Punta di Zambrone

Die Punta di Zambrone, auch Capo Cozzo, ist ein Kap an der Küste Kalabriens in Süditalien. Es befindet sich an der Südwestküste des italienischen Festlands am Tyrrhenischen Meer in der Gemeinde Zambrone der Provinz Vibo Valentia.

Bekannt ist das Kap durch die dort von 2011 bis 2013 erfolgte archäologische Ausgrabung einer bronzezeitlichen Siedlung aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. Die Grabung wurde in einer Kooperation zwischen den Universitäten Neapel (Federico II) und Salzburg sowie dem Institut für Orientalische und Europäische Archäologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften unter der Leitung von Reinhard Jung und Marco Pacciarelli durchgeführt. Hier fand man im archäologischen Kontext der Zeit um 1200 v. Chr. in Griechenland hergestellte mykenische Keramik, mykenischen Schmuck sowie eine neopalatiale minoische Elfenbeinstatuette aus dem 17. bis 15. Jahrhundert v. Chr. Italomykenische Keramik, das heißt in Italien hergestelltes Geschirr mykenischen Stils, fand sich hingegen kaum.[1]

In der Bronzezeit war der landseitige Zugang der Punta di Zambrone durch einen etwa achtzig Meter langen und vier bis fünf Meter breiten Befestigungsgraben geschützt. Dieser weist auf eine bedeutende Rolle als Seehafen,[2] möglicherweise einen Handelsstützpunkt der Mykener. Im Süden des Kaps befand sich eine heute verlandete Bucht, die als Hafen gedient haben könnte.[3] Die bronzezeitlichen Siedlung wird in die Zeit zwischen dem 17. und 12. Jahrhundert v. Chr. datiert,[2] doch schon ab dem 21. Jahrhundert v. Chr. sind Siedlungsspuren nachweisbar.[3]

Literatur

  • Reinhard Jung, Marco Pacciarelli, Barbara Zach, Marlies Klee, Ursula Thanheiser: Punta di Zambrone (Calabria) – a Bronze Age Harbor Site. First Preliminary Report on the Recent Bronze Age (2011–2012 Campaigns). In: Archaeologia Austriaca. Band 99. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2015, ISSN 0003-8008, S. 53–110 (academia.edu [abgerufen am 14. Juni 2018]).
  • Reinhard Jung, Marco Pacciarelli: A Minoan Statuette from Punta di Zambrone in Southern Calabria. In: Eva Alram-Stern, Fritz Blakolmer, Sigrid Deger-Jalkotzy, Robert Laffineur, Jörg Weilhartner (Hrsg.): Metaphysis. Ritual, Myth and Symbolism in the Aegean Bronze Age. 15th International Aegean Conference Held at the Institute for Oriental and European Archaeology. Aegaeum, Lüttich (online [PDF; 410 kB]).
  • Reinhard Jung, Sonia Conte, Ilaria Matarese, Simona Quartieri, Rossella Arletti, Marco Pacciarelli, Bernard Gratuze: Bronze Age Vitreous Materials of Punta di Zambrone (Southern Italy). In: European Journal of Mineralogy. Nr. 27. Schweizerbart Science Publishers, 2015, ISSN 0935-1221, S. 337–351 (Zusammenfassung).
  • Reinhard Jung, Pamela Fragnoli, Cristina Capriglione, Marco Pacciarelli: Before Sampling: Systematic Procedures of Macroscopic Pottery Classification within the Punta di Zambrone (VV) Research Project. In: Luigi Cicala, Giovanna Greco (Hrsg.): Quaderni del Centro Studi Magna Grecia. Nr. 19. Pozzuoli, Neapel 2014, ISBN 978-88-7478-035-8, S. 117–136.
  • Reinhard Jung, Marco Pacciarelli, Gerhard Forstenpointner, Gabriele Slepecki, Gerald E. Weissengruber, Alfred Galik: Funde aus dem Müllhaufen der Geschichte im Befestigungsgraben von Punta di Zambrone – Angeln am spätbronzezeitlichen Mittelmeer. In: Martin Bartelheim, Barbara Horejs, Raiko Krauß (Hrsg.): Von Baden bis Troja: Ressourcennutzung, Metallurgie und Wissenstransfer. Eine Jubiläumsschrift für Ernst Pernicka. VML, Rahden/Westf. 2016, ISBN 978-3-86757-010-7, S. 175–206 (online).

Einzelnachweise

  1. Reinhard Jung: Die Beziehungen zwischen dem spätmykenischen Griechenland und Italien. In: Antike Welt. Nr. 4/2015. von Zabern, 2015, ISSN 0003-570X, S. 25/26.
  2. 2,0 2,1 Punta di Zambrone. Die archäologischen Befunde. (Nicht mehr online verfügbar.) Institut für Orientalische und Europäische Archäologie, Università degli Studi di Napoli Federico II, archiviert vom Original am 24. September 2015; abgerufen am 1. September 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.puntazambrone.com
  3. 3,0 3,1 Reinhard Jung, Marco Pacciarelli: Punta di Zambrone: Der Fundort. (Nicht mehr online verfügbar.) ÖAW – Institut für Orientalische und Europäische Archäologie, Università degli Studi di Napoli Federico II, archiviert vom Original am 3. April 2016; abgerufen am 24. Juli 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.puntazambrone.com

Weblinks

Koordinaten: 38° 42′ 53″ N, 15° 58′ 20″ O

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.