Das Königreich East Anglia in frühangelsächsischer Zeit

Sigebert (auch Sigeberht, Sigberct; † um 640[1] in Suffolk) war von 630/631 bis um 637 König des angelsächsischen Königreichs East Anglia aus der Dynastie der Wuffinger.

Leben

Beda Venerabilis nannte Sigebert den Bruder Eorpwalds und nicht Rædwalds Sohn, was von einigen Historikern so interpretiert wurde, dass Sigebert Rædwalds Stiefsohn gewesen sei.[1] Diese Theorie geht auf Wilhelm von Malmesbury, einen Geschichtsschreiber aus dem 12. Jahrhundert, zurück.[2] Sigebert zog sich die Missgunst Rædwalds zu und musste East Anglia verlassen.[3] Er ging ins Frankenreich und wurde dort getauft. Beda beschrieb ihn als frommen und gelehrten Mann.[4] Im Exil lernte er den Geistlichen Felix von Burgund kennen, der ihm um 630 nach East Anglia folgte.[5]

Um 630/631 erlangte Sigebert die Königswürde in East Anglia. Sogleich begann er mit der Bekehrung East Anglias. Auf seinen Wunsch hin weihte Honorius, der Erzbischof von Canterbury, Felix zum Bischof der Ostangeln und wies ihm Dommoc als Bischofssitz zu.[4] Üblicherweise wird Dommoc mit Dunwich identifiziert, doch kommt auch das Kastell Walton Castle bei Felixstowe in Betracht.[6] König Sigebert und Felix errichteten um 631 nach fränkischem Vorbild eine Schule.[3] Auch die irischen Missionare Fursa und Foillan wurden von Sigebert freundlich aufgenommen. Sigebert stellt Ländereien zur Gründung des Klosters Cnobheresburg zur Verfügung.[7] Der Standort des heute nicht mehr existierenden Klosterkomplex lag möglicherweise beim ehemaligen Kastell Caister-on-Sea oder Kastell Burgh-Castle bei Great Yarmouth in Norfolk.[1]

Sigebert dankte um 637[1] ab und übergab den Thron an seinen Verwandten Ecgric, der bereits als Unterkönig in einem Teil East Anglias regiert hatte. Er zog sich als Mönch in ein von ihm erbautes Kloster zurück.[3] Dass es hierbei, wie im Liber Eliensis aus dem 12. Jahrhundert behauptet, um Betrichesworðe, das spätere Bury St Edmunds handelte, ist unglaubwürdig.[8]

Um 640[1] griff Penda, der König von Mercia East Anglia an. Sigebert, der den Ruf eines berühmten und mutigen Heerführers hatte, wurde von den unterlegenen Ostangeln aus dem Kloster geholt um das Heer in der folgenden Schlacht zu ermutigen. Er soll widerstrebend und eingedenk seines Gelübdes unbewaffnet, nur mit einem Stab in der Hand, inmitten des Heeres in die Schlacht gezogen sein. Sigebert und Ecgric fielen im Kampf und das ostanglische Heer wurde niedergemacht oder floh.[3] Sigebert wurde vermutlich in Bedricesweord (Bury St Edmunds, Suffolk) beigesetzt.[9]

Bedas knappe Ausführungen zu Sigeberts Exil im Frankenreich, merowingische Münzfunde in Sutton Hoo und Sigeberts Name, den auch fränkische Könige trugen, weisen auf die enge Verbindung zwischen East Anglia und dem Kontinent im frühen 7. Jahrhundert hin.[8]

Er gilt als Märtyrer, da er im Kampf gegen Heiden fiel.[10] Für seine Verdienste um die Christianisierung East Anglias wird er in der Anglikanischen Kirche als Heiliger verehrt. Sein Gedenktag ist der 29. Oktober.[11]

Quellen

Literatur

  • Richard Hoggett: The Archaeology of the East Anglian Conversion (Anglo-Saxon Studies), Boydell & Brewer, 2010, ISBN 978-1-84383-595-0
  • Barbara Yorke: Kings and Kingdoms of Early Anglo-Saxon England. Routledge, London-New York 2002, ISBN 978-0-415-16639-3, insb. S. 62–71.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Richard Hoggett: The Archaeology of the East Anglian Conversion (Anglo-Saxon Studies), Boydell & Brewer, 2010, ISBN 978-1-84383-595-0, S. 31–32.
  2. 3,0 3,1 3,2 3,3 Beda, HE 3,18
  3. 4,0 4,1 Beda: HE 2,15
  4. William of Malmesbury: Gesta Pontificum Anglorum II.74
  5. Richard Hoggett: The Archaeology of the East Anglian Conversion (Anglo-Saxon Studies), Boydell & Brewer, 2010, ISBN 978-1-84383-595-0, S. 37–38.
  6. Beda, HE 3,19
  7. 8,0 8,1 J. Campbell: Sigeberht@1@2Vorlage:Toter Link/www.oxforddnb.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (kostenpflichtige Registrierung erforderlich). In: Oxford Dictionary of National Biography, Oxford University Press, 2004. abgerufen am 13. November 2011
  8. Michael Lapidge et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England, Wiley-Blackwell, 2001, ISBN 978-0-631-22492-1, S. 76.
  9. Sigebert von Ostanglien in: Ökumenisches Heiligenlexikon
  10. John Henry Cardinal Newman: Lives of the English Saints, 1843

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Personenleiste“ ist nicht vorhanden.

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.