Adrar Bous

Fundort: Adrar Bous, Tenere Wüste, Niger
Spezies: Homo sapiens
Geschätztes Alter: 100000 Jahre
Kultur: Mousterien, Oberes Paläolithikum

Adrar Bous ist der Name eines Berges an der Grenze zwischen Algerien und Niger, im Herzen der Ténéré Wüste.

Die einzigen Funde von Artefakten des Typs Acheuleen im Niger stammen von einer 30 x 30 Meter großen, durch Winderosion freigelegten Oberfläche eines ehemaligen Seeufers am Berg Adrar Bous.

Viele Artefakte bestehen zum größten Teil aus großen, fein bearbeiteten Schneidwerkzeugen, die häufig in Levallois-Technik zur Entfernung von langen, viereckigen Abschlägen vorbereitet wurden. Das Fehlen von Abfallmaterial deutet darauf hin, dass die Werkzeuge anderswo hergestellt wurden - vermutlich am zentralen Adrar Bous Massiv - und dann am See zum Einsatz kamen.

Im Mittelpaläolithikum herrscht im Niger das Atérien vor, eine nordafrikanische Werkzeugindustrie, die charakterisiert ist durch bifaciale Blattspitzen und gestielte Werkzeuge. Diese fand man in oberflächlichen Ablagerungen oder in stratigraphisch sicheren, aber umgestalteten Schichten in der Tenere-Wüste, neben Adrar Bous zum Beispiel auch bei Seguedine, Izouzadene, Merguigara und Amakon. Am Berg Adrar Bous waren die Funde des Atérien von so hoher Handwerkskunst, dass Hugot (1963) sie als "die bislang schönsten Atérien-Fazies der Sahara" bezeichnete.

Die Frage nach dem Alter dieser Industrie ist schwierig zu beantworten. Aterien-Ablagerungen sind im Niger oft zwischen sterilen Schichten eingebettet, wie in Amakon oder beim Berg Adrar Bous. Zwei radiometrische Datierungen in Bezug auf Ablagerungen des Atérien stehen im Niger zur Verfügung:

Mögliche Vorläufer aus der Nähe von Bilma (bestehend aus Stücken mit leicht verengter Basis) sind älter als 33.000 Jahre, während ein rund 19.000 Jahre alter Travertin von der Fundstelle Ekouloulef das Mindestalter darstellen dürfte.

Typologisch und technologisch scheinen die Stücke von Adrar Bous der letzten Phase des Atérien von Hoggar (Algerische Wüste) am nächsten zu kommen. Hugot (1966, 1967) schlug vor, dass Fundstellen wie Seguedine und Adrar Bous die südlichste Grenze der sich von der Mittelmeerküste her ausbreitenden Atérien-Werkzeugmacher darstellt, wobei eine weitere Expansion möglicherweise durch große sumpfige Flächen im Gebiet des Tschad-Sees vor 8.000 Jahren gestoppt wurde.


Literatur

  • Hugot, H. 1962. Premier apercu sur la préhistoire du Ténéré du Tefassasset. In: Hugot, H.(ed.), Missions Berliet Ténéré-Tchad, Arts et Métiers Graphiques, Paris, pp. 149–178.
  • Hugot, H. 1963. Recherches préhistoriques dans l’Ahaggar nord-occidental 1950–1957, Mémoires du centre de Recherches Anthropologiques Préhistoriques et ethnographiques. Institut Francais des Sciences Humaines en Algérie, Arts et Métiers Graphiques, Paris.

    Hugot, H. (1966). Limites méridionales de l’Atérien. In: Cuscoy, L. (ed.), Actas del V congreso PanAfricano de Prehistoria y de Estudio del Cuaternario, Vol. 2, Museo Arqueolo´ gico, Santa Cruz de Tenerife, pp. 98–105.

    Hugot, H. (1967). Le Pal´eolithique terminal dans l’Afrique de l’Ouest. In Bishop,W., and Clark, J. D. (eds.), Background to Evolution in Africa, University of Chicago Press, Chicago,pp. 529–555
  • Wrinn, P. J., & Rink, W. J. (2003). ESR dating of tooth enamel from Aterian levels at Mugharet el ´Aliya (Tangier, Morocco). Journal of Archaeological Science, 30(1), 123-133

Koordinaten

  • 20.270573° N, 8.965531° E von Henry Gilbert,

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