Grund, der nichts mit Zeltbauten zu tun hat, könnte ihre Anwesenheit in der Höhle erklären. Die begrenzten Belege von nahe gelegenen Fundorten mit ähnlichen Steinwerkzeugen und ähnlichen kulturellen Hinterlassenschaften in der Nähe konzentrierter, natürlicher Felsbrocken, ist weniger zwingend als in Le Lazaret. Beispiele für solche Fundstellen sind La Baume Bonne (in Quinson, Alpes-de-Haute-Provence) und Orgnac. Hinweise auf den Bau von Unterkünften sind in den archäologischen Aufzeichnungen rar, besonders vor dem Zeitpunkt der Ankunft des modernen Menschen in Europa vor rund 50.000 Jahren. Der Grund liegt wohl darin, dass nicht solide Strukturen aus dieser entfernten Vergangenheit keine archäologischen Spuren hinterlassen haben.

Weblink: http://lazaret.unice.fr


Literatur

  • Michel, V., Ildefonse, P., & Morin, G. (1996). Assessment of archaeological bone and dentine preservation from Lazaret Cave (Middle Pleistocene) in France. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, 126(1-2), 109-119
  • De Lumley, H. 1975. Cultural evolution in France in its palaeoecological setting during the middle Pleistocene. In:Butzer, K. W. and Isaac, G. Ll. (eds) After the Australopithecines. The Hague:Mouton, qtd in Scarre, pp. 745-808

Koordinaten

  • 43.691093° N, 7.293935° E von Henry Gilbert,

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