Altamira, Spanien

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Fundort: Altamira, Santillana del Mar, Kantabrien, Spanien
Spezies: Homo sapiens
Geschätztes Alter: 13.000 Jahre
Kultur: Magdalénien, Solutréen
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Deckenausschnitt der Altamira-Nachbildung im Deutschen Museum, München.
Impressionen aus der Höhle von Altamira

Altamira (spanisch für "hohe Aussicht") ist eine Höhle in Spanien, die für ihre Höhlenmalereien aus dem Jungpaläolithikum weltberühmt ist. In ihr wurden Zeichnungen und mehrfarbige Felsmalereien von wildlebenden Säugetieren und menschlichen Händen entdeckt. Die Höhle mit ihren Malereien wurde zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Altamira befindet sich in der Nähe von Santillana del Mar in Kantabrien, Spanien, 30 km westlich der Stadt Santander. Die Höhle ist 270 Meter lang und besteht aus einer Reihe von Gängen und Kammern. Der Hauptgang hat eine Höhe von zwei bis sechs Metern.

Die besondere Bedeutung von Altamira ist der Tatsache geschuldet, dass es sich um die erste Höhle handelt, in der prähistorische Höhlenmalereien entdeckt wurden. Der Veröffentlichung der Entdeckung im Jahre 1880 folgte ein erbitterter Expertenstreit, der bis in das frühe 20. Jahrhundert andauerte. Viele wollten nicht glauben, dass der prähistorische Mensch die intellektuellen Fähigkeiten besaß, sich künstlerisch auszudrücken. Die Anerkennung der Echtheit der Gemälde kam schließlich im Jahre 1902, was die Wahrnehmung des prähistorischen Menschen für immer verändert hat.

Archäologische Ausgrabungen in der Höhle brachten zahlreiche Artefakte aus dem Oberen Solutréen (ca. 18.500 Jahre alt) und dem Magdalénien (zwischen 16.500 und 14.000 Jahre alt) ans Licht. In den Jahrtausenden, die zwischen diesen beiden Altersangaben liegen, wurde die Höhle offenbar nur von Tieren bewohnt. Die Menschen von Altamira hatten einen guten Ort gewählt, denn sie hatten einen guten Blick auf die reiche Tierwelt in den Tälern der umliegenden Berge und konnten vom Meer leben, dessen Küste nicht weit entfernt war. Vor rund 13.000 Jahren verschloß ein Steinschlag den Eingang der Höhle, so blieb der Inhalt bis zu seiner Entdeckung erhalten.

Das tägliche Leben der Menschen von Altamira war offensichtlich auf den Höhleneingang begrenzt, obwohl sich die bemalten Wände über die gesamte Länge der Höhle erstrecken. Die Künstler verwendeten Holzkohle und Ocker oder Hämatit, um die Bilder zu schaffen. Oft verdünnten sie die Pigmente, um Variationen in der Farbintensität zu erzeugen und den Eindruck von Hell und Dunkel zu vermitteln. Darüber hinaus nutzten sie die natürlichen Konturen der Höhlewände, um ihren Werken einen dreidimensionalen Effekt zu verleihen. Die mehrfarbigen Decken der Höhle sind das beeindruckendste Merkmal von Altamira, sie zeigen eine Herde von ausgestorbenen Steppenbisons (Bison priscus) in verschiedenen Posen, zwei Pferde, ein großes Reh und möglicherweise ein Wildschwein.

Entdeckung, Ausgrabung, Zweifel

Im Jahr 1879 entdeckte die 12-jährige Tochter des Amateur-Archäologen Marcelino Sanz de Sautuola die Deckengemälde der Höhle, als sie ihren Vater bei einer Erkundung begleitete. Die Höhle wurde später von Sautuola und dem Archäologen Juan Vilanova y Piera von der Universität Madrid ausgegraben und in einer viel beachteten Publikation im Jahr 1880 der Öffentlichkeit vorgestellt. Französische Gelehrte, allen voran Gabriel de Mortillet und Emile Cartailhac, waren besonders hartnäckig in der Ablehnung der Hypothese von Sautuola und Piera, die die Kunstwerke von Altamira als paläolithischen Ursprungs bezeichneten, und ihre Forschungsergebnisse wurden 1880 auf einem Prähistorischen Kongress in Lissabon lauthals verspottet. Aufgrund der hohen künstlerische Qualität und des außergewöhnlichen Erhaltungszustandes der Malereien wurde Sautuola selbst der Fälschung beschuldigt, als ein Landsmann behauptete, die Gemälde seien von einem zeitgenössischen Künstler auf Geheiß Sautuolas produziert worden.

Erst 1902, als weitere Entdeckungen von prähistorischen Malereien bekannt wurden, setzte man sich ernsthaft mit der Hypothese des extrem hohen Alters der Altamira-Malereien auseinander und schließlich gab das wissenschaftliche Establishment seinen Widerstand gegen die Spanier auf. Emile Cartailhac gestand seinen Fehler in dem berühmten Artikel "Mea culpa d'un sceptique" in der Zeitschrift L'Anthropologie nachdrücklich ein. Sautuola konnte sich über seine Rehabilitation nicht mehr freuen, da er 14 Jahre zuvor gestorben war.

Weitere Grabungen in der Höhle wurden von Hermilio Alcalde del Río von 1902-04 durchgeführt, gefolgt von dem Deutschen Hugo Obermaier in den Jahren 1924-25 und schließlich von Joaquín González Echegaray im Jahr 1981.

Die Forschungen bezüglich des Alters der Kunstwerke von Altamira gingen freilich weiter. Im Jahr 2008 schätzten Wissenschaftler aufgrund von Uran-Thorium-Datierungen Teile der Kunstwerke auf ein Alter zwischen 25.000 und 35.000 Jahre. Neuere Entdeckungen weisen darauf hin, dass ein Teil der Werke über Tausende von Jahren hinweg fertiggestellt wurde und es sich nicht um das Lebenswerk eines oder weniger Künstler handelt.

Besucher und Repliken

Wie schon im französischen Lascaux wurden die Gemälde von Altamira in den 1960er und 1970er Jahren durch das Kohlendioxid in der Atemluft einer zu großen Zahl von Besuchern beschädigt. Die Höhle wurde daraufhin im Jahr 1977 komplett für die Öffentlichkeit gesperrt und im Jahr 1982 mit stark beschränktem Zugang wiedereröffnet. Nur sehr wenige Besucher waren pro Tag erlaubt, was zu einer Wartezeit von bis zu drei Jahren führte. Die erneute Schließung folgte im Jahr 2002, nachdem ein Museum in der Nähe mit einer Replik der Höhle im Jahr 2001 fertiggestellt wurde. Im Nachbau sind die Gemälde der Haupthalle der Höhle besser zu erkennen, ebenso wie eine Auswahl an kleineren Werken. Die Replik enthält auch einige Skulpturen von menschlichen Gesichtern, die in der natürlichen Höhle nicht besichtigt werden können.

Weitere Reproduktionen von Altamira gibt es im Nationalen Archäologischen Museum von Spanien in Madrid, im Deutschen Museum in München (Fertigstellung 1964) und in Japan (Fertigstellung 1993).

Weblink: Deutsches Museum, die Altamira-Höhle


Literatur

  • Pike, A. W. G.; Hoffmann, D. L.; Garcia-Diez, M.; Pettitt, P. B.; Alcolea, J.; De Balbin, R.; Gonzalez-Sainz, C.; de las Heras, C.; Lasheras, J. A.; Montes, R.; Zilhao, J. (14 June 2012). "U-Series Dating of Paleolithic Art in 11 Caves in Spain". Science 336 (6087): 1409–1413
  • Curtis, Gregory. 2006. The Cave Painters: Probing the Mysteries of the World's First Artists. New York: Alfred A. Knopf

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