Brassempouy, Frankreich

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Fundort: Brassempouy, Grotte du Pape, 35 km südöstlich von Mont de Matrsan, Département Landes, Frankreich
Spezies: Homo sapiens
Fossil: Brassempouy 1, adult: parietale(f). Brassempouy 2, adult: M(Krone).
Geschätztes Alter: 21.000 Jahre
Kultur: Gravettien
VenusFigurineBrassempouy.jpg
Das lediglich 3,65 cm hohe Köpfchen der Venus von Brassempouy (franz. auch La « Dame à la capuche ») ist ein Fragment einer Elfenbeinstatuette aus dem Jungpaläolithikum. Es wurde in der Höhle „Grotte du Pape“ bei Brassempouy im Jahre 1894 in Frankreich zusammen mit 8 anderen Statuetten gefunden.

Brassempouy ist der Name eines kleinen Dorfes im Département Landes im Südwesten Frankreichs.

In der Nähe des Dorfes befinden sich zwei nur etwa 100 Meter voneinander entfernte Höhlen, die zu den ersten altsteinzeitlichen Fundstellen gehören, die jemals in Frankreich erkundet wurden. Die beiden Höhlen heißen "Galerie des Hyènes" und "Grotte du Pape".

Die Venus von Brassempouy wurde 1894 in der Grotte du Pape entdeckt, gemeinsam mit mindestens acht weiteren menschlichen Figuren, die ein unvollendetes Werk zu sein scheinen, als ob der oder die Künstler mehrere Figuren gleichzeitig geschnitzt hätten.

Erste Erkundungen in der Grotte du Pape wurden im Jahr 1881 von P.E. Dubalen durchgeführt, ihm folgten ab 1894 die Forscher J. de Laporterie und Édouard Piette. Die Ausgrabungstechniken zu dieser Zeit waren noch nicht sehr fortgeschritten, und so zollte man der Stratigrafie des Fundortes nur wenig Aufmerksamkeit. Trotzdem war Piette in der Lage, die Schichten in der Höhle dem frühen und mittleren Solutréen zuzuordnen. Die unteren Schichten, die er bei seinen Ausgrabungen erreichte, nannte er wegen der zahlreichen Elfenbeinschnitzereinen "éburnéen", was soviel bedeutet wie "blass" oder "weiß wie Elfenbein".

Die Venus von Brassempouy wurde aus Mammutelfenbein geschnitzt. Sie ist 3,65 cm hoch, 2,2 cm tief und 1,9 cm breit. Ihr Gesicht ist dreieckig und erscheint ruhig. Während die Stirn, die Nase und Augenbrauen im Relief geschnitzt sind, fehlt der Mund. Ein vertikaler Bruch auf der rechten Seite des Gesichts ist mit der inneren Struktur des Elfenbeins verbunden. Auf dem Kopf befindet sich ein schachbrettartiges Muster, das durch zwei Reihen aus flachen Einschnitten im rechten Winkel zueinander gebildet wird. Dieses Muster wurde als Perücke, Haube oder einfach nur als Darstellung der Haare interpretiert.

Obwohl der archäologische Kontext des Köpfchens - wegen seiner frühen Entdeckung - nicht gründlich untersucht werden konnte, stimmen die meisten Wissenschaftler überein, dass die Venus von Brassempouy zur jungpaläolithischen Kultur des Gravettien (29,000-22,000 BP) gehört. Sie ist damit mehr oder weniger gleich alt wie andere Venus-Figuren aus dem Paläolithikum, etwa wie Lespugue, Dolní Věstonice oder Willendorf. Was die Schnitzerei von den anderen Kunstwerken unterscheidet, ist der realistische Charakter der Figur.

Weblink: la Maison de la Dame de Brassempouy


Literatur

  • de Sonneville-Bordes. 1959. Position stratigraphiuque et chronologie relative des restes humains du Paleolithique superieur entre Loire et Pyrenees Annls. Paleont., 45: 44.
  • Randall White. 2006. The women of Brassempouy. A century of research and interpretation. In: Journal of archaeological method and theory. Jg. 13, Nr.4, New York, 251ff, 257ff., 264.

Koordinaten

  • 43.799999° N, -0.700000° E von Henry Gilbert,
     

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