Olorgesaillie, Kenia

Fundort: Olorgesaillie, Member 1, Kenia
Spezies: Homo erectus
Geschätztes Alter: 983000 Jahre, Datierung basierend auf Kalium-Argon-Methode
Kultur: Acheuleen

Letzte Meldung:   Mutter-Kind-Bindung vor 2 Millionen Jahren   –  Senckenberg-Wissenschaftler Ottmar Kullmer hat mit einem internationalen Team Zähne der ausgestorbenen Vormenschen-Art Australopithecus africanus in Hinblick auf die Nahrungsaufnahme im Kindesalter untersucht. Analysen der Zahnchemie zeigen, dass die Mütter der afrikanischen Homininen-Art ihre Kinder in den ersten 12 Lebensmonaten stillten und auch später – in Zeiten von Nahrungsknappheit – auf die Ernährung mit Muttermilch zurückgriffen. Die intensive, jahrelange Mutter-Kind-Bindung wird als eine der Ursachen für die geringe Nachkommen-Anzahl bei den Vormenschen gedeutet. Die Studie erscheint heute im renommierten Fachjournal „Nature“. ....

Olorgesaillie ist ein etwa eine halbe Million Jahre alter Fundort des Acheuléen im Süden Kenias, ungefähr 55 Kilometer südwestlich von Nairobi.

Die Fundstelle wurde während des Zweiten Weltkrieges von Louis und Mary Leakey entdeckt. In den 1960er und frühen 1970er Jahren führte Glynn Isaac weitere Ausgrabungen in Olorgesaillie durch, wobei er unter anderem feststellte, dass die Menschen dort in trockengefallenen Wasserläufen lagerten. Hier hatten die frühen Menschen Schatten und fanden Wasser, wenn sie im Sand der Flussbetten und unterhalb der Grasnarbe danach gruben. Darüber hinaus lebten sie auf einer niedrigen, felsigen Landzunge mit Blick auf einen See, vermutlich während der Regenzeit, wenn es an anderen Stellen zu viele Mücken gab.

Dichte Konzentrationen von Faustkeilen, Cleavern und anderen Artefakten aus Stein liegen in einem Gebiet verstreut, das einst am Ufer des kleinen Sees lag. Leider stammen viele der Artefakte von Stellen, die durch die erodierende Wirkung von Wasser zerstört wurden, dennoch konnte Isaac schätzen, dass die meisten Lagerbereiche eine Fläche von etwa 5 x 20 m hatten. Bei Olorgesaillie hat sich kaum ein Knochen erhalten, auch keine menschlichen Fossilien. Eine Fundstelle brachte große Mengen von Pavianknochen ans Licht, vielleicht die Überreste eines Trupps, der während des Schlafs auf den Bäumen getötet wurde.

Viele Steingeräte wurden aus Rohmaterial gefertigt, das aus einiger Entfernung in die Lager gebracht wurde. Die Geräte bestehen zum größten Teil aus scharfkantigen Äxten und Beilen, sowie Abschlagwerkzeugen, die zur Schlachtung von Tieren und zur Verarbeitung ihres Fleisches und anderen Nahrungsmitteln verwendet wurden. Die Vielfalt und die Variationen der einzelnen Werkzeuge ist bemerkenswert, was darauf hindeutet, dass Olorgesaillie über einen langen Zeitraum sporadisch besucht wurde. Olorgesaillie ist einer von mehreren Fundorten in Ost-Afrika, wo Spuren von Schlachtungen in den archäologischen Aufzeichnungen erhalten sind.




Literatur

Koordinaten