Lascaux, Frankreich

Letzte Meldung:   Urmenschen mit Fingerspitzengefühl   –  Senckenberg-Wissenschaftlerin Katerina Harvati widerlegt gemeinsam mit ihrem Team der Universität Tübingen und in enger Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum Basel die bisherige Annahme, dass sich Neandertaler bei dem Einsatz ihrer Hände hauptsächlich auf ihre Kraft verlassen hätten. In einer heute im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlichten Studie zeigen sie....

Fundort: Lascaux, Montignac, Département Dordogne, Frankreich
Spezies: Homo sapiens
Geschätztes Alter: 17.300 Jahre
Kultur: Magdalénien, Solutréen
Lascaux,_horse,-wikimedia.org,-HTO,-gemeinfrei.jpg
Replik eines Pferdes aus Lascaux im Brno Museum
Impressionen aus der Höhle von Lascaux

Die Höhle von Lascaux im Südwesten Frankreichs ist weltberühmt für ihre Höhlenmalereien aus dem Jungpaläolithikum. Sie liegt etwa zwei Kilometer südlich der Gemeinde Montignac im französischen Département Dordogne. Die Gemälde in der Höhle sind schätzungsweise 17.300 Jahre alt und zeigen hauptsächlich große Säugetiere, die zu der Zeit in der Gegend gelebt haben und auch durch Fossilien bekannt sind. Im Jahr 1979 wurde Lascaux zusammen mit anderen prähistorischen Stätten im Tal der Vézère zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.

Die Felsmalereien von Lascaux verteilen sich auf einzelne Höhlenabschnitte, die man als Halle der Stiere, Axialer Seitengang, Passage, Schiff, Apsis, Brunnen und Kammer der Katzen bezeichnet.

Die Höhle wurde am 12. September 1940 von vier Jugendlichen, Marcel Ravidat, Jacques Marsal, Georges Agnel und Simon Coencas sowie Marcels Hund, Robot entdeckt. Der Höhlenkomplex wurde im Jahr 1948 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und bereits 1955 hatte das Kohlendioxid aus der Atemluft von schätzungsweise 1.200 Besuchern täglich die Kunstwerke sichtbar beschädigt. Aber erst 1963 wurde die Höhle gesperrt und die Gemälde wieder hergestellt.

Im Jahr 1983 konnte nach jahrelangen Arbeiten Lascaux II eröffnet werden, eine Nachbildung von zwei Räumen der Höhle mit den spektakulärsten Ausmalungen. Die Reproduktion liegt nur 200 Meter vom Original entfernt, andere Lascaux-Kunstwerke können am Zentrum für Prähistorische Kunst in Le Thot besichtigt werden.

Geografie

Etwa ein Viertel der Fläche des Départements Dordogne, der nördlichsten Region des Périgord Noir, gehört zum Einzugsgebiet der Vézère, die in südwestlicher Richtung fließt, bevor sie sich mit dem Fluss Dordogne in der Nähe von Limeuil vereint. Im mittleren Teil des Flusslaufes gibt es eine Reihe von Mäandern, die von hohen Kalkfelsen flankiert werden und das Landschaftsbild bestimmen. Weiter flussaufwärts, in der Nähe von Montignac und der Höhle von Lascaux, mildern sich die Konturen des Talreliefs erheblich ab - der Talboden weitet sich und die Ufer des Flusses verlieren ihre Steilheit. Das Tal von Lascaux befindet sich in einiger Entfernung von anderen ausgemalten Höhlen und einst bewohnten Stätten, von denen die meisten weiter stromabwärts entdeckt wurden. In der Umgebung des Dorfes Eyzies-de-Tayac Sireuil findet man nicht weniger als 37 dekorierte Höhlen und Unterstände, sowie eine noch größere Anzahl von Behausungsresten aus dem Jungpaläolithikum. Diese findet man entweder in offenem Gelände, unter schützenden Felsüberhängen oder am Eingang zu einem der zahlreichen Karsthohlräume in der Gegend. Dies ist die höchste Konzentration in Westeuropa.

Die Abbildungen

Die Höhle enthält fast 2.000 Darstellungen, die in drei Hauptkategorien unterteilt werden können: Tiere, menschliche Figuren und abstrakte Zeichen. Die meisten der großen Bilder wurden mit mineralischen Pigmenten auf die Wände gemalt, einige Darstellungen wurden in den Fels geritzt. Viele Bilder sind zu undeutlich, um zu erkennen, um was es sich handelt.

Über 900 Darstellungen können als Tiere identifiziert werden, wobei man bei 605 davon präzise feststellen konnte, um welche Arten es sich handelt. Gemälde von Pferden überwiegen mit 364 Bildern, gefolgt von Hirschen mit 90 Bildern. Ebenfalls vertreten sind Rinder und Bisons, die jeweils etwa 4-5% der Darstellungen ausmachen. Die seltensten Darstellungen sind sieben Katzen, ein Vogel, ein Bär, ein Nashorn und ein Mensch. Es gibt keine Bilder von Rentieren, obwohl man glaubt, dass sie zu den wichtigsten Nahrungsquellen der Künstler gehörten.

Der berühmteste Teil der Höhle ist die große Halle der Stiere, wo aber auch Pferde und Hirsche abgebildet sind. Die vier schwarzen Stiere, oder Auerochsen, sind die dominierenden Figuren unter den 36 Tieren, die hier vertreten sind. Einer der Stiere hat eine Länge von 5,2 Metern und ist die größte Tierdarstellung in der bisher entdeckten Höhlenkunst. Darüber hinaus scheinen die Stiere, wie viele Abbildungen in der älteren Chauvet-Höhle, in Bewegung zu sein.

Ein Gemälde, bezeichnet als "der gekreuzte Bison" im als "Schiff" bezeichneten Höhlenabschnitt wird oft als Beispiel für die Fähigkeiten der steinzeitlichen Höhlenmaler herangezogen. Die gekreuzten Hinterbeine erzeugen den Eindruck, dass ein Bison dem Betrachter näher ist als der andere. Diese visuelle Tiefe in der Szene zeigt eine primitive Form der Perspektive, was besonders für die Zeit fortgeschritten war.

Gefahren für die Kunstwerke

Die Öffnung der Höhle von Lascaux nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte das Klima der Höhle drastisch. Die Atmung von 1.200 Besuchern pro Tag, die helle Beleuchtung und Veränderungen in der Luftzirkulation haben eine Reihe von Problemen geschaffen. In den späten 1950er Jahren führte das Wachstum von Flechten und Kristallen an den Wänden zur Schließung der Höhle im Jahre 1963.

Im Jahr 2001 installierten die für Lascaux zuständigen Behörden eine neue Klima- und Belüftungsanlage. Nachdem das System in Betrieb genommen wurde, kam es zu einem Befall mit Fusarium solani, einem weißen Schimmel, der sich schnell über die Höhlendecke und -wände ausbreitete. Der Schimmel war möglicherweise bereits im Höhlenboden vorhanden und wurde durch die Installationsarbeiten freigesetzt. Nach der Behandlung mit Calciumoxid (gebrannter Kalk) dieses Befalls begann seit 2007 ein neuer Pilz sich auszubreiten, der graue und schwarze Flecken hinterließ. Wie der Leiter des wissenschaftlichen Ausschusses für die Höhle, Marc Gauthier, im Februar 2009 mitteilte, breitet sich der neue Befall zwar nicht mehr aus, bildet sich aber auch nicht mehr zurück.

Weblink: Höhlen in Frankreich, Grotte de Lascaux


Literatur

  • Mario Ruspoli, Odile Berthemy (Hrsg.): Die Höhlenmalerei von Lascaux. Auf den Spuren des frühen Menschen. Weltbild-Verlag, Augsburg 1998
  • Gregory Curtis. 2006. The Cave Painters: Probing the Mysteries of the World's First Artists. Knopf, New York
  • Joëlle Dupont, Claire Jacquet, Bruno Dennetière, Sandrine Lacoste. 2007. Invasion of the French Paleolithic painted cave of Lascaux by members of the Fusarium solani species complex. Mycologia 99 (4): 526–533

Koordinaten

  • 45.049137° N, 1.176222° E von Henry Gilbert,
     

Das könnte Dir auch gefallen