Markomannen


Marcus Aurelius, Markomannenhäuptlinge begnadigend - Relief eines unbekannten Ehrenbogens für Marc Aurel

Die Markomannen waren ein suebischer Volksstamm der Germanen. Der Name setzt sich aus Mark (Grenzland) und Männer zusammen.

Herkunft und Geschichte

Die Bezeichnung „Markomannen“ ist erstmals im Zusammenhang mit römischen Schilderungen des Heeres des Ariovist 58 v. Chr. bezeugt.

Nach antiken Quellen wurden um 9 v. Chr. eine als „Markomannen“ bezeichnete Stammesgruppe von den Römern unter Drusus besiegt und wich deshalb unter dem von römischen Autoren als „rex“ (König) bezeichneten Marbod (lateinisch Maroboduus) ins heutige Böhmen aus. Viele Grabfunde, insbesondere jene aus den sogenannten „Fürstengräbern“ der markomannischen Oberschicht, belegen ein hochstehendes Kunsthandwerk. Noch unter dem Anführer Marbod etablierte sich in Böhmen ein starkes Stammesfürstentum, das von Augustus als potenzielle Gefahr für Rom wahrgenommen wurde. Ehe Augustus jedoch reagieren konnte, brach der Krieg in Illyrien aus. Um das Jahr 3 v. Chr. soll es Marbod gelungen sein, die benachbarten germanischen Stämme der Hermunduren, Quaden, Langobarden, Semnonen und Vandalen in einem losen Stammesbund zusammenzuführen. Einer möglichen Stärkung der Position dieses Stammesbundes stand jedoch die starke Opposition des Sippenadels entgegen.

Eine kriegerische Auseinandersetzung mit den Cheruskern unter Arminius im Jahre 17 und der nachfolgende Sturz Marbods im Jahre 19 durch den Gotonen Catualda beendeten die Machtstellung der Markomannen, die danach unter römischen Einfluss gerieten. Catualda war noch im Jahre 19 von den Hermunduren vertrieben worden. Daraufhin eroberte der Quadenkönig Vannius Böhmen. Seitdem sollen die Markomannen und Quaden von den gleichen Stammesführern (röm. als „dux“ oder „rex“ bezeichnet) beherrscht worden sein.

Die Abhängigkeit von Rom, die nur durch Aufstände in den Jahren 89 und 92 unterbrochen wurde, hielt bis zu den Markomannenkriegen an, die mit Unterbrechungen von 166 bis 180 dauerten. In ihnen zeigten sich die Markomannen zusammen mit anderen germanischen und sarmatischen Stämmen als erbitterte und schlagkräftige Feinde des Römischen Reiches und drangen mehrmals tief in das Gebiet des Imperiums ein. Kaiser Mark Aurel musste die meiste Zeit seiner Regierung ihrer Abwehr widmen; er hielt sich im Legionslager Carnuntum in Pannonien nahe Vindobona, dem heutigen Wien auf. Nach Hans W. Haussig veränderten die Kriege mit dem Verwüsten der „fruchtbaren Poebene“ nachhaltig die „Struktur der Landwirtschaft“ in Italien, weshalb sich „die große Wende“ vollzog, die zum Niedergang der Landwirtschaft und später der sinkenden Bedeutung Italiens im römischen Reich geführt haben soll.[1] Einige Forscher sehen die Markomannenkriege als Vorstufe der Völkerwanderung.

Weitere Einfälle der Markomannen auf römisches Reichsgebiet fanden laut antiken Quellen in den Jahren 310, 323, 357 und 374 statt. Um 396 wurden durch Stilicho Teile der Markomannen, unter dem als "dux" bezeichneten Ehemann von Königin Fritigil, im ostösterreichisch-westungarischen Raum (Pannonien) als Verbündete der Römer angesiedelt. Fritigil stand im Briefwechsel mit Bischof Ambrosius von Mailand und bewirkte die Christianisierung der Markomannen.[2] Die umgesiedelten Markomannen befanden sich 433–451 unter Herrschaft der Hunnen und kämpften auf ihrer Seite auf den katalaunischen Feldern, von wo sie nicht mehr nach Pannonien zurückkehrten. Die in Böhmen verbliebenen Markomannen gingen im 7. Jahrhundert (letzte germanische Siedlungsspuren in Böhmen) in den einwandernden Slawen auf und trugen eventuell zur Entstehung der Bajuwaren bei.

Der römische Feldzug gegen die Markomannen (6 n. Chr.)

Um Christi Geburt hatte sich in Böhmen unter Führung von Marbod in kurzer Zeit ein zentral organisiertes Gemeinwesen der Markomannen mit einem schlagkräftigen Heer entwickelt. Es ist die erste belegte „Staatsbildung“ eines germanischen Volkes. Obwohl Marbod bezweckte, einen Konflikt zu vermeiden, war Rom nicht gewillt, eine solche Machtkonzentration, die eine potenzielle Bedrohung sowohl Germaniens als auch der Donaugrenze darstellte, zu dulden. Verschärfend kam hinzu, dass sich eine große Anzahl ostgermanischer Stämme den Markomannen angeschlossen hatte.

Folgerichtig war die Niederwerfung von Marbod nun das erklärte Ziel der augusteischen Außenpolitik. Es wurde ein kombinierter Zangenangriff mehrerer Legionen und Verbündeter geplant, bei dem nicht weniger als zwölf Legionen und das gesamte in Germanien, Raetien und Illyrien stehende Heer mobilisiert wurden. Der römische Plan zu dem großangelegten Angriff auf die Markomannen und die mit ihnen verbündeten ostgermanischen Stämme setzte jedoch voraus, dass das übrige Germanien sowie Pannonien militärisch völlig gesichert waren. Bei Gelingen ihres Vorhabens wären die Römer zu den uneingeschränkten Herrschern Mitteleuropas geworden.

Im Jahre 6 n. Chr. zogen die Römer zu diesem Zweck große Heeresteile nördlich und östlich der Alpen zusammen. Ein Teil des Heeres bewegte sich unter dem Legaten Gaius Sentius Saturninus von seiner Basis Mogontiacum (heute: Mainz) aus in östlicher Richtung durch das Land der Chatten und dem Lauf des Mains und der Eger folgend nach Böhmen. Im Verlauf dieses Feldzuges wies Gaius Sentius Saturninus den Hermunduren zuvor von den Markomannen besiedelte Gebiete zu. Diese lagen vermutlich im heutigen Franken und Thüringen. Möglicherweise steht das neuentdeckte Legionslager bei Marktbreit in diesem Zusammenhang. Gaius Sentius Saturninus verfolgte mit der Ansiedlung der Hermunduren in diesem Gebiet die Strategie, die Markomannen zu schwächen, indem er die Hermunduren, die auch als mögliche Verbündete Marbods in Betracht kamen, für die römische Seite zu gewinnen versuchte.

Der andere Teil des zum geplanten Angriff aufgestellten Heeres stieß unter Tiberius von Carnuntum in nördlicher Richtung nach Mähren vor. Beide Heeresgruppen sollten sich wohl in der Nähe der Residenz des Marbod vereinigen.

Die umfangreichen Operationen mussten abgebrochen werden, bevor die geplante Vereinigung zustande gekommen war, da in Pannonien ein großflächiger Aufstand ausbrach. Wohl aufgrund innerer Zwistigkeiten mit seinen Verbündeten und dem Stammesadel verzichtete Marbod darauf, diese für Rom prekäre Situation auszunutzen und schloss einen Friedensvertrag condicionibus aequis (zu gleichen Bedingungen).

Gaius Sentius Saturninus kehrte nach dem Abbruch des Feldzuges in das besetzte Germanien zurück und erhielt dort die Ruhe aufrecht. Durch den pannonischen Aufstand gewarnt, betrieb er dort anscheinend eine vorsichtige und umsichtige Politik.

Liste der überlieferten markomannischen Stammesführer

  • um 9 v. Chr.–18 n. Chr.: Marbod
  • 18/19 n. Chr.: Katwalda
  • ab etwa 19 n. Chr.: Vannius
  • um 166: Ballomarius

Nach Tacitus kamen die markomannischen und quadischen „Herzöge bzw. Könige“ bis ins 1. Jh. n. Chr. aus dem Geschlecht des Marbod und Tudrus.

Anmerkungen

  1. vgl. Haussig, S. 4, vgl. auch 12.
  2. Fritigil in aeiou.at

Literatur

  • Ralf G. Jahn: Der Römisch–Germanische Krieg (9–16 n. Chr.). Dissertation, Bonn 2001.
  • Herwig Wolfram: Die Germanen. 8. überarbeitete Auflage. Beck, München 2004.
  • Hans W. Haussig: Kulturgeschichte von Byzanz. 2. überarb. Aufl. Kröner, Stuttgart 1966.

Weblinks

  • Eintrag zu Markomannen in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online (auf AEIOU)
  • Markomannen

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