Jwalapuram

Fundort: Jwalapuram, Jwalapuram Locality 3, südlich des Flusses Jurreru im Jurreru Tal, Indien
Spezies: Homo
Geschätztes Alter: 74000 Jahre , Datierung basierend auf optisch angeregter Lumineszenz (OSL), Youngest Toba Tuff (YTT)
Kultur: Mousterien

Südasien rückt nur selten in den Mittelpunkt der Diskussionen über die Evolution des Menschen, doch eine im Jahr 2007 veröffentlichte Studie zeigt, dass frühe Menschen in Indien erstaunlich anpassungs- und widerstandsfähig waren.

Jwalapuram ist ein offener Fundort, der sich im Kumool Bezirk in Andhra Pradesh in Südindien im Jurreru Tal befindet. Die Stelle ist durch eine 7,5 Meter mächtige Schicht aus Flusssedimenten gekennzeichnet, in der man Steinartefakte des Mittelpaläolithikums fand, die aus der Zeit vor und nach dem Toba-Ascheregen stammen und rund 74.000 Jahre alt sind.


Jwalapuram185.jpg
Fundstellen im Jwalapuram Tal in Indien zeigen, dass die Gegend durch den Ausbruch des indonesischen Vulkans Toba vor 74.000 Jahren mit einer Ascheschicht bedeckt war. Gleichzeitig enthüllen die Ausgrabungen aber, dass die paläolithischen Bewohner des Tals den katastrophalen Ausbruch überlebten und ihre Kultur intakt blieb.

Als der Toba Vulkan in Indonesien vor 74.000 Jahren seinen Gipfel wegsprengte - der größte bekannte Vulkanausbruch der vergangenen 2 Millionen Jahre - verursachte dies einen "vulkanischen Winter" und führte zur Dezimierung der menschlichen Populationen weltweit. Möglicherweise haben nur wenige Jäger-und-Sammler dieses Ereignis unbeschadet überlebt. Den "genetischen Flaschenhals", der einigen Forschern zufolge dadurch entstand, könne man noch heute in unserer DNA nachweisen. (siehe Toba-Katastrophen-Theorie)

Zur Klimaverschlechterung kam erschwerend hinzu, dass der indische Subkontinent von einer 10 bis 15 Zentimeter dicken Ascheschicht bedeckt war. Doch neue Funde im Süden Indiens im Jwalapuram Tal legen nahe, dass Menschen diese Bedingungen ausgehalten haben. In Ablagerungen oberhalb und unterhalb der Ascheschicht fanden die Archäologen ähnliche Sätze von Steinwerkzeugen, was darauf hindeutet, dass die Menschen dort die gewaltige Katastrophe mit einer intakten Kultur überlebt haben, obwohl ihr Lebensraum nicht weit entfernt von der Quelle der Verwüstung lag.

Die Werkzeuge zeigen nur kleinere Veränderungen, so geht man davon aus, dass die Menschen ihr Verhalten änderten, um die Katastrophe zu bewältigen. Dass diese Werkzeuge eine große Ähnlichkeit mit den Werkzeugen haben, die moderne Menschen in Afrika herstellten, könnte bedeuten, dass moderne Menschen Tausende von Jahren früher nach Südasien kamen, als bisher angenommen.


Literatur

  • Petraglia, M., Korisettar, R., Boivin, N., Clarkson, C., Ditchfield, P., Jones, S., et al. 2007. Middle Paleolithic assemblages from the Indian subcontinent before and after the Toba super-eruption. Science 317:(5834), pp. 114-116, DOI: 10.1126/science.1141564
  • Haslam, M., Clarkson, C., Petraglia, M., Korisettar, R., Jones, S., Shipton, C., et al. 2010. The 74 ka Toba super-eruption and southern Indian hominins: archaeology, lithic technology and environments at Jwalapuram Locality 3. Journal of Archaeological Science 37(12), pp. 3370–3384. DOI: 10.1016/j.jas.2010.07.034

Koordinaten

  • 14.466306° N, 77.827278° E von Henry Gilbert,

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