Tlaltecuhtli


Tlaltecuhtli

Tlaltecuhtli (Nahuatl: Herr des Erdreichs, auch Tlaltecutli) war eine mittelamerikanische Götterfigur, der sowohl in der aztekischen Mythologie als auch in den Glaubenssystemen anderer Nahuatl-sprechender Völker Mittelamerikas eine Bedeutung zukam.

Aussehen und Zuordnungen

Manchmal wird Tlaltecuhtli als weibliches, manchmal als männliches Ungeheuer beschrieben. Sie besaß sowohl Attribute einer Kröte als auch eines Alligators. Darstellungen der Gottheit fanden sich vor allem in der postklassischen Periode der mittelamerikanischen Geschichte. Tlaltecuhtli ist auch aus postkolumbianischen Manuskripten bekannt. Zuweilen ist sie dabei mit Cihuacoatl, Tonantzin und Tonatiuh assoziiert. Im Tonalamatl des Codex Borbonicus wird Tlaltecuhtli die zweite Tagesstunde unterstellt.[1] Wesentliche Parallelen zeigen sich außerdem zur Schöpfungsmythologie der Maya, so wie sie in der Relación de las cosas de Yucatán von Diego de Landas wiedergegeben wird.[2]

Aztekischer Schöpfungsmythos

In der aztekischen Mythologie gab es verschiedene Schöpfungsmythen, die parallel zueinander tradiert wurden. Eine davon wird in der Histoyre du Mechique beschrieben. Ihr gemäß kamen Quetzalcoatl und Tezcatlipoca zu Beginn der Welt vom Himmel, um Tlaltecuhtli zu begutachten. Da Tlaltecuhtli jedoch ein so gräßliches Monster war und derart gefräßig, dass sie nicht nur im Gesicht, sondern auch noch an den Knien und Ellbögen Rachen besaß, dachten sich die beiden Götter, dass mit so einem Monster im Ozean keine gelungene Schöpfung zu machen sei. Um das Monster aus dem Weg zu räumen, verwandelten sich beide in Riesenschlangen. Dann zerrissen sie Tlaltecuhtli in zwei Teile, sodass sich aus der einen Hälfte die Erde bildete und aus der anderen der Himmel. Um Tlaltecuhtli für ihre Verstümmelung zu entschädigen, verfügten die Götter, das ihr Leib allen Nahrungspflanzen der Menschen als Grundlage dient. Und damit die Erde auch weiterhin Nahrung für die Menschen wachsen lässt, ruft sie zuweilen nachts und verlangt Menschenopfer.[3]

Literatur

  • Karl Taube: Aztekische und Maya-Mythen. Phillip Reclam jun., Stuttgart 1994, ISBN 3-15-010427-0
  • George C. Vaillant: Die Azteken. M. Dumont Schaumberg, Köln 1957

Weblinks

Einzelnachweise

  1. George C. Vaillant: Die Azteken Seiten 184
  2. Karl Taube: Aztekische und Maya-Mythen, Seiten 118–121
  3. Karl Taube: Aztekische und Maya-Mythen, Seiten 62–63

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