Kilombe, Kenia

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Fundort: Kilombe, Kilombe Vulkan, zwischen Lake Victoria und Nairobi, Kenia
Spezies: Homo
Geschätztes Alter: 900.000 Jahre
Kultur: Oldowan, Acheuléen

Kilombe ist ein Fundkomplex des Acheuléen an der westlichen Flanke des Rift Valley in Zentral-Kenia. Der Name geht auf den ca. 4 km südöstlich liegenden Vulkan Kilombe zurück.

Die Fundstelle wurde im Jahr 1972 entdeckt und der geologische Kontext erstmals von William Bishop (1978) beschrieben. Oberhalb einer Schicht aus Lava, die etwa gleich alt wie die 1,8 Millionen Jahre alte Trachyt-Lava des Vulkans Kilombe ist, bildeten sich Fossil-führende, braune Tone mit spärlicher Fauna, darunter Elefanten (Elephas recki), Flusspferde, Schweine und Bovidae (Jones und Lippard 1979). Der wichtigste archäologische Horizont hat sich bei Kilombe auf einem Untergrund aus Lehm (während einer Ablagerungpause) in einer wahrscheinlichen See-Umgebung angesammelt.

Magnetostratigraphische Untersuchungen der Schichten unmittelbar über dem Haupthorizont der Artefakte deuten auf ein wahrscheinliches Alter von mehr als 0,8 Millionen Jahre hin. Diese Sequenz geht weiter mit Ablagerungen von verwitterten Tuffen über etwa 15 Meter und wird von einer Ascheschicht gedeckelt, die mehrere Meter dick ist. Funde von vereinzelten Faustkeilen wurden bis hinauf zur Basis dieser Ascheschicht gemacht, die wahrscheinlich aus dem Vulkan Menengai stammt und ca. 0,35 Millionen Jahre alt ist.

Die ausgedehnte Aufdeckung des Haupthorizontes bei Kilombe erstreckt sich über mehr als 200 m. Dieser Umstand bietet den Forschern die seltene Möglichkeit, zeitgleiche, lokale Ereignisse an Punkten zu vergleichen, die auf dem gleichen Horizont mehr als 100 m voneinander entfernt liegen. Der geologische Kontext ist für Ostafrika sehr ungewöhnlich, denn die Artefakte wurden auf einem Untergrund aus Lehm gefunden, anstatt in einem sandigen Bett eines vorzeitlichen Fließgewässers.

Kleine Abschläge, die zusammen mit den Faustkeilen gefunden wurden, deuten auf lokales Nachschärfen der Werkzeuge und sind ein Beweis dafür, dass das Material nicht wieder abgelagert wurde. Es wurden zwar einige Steinkerne gefunden, aber die meisten Rohlinge für die Faustkeile wurden wahrscheinlich bei dem in der Nähe befindlichen Lavavorkommen hergestellt und dann importiert. Mehrere Faustkeile aus Obsidian legen nahe, dass sie über weite Distanzen transportiert wurden. Die größte Ähnlichkeit haben die Faustkeile mit denen aus Kariandusi, Olorgesaillie und der Olduvai-Schlucht (Bed IV). Cleaver gibt es an der gesamten Oberfläche, jedoch nicht besonders häufig.

Die Details der Faustkeile von Kilombe unterscheiden sich innerhalb des relativ kleinen Fundortes von Bereich zu Bereich. So variiert die relative Dicke der Werkzeuge deutlich, denn das mittlere Verhältnis von Dicke zu Breite reicht von 0,30 bis 0,56, während das Verhältnis von Länge zu Breite eine strenge allometrische Beziehung aufweist. Die erste Beobachtung zieht die Vorstellung in Zweifel, dass bei Faustkeilen das Verhältnis von Dicke zu Breite keine chronologische Bedeutung hat. Cluster-Analysen zeigen, dass die Morphologie der Faustkeile mit den Fundstellen innerhalb des Fundkomplexes in Beziehung steht und dass in einigen Bereichen kleine Bifaces (mit Ähnlichkeiten zum Entwickelten Oldowan) neben großen, klassischen Exemplaren des Acheuléen zu finden sind. Die Spanne von Größe und Gewicht letzterer (zwischen 60 - 250 mm lang und etwa 50 - 2000 g schwer) ist auffällig und wie in Olorgesailie gibt es in Kilombe Ansammlungen von Artefakten, die keine Faustkeile enthalten.


Literatur

  • Jones W. B., Lippard S. J. 1979. New age determinations and the geology of the Kenya Rift-Kavirondo Rift junction, W Kenya. Journal of the Geological Society 136(6), pp 693-704
  • Crompton R. H., Gowlett, J.A.J. 1993. Allometry and multidimensional form in Acheulean bifaces from Kilombe, Kenya. Journal of Human Evolution 25(3), pp. 175-199
  • Lycett, S.J. & Gowlett, J.A.J. 2008. On questions surrounding the Acheulean 'tradition'. World Archaeology 40 (3): 295–315

Koordinaten

  • -0.106516° N, 35.854675° E von Henry Gilbert,
     

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