Castel di Guido, Italien

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Fundort: Castel di Guido, Polledrara di Cecanibbio, Via Aurelia, Rom, Italien
Spezies: Homo, (heidelbergensis)
Geschätztes Alter: 325.000 Jahre, Datierung basierend auf Biostratigraphie, Korrelation mit OIS 9 (Sauerstoff-Isotopenstufe)
Kultur: Oldowan, Acheuléen

Castel di Guido ist ein Ort in der näheren Umgebung von Rom, dessen Name auf Guido Herzog von Spoleto zurückgeht, der hier die Sarazenen in einer Schlacht besiegte.

Der offene Fundort liegt auf einem kleinen Hügel entlang der Via Cecanibbio. Er wurde 1976 entdeckt und in den Jahren 1980 bis 1990 durch A. M. Radmilli von der Universität von Pisa systematisch ausgegraben. Die oberste Ackerbauschicht aus Humus und Schluff liegt oberhalb einer Schicht aus tuffigem Sandstein eines früheren Sees, die wiederum über einer reichhaltigen archäologischen Schicht liegt, die möglicherweise einen prähistorischen Schlachtplatz repräsentiert.

Sowohl in der Humusschicht (CDG-1-4) als auch in der darunter liegenden Schicht aus tuffigem Sandstein (CDG-5-7) fand man insgesamt sieben fragmentarisch erhaltene Knochenreste von Menschen. Die Überreste scheinen einen Merkmalsmix aus Homo erectus und Homo neanderthalensis zu zeigen und wurden als Zwischenform der beiden Menschentypen interpretiert.

Das interessanteste Stück unter den Knochenresten dürfte ein Zungenbeinfragment (ohne die charakteristischen Hörner) sein, das die Autoren (Capasso et al., 2008) dem Homo erectus aus Castel di Guido zuschreiben, datiert auf etwa 400.000 Jahre vor heute. Der Körper des Zungenbeins zeigt die stabförmige, charakteristische Morphologie der Gattung Homo und sieht ganz anders aus als die Bulla-förmige Morphologie bei afrikanischen Menschenaffen und Australopithecus.

Die Abmessungen unterscheiden sich aber von den beiden einzigen bekannten (vollständigen) Zungenbeinen eines Homo neanderthalensis aus Kebara in Israel und eines Australopithecus afarensis aus Dikika in Äthiopien, sowie von den Mittelwerten des modernen Homo sapiens. Das fast völlige Fehlen von Muskel-Eindrücken auf der Ventralfläche deutet auf eine verringerte Fähigkeit zur Anhebung dieses Zungenbeins und somit zur Modulation der Länge des Vokaltraktes bei Homo erectus hin. Der schildförmige Zungenbeinkörper und die wahrscheinlich geringe Größe der Hörner scheinen archaische Merkmale zu sein, die Ähnlichkeiten mit Vormenschen und Menschenaffen haben, was darauf hindeutet, so die Forscher, dass sich bei Homo erectus die morphologische Grundlage für die menschliche Sprache noch nicht entwickelt hatte.

Darüber hinaus fand man mehr als 5.800 Artefakte aus Stein und Knochen. Die Sammlung ist charakteristisch für das italienische Acheuléen. Unter den Stücken befinden sich Faustkeile und Chopper, sowie mikrolithische Stücke einer Kern- und Abschlag-Technik und viele Werkzeuge, die aus Elefantenknochen hergestellt wurden.


Literatur

  • Mariani-Constantini R., et al. 2001. Taphonomy of the fossil hominid bones from the Acheulean site of Castel di Guido near Rome, Italy. Journal of Human Evolution 41:3, pp. 211 - 225
  • Capasso L., Michetti E., D´Anastasio R. 2008. A Homo Erectus Hyoid Bone: Possible Implications for the Origin of the Human Capability for Speech. Coll. Antropol. 32:4, pp 1007-1008

Koordinaten

  • 41.934849° N, 12.302113° E von Henry Gilbert,
     

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