Palast des Nestor


Nestorpalast, darüber die Überdachung der Ausgrabung

Palast des Nestor ist - neben Pylos - die etablierte Bezeichnung für die Überreste eines großen mykenischen Palasts und Verwaltungszentrums aus der späthelladischen Zeit, etwa 12 km nördlich der heutigen Stadt Pylos, in der Gemeinde Nestoras. Fundstücke der Ausgrabungen befinden sich im archäologischen Museum in Chora, dem Hauptort des Gemeindebezirkes.

Die mykenische Siedlung, die von Carl Blegen 1939 entdeckt und ab 1952 ausgegraben wurde, liegt nahe dem heutigen Ano Englianos etwa 9 km nordöstlich der Bucht von Navarino. Blegen stieß hier den unbefestigten Palast eines mykenischen wanax, eines Königs. Einer dieser Könige hieß vermutlich Enkhelyawon[1]. Blegen gab den umfangreichen mykenischen Palastruinen den Namen „Palast des Nestor“, benannt nach dem gleichnamigen Herrscher über das „sandige Pylos“ in Homers Ilias. Es ist umstritten, ob dieser Palast tatsächlich bei Homer erwähnt wird. Zwar belegen die von Blegen gefundene Linear-B-Tafeln eindeutig, dass der Ort von seinen Bewohnern Pulos (���� pu-ro) genannt wurde und die Hauptstadt eines bedeutenden mykenischen Staats war, der große Teile der Landschaft Messenien umfasste. Die topographischen Angaben in der Ilias und der Odyssee über den Sitz Nestors passen besser zu einer früh- und mittelmykenischen Siedlung in der Nähe des heutigen Kakovatos in Triphylien (nördlich an Messenien anschließend). Hier hat Wilhelm Dörpfeld Reste einiger Gebäude und drei reiche Kuppelgräber aus dem 15. Jahrhundert v. Chr. entdeckt. [2]. Allerdings wurde die Siedlung bei Kakovatos bereits in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts durch Brand zerstört, kann daher zeitlich kaum der bei Homer beschriebene Sitz des Nestors sein. Auch liegt es zu weit im Norden. Eventuell gehörte diese Region um 1200 v. Chr. aber noch zum Machtbereich des Herrschers des Pylos bei Ano Englianos.

Zu Beginn des 12. Jahrhunderts v. Chr. wurde der Palast bei Ano Englianos durch Feuer zerstört und nicht mehr kontinuierlich wiederbesiedelt. Nach dem 8. Jahrhundert v. Chr. wurde der Ort ganz aufgegeben und geriet in Vergessenheit.

Auf den Linear-B-Tafeln werden die Verwaltungsbezirke von Pylos erwähnt. Das Reich bestand demnach aus zwei Provinzen (Deweroaikoraja im Westen um Pylos und Peraikoraja im Osten um Lefktron). Diese Provinzen bestanden aus sieben bzw. neun Distrikten. Wichtig ist, dass die Tafeln auf Griechisch verfasst wurden und die Annahme bestätigten, dass auch schon zu mykenischer Zeit Griechisch gesprochen wurde. Durch den oben genannten Brand wurden sie gehärtet und konserviert.

Badewanne im Palast

Zu den besonderen Sehenswürdigkeiten gehört der große kreisrunde Eschara (Opferherd) mit noch erhaltener Bemalung der Einfassung im Megaron (Thronsaal) des Palastes und ein regelrechtes „Badezimmer“ mit einer „Badewanne“ in der Telemach - Sohn des Odysseus - der Sage nach von Polykaste gebadet und eingeölt wurde. Die vormals mehrgeschossige Anlage, von der noch bis zu einem Meter über dem Boden aufragendes Mauerwerk erhalten ist, wurde überdacht, um die aus Bruchstein und Stampflehm errichteten Mauern vor der Witterung zu schützen.

In unmittelbarer Nähe des Palastes befinden sich zwei Kuppelgräber; die Steinkuppel des besser erhaltenen wurde wieder aufgebaut.

Gegenwärtig (2007) laufende Ausgrabungen betreffen vor allem einen direkt daneben liegenden älteren Palast und das Umfeld.

Plan der Palastanlage: 1-Eingang. 2-Hof. 3-Vorhalle. 4-Megaron(Hauptsaal). 5-Lagerräume für Olivenöl. 6-Lagerräume für Wein. 7-Archive. 8-Propylon. 9-Bad. 10-Kleines Megaron.
wieder aufgebautes Kuppelgrab in der Nähe des Palastes
Das archäologische Museum in Chora

Literatur

  •  Giorgos Pathanasopulos, Thanos Pathanasopulous: Pylos – Pylia, Reisebuch in Land und Zeit. ISBN 960-214-197-2.
  •  Jack L. Davis (ed.): Sandy Pylos. An Archaeological History from Nestor to Navarino. ISBN 0-29271595-1.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Louise Schofield: Mykene, Geschichte und Mythos, Verlag Philipp von Zabern, Mainz, 2009, Seite 120, ISBN 978-3-8053-3943-8
  2. "Kakovatos und Triphylien in mykenischer Zeit" (Webseite zu den wiederaufgenommenen archäologischen Forschungen): http://www.archaeologie.uni-freiburg.de/forschung/kakovatos


37.02741666666721.694833333333Koordinaten: 37° 1′ 38,7″ N, 21° 41′ 41,4″ O


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