Gademotta, Äthiopien

Fundort: Gademotta, Lake Ziway, ETH-72-8B, Äthiopien
Spezies: Homo
Geschätztes Alter: 245500 Jahre, Datierung basierend auf Argon-Argon-Methode
Kultur: Acheuleen, Mousterien

Letzte Meldung:   Mutter-Kind-Bindung vor 2 Millionen Jahren   –  Senckenberg-Wissenschaftler Ottmar Kullmer hat mit einem internationalen Team Zähne der ausgestorbenen Vormenschen-Art Australopithecus africanus in Hinblick auf die Nahrungsaufnahme im Kindesalter untersucht. Analysen der Zahnchemie zeigen, dass die Mütter der afrikanischen Homininen-Art ihre Kinder in den ersten 12 Lebensmonaten stillten und auch später – in Zeiten von Nahrungsknappheit – auf die Ernährung mit Muttermilch zurückgriffen. Die intensive, jahrelange Mutter-Kind-Bindung wird als eine der Ursachen für die geringe Nachkommen-Anzahl bei den Vormenschen gedeutet. Die Studie erscheint heute im renommierten Fachjournal „Nature“. ....

Die Region Gademotta liegt im berühmten Rift Valley Zentral-Äthiopiens und beherbergt eine der ältesten bekannten Stätten des Stillbay Komplexes. Der Name Stillbay geht zurück auf die Archäologen Goodwin und van Riet Lowe, die eine besondere Form einer mittelpaläolithischen Herstellungstechnik nach dem Ort Stilbaai (auch Still Bay) in Südafrika benannten, wo der Produktionsstil zum ersten Mal beschrieben wurde.

An der Fundstelle ETH-72-8b am Westufer des Lake Ziway - einer von 4 großen Seen, die im Pleistozän ein einziger gigantischer See waren - gibt es Hinweise auf viele grundverschieden Techniken der Steinwerkzeugherstellung, die den Übergang vom späten Acheuléen zur Middle Stone Age markieren. An der Stelle gibt es auch überzeugende Beweise für eine große Hütte, die sehr wahrscheinlich von einer Großfamilie über einen längeren Zeitraum bewohnt wurde.


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Die Steinwerkzeuge, die man in den 1970er Jahren an der archäologischen Stätte von Gademotta entdeckte, wurden laut einer Studie aus dem Jahr 2008 wahrscheinlich durch die frühesten Homo sapiens gefertigt. Erst neue Datierungstechniken ergaben ein Alter von rund 195.000 Jahren.


Der Fundort erwies sich als schwer zu datieren. Das höchste Alter wurde von einer Tuffschicht bestimmt, die mittels Kalium-Argon Datierung ein Altervon 235.000 ± 6.000 Jahren ergab und unterhalb derer Faustkeile gefunden wurden. Andere Datierungen, beispielsweise mit der Thermolumineszenz-Methode, ergaben ein Alter von knapp 90.000 Jahre. Eine Argon-Argon Datierung von Sanidin ergab für die Fundstelle ein Alter von fast 180.000 Jahren. Diese verwirrenden und teilweise in sich widersprüchlichen Datierungen sind nicht zuletzt deshalb umstritten, da Datierungen von anderen Fundstellen des Stillbay-Komplexes höchstens 35.000 Jahre alt sind.

Die Artefakte der Fundstelle sind zahlreich und vielfältig. Über 9.000 Stücke wurden ausgegraben, darunter Abschläge und Steinkerne aus grünem und schwarzem Obsidian. Die Mehrzahl der Artefakte besteht aus kleinen Abfallstücken (debitage, ~ 44%), die bei der Produktion anfallen. Aber es gibt auch viele Stücke der Levallois- und Mousterien Industrie. Die gleichzeitige Anwesenheit des Levallois und Mousterien (Klingen, Spitzen, etc.) am Fundort ist Grund für die Einordnung in den Stillbay Komplex. Die Werkzeuge scheinen sich im Laufe der Zeit kaum verändert zu haben, außer der Tatsache, dass die Anzahl der Klingen mit der Zeit zunimmt.

Das Interessanteste an der Fundstelle ist eine große, konkave Vertiefung in den fossilen Bodenschichten. Die Ausgräber glauben, dass diese ausgehobene Senke den Boden einer großen Hütte darstellt. Sie vermuten dies aus eine Reihe von Gründen, beispielsweise dass außerhalb der Ränder der Senke die Zahl der Artefakte sehr stark abnimmt. Innerhalb der Senke gibt es gute Gründe für die Annahme, dass der Ort ein Basislager war. Im Inneren befinden sich meist fertige Werkzeuge und scharfe Steinsplitter, während es außerhalb mehr Kerne und primäre Abschläge gibt. Die Größe und Verteilung der Artefakte deuten auf eine Großfamilie, die hier über einen langen Zeitraum lebte.

An der Fundstelle sind nur wenige Überreste von Tieren gefunden worden. Diese zeigen aber, dass Großwild wohl das Menü der Wahl war, denn man fand Reste einer Art von Pferden, einer Art von Flusspferden, zwei Arten von großen und eine Art von mittelgroßen Antilopen. Anzeichen der Jagd auf diese Tiere oder Schlachtspuren sind nicht gefunden worden.

Die Gademotta Region ist in zweierlei Hinsicht wichtig. Erstens, trotz der widersprüchlichen Datierungen scheint die Fundstelle einer der frühesten Orte der Middle Stone Age (MSA) zu sein. Zweitens, was noch wichtiger ist, dass es Beweise für eine Baukonstuktion gibt, die mehr als nur ein paar Individuen Platz bot.


Literatur

Koordinaten