Der ursprünglich hochladende Benutzer war Ljuba brank in der Wikipedia auf Slowenisch / CC BY-SA 3.0

Tonovcov grad


Tonovcov grad

BWf1

Höhe 412 m. i. J.
Lage Slowenien
Gebirge Julische Alpen
Koordinaten 46° 14′ 52″ N, 13° 35′ 20″ O46.24777777777813.588888888889412Koordinaten: 46° 14′ 52″ N, 13° 35′ 20″ O
Tonovcov grad (Slowenien)
Tonovcov grad
Besonderheiten Besiedlungsspuren von der Steinzeit bis zum Mittelalter

f Tonovcov grad ist ein Hügel im oberen Tal des Isonzo (slowenisch: Soča) in Slowenien. Die Erhebung liegt oberhalb von Kobarid und trug eine spätantike Höhensiedlung.

Lage

Die Erhebung liegt direkt am Isonzo (slowenisch: Soča) und zeichnet sich durch steil abfallende Flanken aus. Dadurch sperrt sie den Durchgang des Tales, was zeitweise von großer strategischer Bedeutung war. Gegenüber, auf der westlichen Seite des Flusses, liegt unterhalb der Anhöhe der kleine Ort Kobarid. Das Gipfelplateau, das von Felsen und zeitweise auch von Steinmauern geschützt war, bedeckt eine Fläche von 150 × 90 m.[1]

Besiedlungsgeschichte

Bereich des Verteidignungssystems Claustra Alpium Iuliarum auf einer Karte des Römischen Reiches

Siedlungsspuren zeugen von einer Nutzung des Berges bereits im Mesolithikum. In spätrömischer Zeit hatte der Platz gemeinsam mit dem benachbarten Hügel Gradič eine wichtige strategische Bedeutung und war einer der wichtigsten Stützpunkte des Claustra Alpium Iuliarum. Dies war ein System von Befestigungen in den Julischen Alpen, das angelegt wurde, um die Zugänge nach Italien gegen einfallende Barbaren zu sichern. So konnte etwa die wichtige Direktverbindung über den Predilpass zwischen Forum Iulii und Kärnten kontrolliert werden. Die Bedeutung von Tonovcov grad wird noch höher eingeschätzt, seit Grabungen ergaben, dass auf dem Hügel Bardo bei San Pietro al Natisone, wo eigentlich eine Sperre dieser Straße vermutet wurde, keine römische Befestigung nachgewiesen wurde.[1]

Bereits seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. ist eine römische Höhensiedlung nachweisbar. Aus dieser Zeit sind Münzen, außerdem Bronze- sowie Eisengegenstände, aber keine Gebäudereste bekannt. Unklar ist, ob schon damals eine Befestigungsmauer errichtet wurde. In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts und am Beginn des 5. Jahrhunderts scheint die Intensität der Besiedlung den Funden zufolge zugenommen zu haben. Mauerreste und Ergebnisse vergleichbarer Siedlungen (Rifnik, Brinjeva gora) deuten auf eine Befestigung in dieser Zeit hin. Gesichert ist dies allerdings nicht. Die Metallfunde sind jenen der wichtigen römischen Festung Ad Pirum auf der Passhöhe des Birnbaumer Waldes vergleichbar. Zahlreiche Waffenfunde aus dieser Zeit sprechen für eine Militärbesatzung.[1]

Seine wichtigste Rolle spielte Tonovcov grad im späten 5. Jahrhundert und während des 6. Jahrhunderts, als das Gebiet zuerst Teil des Ostgotischen Reiches war, dann kurzzeitig von Ostrom zurückgewonnen wurde, und schließlich von den Langobarden erobert wurde. Aus dieser Zeit stammen die Ruinen auf dem Plateau, die offenbar Wohngebäude, Befestigungsanlagen, Zisternen und drei Kirchen darstellten. Die Gebäude waren zum Teil recht groß und hatten oft mehrere Räume, die Kirchen etwa maßen einschließlich der Narthexe etwa 20 × 17 m. Die Siedlung selbst war von Felswänden und Steinmauern geschützt. Durch eine weitere Mauer eingefasst, lag direkt vor der Siedlung eine kleinere Vorburg, offenbar um Flüchtlinge aus anderen Orten oder Vieh aufzunehmen. Eine vierte Kirche stellt möglicherweise eine arianische Kirche dar, die während der Herrschaft der Ostgoten oder Langobarden errichtet worden sein könnte. Die Anwesenheit einer langobardischen Besatzung im späten 6. Jahrhundert ist durch den Fund einer Bügelfibel und einer Spatha bezeugt. Ob Goten, zu deren Reich die Festung vorher gehört hatte, sich ebenfalls hier aufhielten, ist unbekannt. Die Mehrheit der Bevölkerung scheint damals romanisch gewesen zu sein. Davon zeugen Bügelfibeln, Armbrustfibeln, Ohrringe und Eisenstilnadeln. Mit dem Einfall der Slawen in der Zeit um 600 wurden viele Befestigungen in Slowenien aufgegeben. Wie lange die Siedlung von Tonovcov grad nach dem Ende des 6. Jahrhunderts weiter bestand, ist unklar.[1]

Die spätere slawenzeitliche Bevölkerung scheint sich in den verfallenen antiken Gebäuden Unterkünfte eingerichtet zu haben. Wie lange diese letzte Besiedlungsphase dauerte, ist unklar. Von dieser Phase sprechen beispielsweise eine karolingische Riemenzunge der Zeit um 800 und ein awarischer Gürtelbeschlag derselben Zeit.[1]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Slavko Ciglenečki: Castra und Höhensiedlungen vom 3. bis 6. Jahrhundert in Slowenien (S. 511 ff.). In: Heiko Steuer, Volker Bierbrauer (Hrsg.): Höhensiedlungen zwischen Antike und Mittelalter von den Ardennen bis zur Adria. Unter Mitarbeit von Michael Hoeper. de Gruyter, Berlin u. a. 2008, ISBN 978-3-11-020235-9, (Reallexikon der Germanischen Altertumskunde Ergänzungsbände 58).

Weblinks


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages

Elemente:

,

21.11.2020
Manche mögen‘s heiß: Globale Erwärmung als Motor für Evolution der Langhalssaurier
Ein internationales Paläontologen-Team, zu dem auch SNSB-Forscher Oliver Rauhut gehört, findet Belege für einen raschen Klimawandel vor 180 Million...
11.11.2020
Der Popa-Langur: ein neu entdeckter Affe aus Asien
Erbgutanalysen, unter anderem an hundert Jahre altem Museumsexemplar, erlauben Einblick in die Evolutionsgeschichte der Haubenlanguren.
03.11.2020
Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab
Als Grund für das Aussterben der Neanderthaler vermuten einige Forscher, dass die damaligen Mütter ihre Säuglinge lange stillten und die Säuglinge...
31.10.2020
Populationsgeschichte der Hunde deckt sich nur teilweise mit der des Menschen
Wissenschaftler haben die Genome von bis zu 10.900 Jahre alten Hunden untersucht und zeigen, dass die Populationsgeschichte der prähistorischen Hunde...
30.10.2020
Denisovaner-DNA im Erbgut früher Ostasiaten
Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften haben das Genom des ältesten me...
24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler du...
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und ...
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde...
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp ber...
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht. Gemäss dem internationalen Forscherteam so...
08.10.2020
Forscher rekonstruieren Käfer aus der Kreidezeit
Ein internationales Forscherteam hat vier neu gefundene Exemplare der fossilen Käfer Mysteriomorphidae mithilfe der Computertomographie untersucht un...
01.10.2020
Jagdverhalten säbelzahntragender Raubtiere erforscht
Ein internationales Team von Forschenden aus dem Vereinigten Königreich und Spanien sowie unter Beteiligung vom Museum für Naturkunde in Berlin, unt...
25.09.2020
Vor 120.000 Jahren: Älteste sicher datierte Nachweise von Menschen auf der arabischen Halbinsel
Unter Verwendung hochauflösender paläoökologischer Informationen, die aus versteinerten Fußabdrücken gewonnen wurden, präsentiert eine neue, in ...
25.09.2020
Neandertaler haben männliches Geschlechtschromosom vom modernen Menschen übernommen
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipz...
21.09.2020
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald: Forscherteam entschlüsselt fossile Mikrowelten
Paläontologen des Museums für Naturkunde Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg führen aktuell in Manebach bei Ilmenau wissenschaftliche Grabung...
21.09.2020
Auch Schimpansen leiden ein Leben lang, wenn sie im Kindesalter die Mutter verlieren
Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind traumatisch und Waisenkinder leiden häufig für den Rest ihres Lebens unter diesem Verlust – ein verzö...
21.09.2020
Älteste Spermien der Welt
In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses 100 Millionen Jahre alte Riesenspe...
17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrat...
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa. Das aus eine...
09.09.2020
Das letzte Zucken der Eiszeit
Ein internationales Team von Forschenden blickt präzise wie nie in das Ende der letzten Eiszeit. Wann und wo genau die Jüngere Dryaszeit begann und ...
03.09.2020
Milchverträglichkeit hat sich in wenigen Tausend Jahren in Mitteleuropa verbreitet
Paläogenetiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden nur in wenigen Knochen vom bronzezeitlichen Schlachfeld an der Tollense Hinweise auf ...
03.09.2020
Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert
Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universit...