Eingangsbereich des Oppidums
Ausgrabung

Die vorgeschichtliche Siedlung von Ullastret ist ein iberisches Oppidum im nördlichen Katalonien (Verwaltungsbezirk Baix Empordà, Provinz Girona). Sie befindet sich etwa sechs Kilometer nordöstlich von La Bisbal d’Empordà im Empordà, dem fruchtbaren Hinterland der Costa Brava.

Lage

Das Oppidum liegt auf einer steilen Anhöhe (Puig de Sant Andreu) östlich der modernen Ortschaft Ullastret inmitten einer Ebene, die bis in die Neuzeit von einem See bedeckt wurde. Die Landschaft im äußersten Nordosten Kataloniens trägt heute noch den Namen der nahegelegenen Griechenstadt Empúries (span. Ampurias), das sogenannte Ampurdán. Der Felsen, auf dem sich das iberische Oppidum befand, liegt etwa 10 km Luftlinie vom Meer entfernt und bildet ein Dreieck, dessen längster Ausläufer ziemlich genau nach Norden zeigt. Die Ausdehnung des Hügels beträgt in der Länge 450 m, an der breitesten Stelle misst er 170 m (etwa 11 ha Oberfläche). Im Mittelalter (12. Jahrhundert) wurde auf seinem höchsten Punkt eine Burg errichtet, bis etwa 1936 befand sich dort ein Bauernhof.

Geschichte

Nachdem der Hügel sporadisch schon in der Steinzeit aufgesucht wurde, lassen sich erste Siedlungsspuren im Übergang von der Bronze- in die Eisenzeit auf einer nahegelegenen Insel (Illa d’en Reixac) fassen. Die früheste Keramik dort ist handgemacht. Im Verlauf des 6. Jahrhunderts tritt verschiedene griechische Importkeramik auf. Zu dieser Zeit wird auch der „Puig de Sant Andreu“ besiedelt.

Das Oppidum erreichte seine größte Blütezeit im 4. Jahrhundert v. Chr. Ebenfalls in diesem Jahrhundert kommt aus dem Süden die drehscheibengeformte iberische Keramik mit Bemalung auf. Die Funde von Ullastret weisen daneben einen sehr hohen griechischen (Feinkeramik) und punischen Anteil (Amphoren) auf.

Im Verlauf des 3. Jahrhunderts v. Chr. wurde die Siedlung allmählich verlassen, vielleicht aufgrund der Nähe zur griechischen Stadt Emporion oder aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Die Importkeramik wird nach und nach weniger. Die Römer haben den Ort höchstwahrscheinlich schon verlassen vorgefunden, Spuren einer gewaltsamen Zerstörung gibt es nicht.

Anlage

Der Teil der Anhöhe, der nicht durch den steilen Felsen geschützt war, wurde mit einer starken Mauer umgeben, die im Westen sieben meist runde Türme einschloss. Zwei weitere Türme befanden sich abseits der Mauer an der steilen Ostseite. Der endgültige Ausbau der Mauer wird auf das 4. Jahrhundert datiert. An der höchsten Stelle der Ansiedlung befand sich wahrscheinlich ein Heiligtum. In dem deutlich hervorstechenden, quadratischen Gebäude wurden viele Terrakotten gefunden. Der östliche Teil, wo sich vermutlich der Eingang befand, ist zerstört.

Ein Stück westlich unterhalb dieser Strukturen befanden sich sehr viele in den Fels geschlagene Kornsilos. Auf den niedriger gelegenen Terrassen wurden die Wohnviertel ausgegraben, durch Straßen und Terrassen in insulae geteilt, mit vielen freien Flächen (Plätzen), deren Funktion nicht eindeutig belegt ist. Einer von ihnen ist jedoch mit einer regelrechten porticus umgeben, so dass er als Agora angesprochen wird.

Literatur

  • M. Aurora Martín Ortega: Ullastret. Guide to the excavations and its Museum. (Englische Übersetzung: Jaume Gascon Rodà) Diputació Provincial de Girona, Girona 1980.
  • Tanja Gouda: Der Romanisierungsprozess auf der Iberischen Halbinsel aus der Perspektive der iberischen Kulturen. Kovač, Hamburg 2011, ISBN 978-3-8300-5678-2, S. 238–244 (Antiquitates 54).

Weblinks

Commons: Ullastret (Oppidum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 42° 0′ 21″ N, 3° 4′ 45,6″ O

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.