Smertriosfragment auf der Stele der Nautae Parisiaci

Smertrios, auch Smertrius, Smertulitanos, oder Smertullus, war ein keltischer Gott, der in der Interpretatio Romana mit Mars gleichgesetzt wird. Seine Funktionen sind unbekannt.

Überlieferung

Smertrios ist besonders durch seine Darstellung auf einem Quader des Pfeilers der nautae Parisiaci („Pariser Schifferzunft“), die aus der Zeit des Kaisers Tiberius stammt, bekannt geworden. Auf dem sogenannten Quader III, dem „Dioskuren-Quader“, ist sein unvollständiges Relief erhalten, das eine Gottheit mit Keule im Kampf mit einer Schlange zeigt. Die untere Hälfte des Quaders ist verschollen. Die teilweise zerstörte, aber rekonstruierte Inschrift lautet Smert[rios].[1][2] Die Bildkonzeption erinnert an Herkules[3], ein dazugehörender Mythos ist jedoch nicht bekannt.

Weitere Fundstellen sind im Großraum Trier, wo Inschriften für Mars Smertrius entdeckt wurden. In einer davon, bei Möhn, mit der Namensvariante Sme[rtuli]t[a]no, wird er als Begleiter von Ancamna bezeichnet.[4][3] Diese Deutung wird durch zwei weitere Inschriften[5], die den Namen Smertulitanos erwähnen, bestätigt. Eine Inschrift aus Großbuch in Kärnten mit dem Fragment [D]iti Smer[trio][6] könnte eine Gleichsetzung von Smertrios mit Dispater belegen.

Eine weitere Gottheit, die eventuell mit Smertrios identisch sein könnte, ist Smertullus. Dieser ist dreimal in Südfrankreich bezeugt, nämlich in Lattes[7], Le Veyer im Naturpark Queyras[8] und Cadenet.[9]

Etymologie

Smertrios wird von manchen Sprachforschern von der indogermanischen Wortwurzel *smeru („Fett“, „Mark“) abgeleitet. Verwandt ist das altirische Wort smertha („eingeschmiert“, „eingefettet“), siehe auch unser Wort „Schmer“ für Schmalz. Andere leiten den Namen von indogermanisch *smer- („gedenken, sich erinnern, sorgen“) ab, wobei Smertrios dann „der Versorger“ wäre.[10] Die Göttin Rosmerta steht Smertrios etymologisch sehr nahe.

Das Einfetten einer Götterfigur war eine überlieferte Kulthandlung.[11]

Literatur

  • Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1997, ISBN 3-7001-2609-3, S. ?.
  • Bernhard Maier: Lexikon der keltischen Religion und Kultur (= Kröners Taschenausgabe. Band 466). Kröner, Stuttgart 1994, ISBN 3-520-46601-5, S. ?.

Einzelnachweise

  1. CIL 13, 3026 Tib(erio) Caesare / Aug(usto) Iovi Opt[i=U]m/o / Max{s}[i=U]mo s(acrum) / nautae Parisiac[i] / publice pos[u=I]erun/[t] // Eurises // Senant V[1]etlon[3] // Iovis // Tarvos(?) Trigaranus // Volcanus // Esus // [C]ernunnos // Castor // [3] // Smert[ri]os // Fort[una?] // ]TVS[ // D
  2. Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 447 f.
  3. 3,0 3,1 Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 647 f.
  4. CIL 13, 4119 Marti Sme[rtuli]t[a]no et [Anc]amnae / C(aius) G() Sec[3] / II[
    CIL 13, 11975 In h(onorem) d(omus) d(ivinae) Numin[i Aug(usti?)] / Marti Smertrio et [3] / Vindoridio Boud[3]/nae Cn(aeus) Domitius Cn(aei?) [fil(ius) .
  5. CIL 13, 06230 Argiotalus / Smertulitani / f(ilius) Namnis equ(es) / ala Indiana / stip(endiorum) X anno(rum) / XXX h(ic) s(itus) e(st) / (h)eredes posue/runt
    AE 2004, 00935 S[m]ertulitano deo / L(ucius) Victorius Censorin[u]s / sacerdos eiusd(em) numinis d(edit) d(edicavit) // et fib[u]/las/ duas / inaura/vit
  6. AE 1950, 98 [D]iti Smer[trio] Aug(usto) / M(arcus) Claud(ius) Rufus [et] / [I]ulia Gemellina / aedem fecerunt / l(ibentes) m(erito)
  7. AE 1972, 00329 Domitiae / [D]omiti f(iliae) / Smertullus / Fusci f(ilius) pi(us)
  8. CIL 12, 00083 T(itus) Vennonius Sm/ertulli fil(ius) Quir(ina) / [3] civitatem / [
  9. CIL 12, 01065 Lanovalo / Q(uintus) Corn(elius) / Smertullus / v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito) / pro Placido / fratri
  10. Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 803 f.
  11. Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 596.

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.