Vibilius (auch Weibel) war ein im frühen 1. Jahrhundert n. Chr. lebender Anführer der Hermunduren, der einige Jahre nach 18 n. Chr. die kurzzeitige Königsherrschaft des Gotonenanführers Catualda über die Markomannen des von Catualda vertriebenen Marbods beseitigte und daraufhin wohl kurzzeitig selbst als markomannischer König regierte.[1]

Der Name des Vibilius wurde in der Forschung verschiedentlich behandelt und gedeutet. Jacob Grimm[2] stellte den Namen zu altdeusch Weibel = „Gerichtsbote“. Gustav Kossinna deutete als an einem Tiernamen angelehnt in Anbindung zu althochdeutsch wībil = „Käfer“, wohingegen Rudolf Much den Namen für ungermanisch bewertete und ihn zu lateinischen Namen und Sprache stellte.[3] Etabliert hat sich die Grimm'sche Deutung.[4]

Quellen

  • Tacitus, Annalen 2, 62 f.

Literatur

  • Peter Kehne: Vibilius. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 32, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2006, ISBN 3-11-018387-0, S. 330–332 (kostenpflichtig über GAO, De Gruyter Online).
  • Arthur Stein: Catualda. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band III,2, Stuttgart 1899, Sp. 1795.
  • Ferdinand Haug: Hermunduri. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VIII,1, Stuttgart 1912, Sp. 906–908.

Anmerkungen

  1. Tacitus, Annalen 2, 62 f.
  2. Geschichte der deutschen Sprache. S. 416
  3. Zeitschrift für deutsches Altertum 35, S. 370.
  4. Hermann Reichert: Die Bildungsweise der frühen germanischen Personennamen. In: Otto Gschwantler (Hrsg. et al.): Linguistica et Philologica. Gedenkschrift für Björn Collinder. (= Philologica Germanica 6). Braumüller, Wien 1984, S. 355–367.

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