Manfred Eggert


Manfred K. H. Eggert (* 1941) ist ein deutscher Prähistoriker.

Leben

Er studierte seit 1964 an der Universität Hamburg und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz Vor- und Frühgeschichte, Ethnologie, Deutsche Altertums- und Volkskunde und Physische Anthropologie. 1973 wurde Eggert in Mainz promoviert und war anschließend für zwei Jahre Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Yale University. Von 1976 bis 1978 bereitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Mainz ein archäologisches Regenwaldprojekt im damaligen Zaïre vor, in dessen Verlauf er bis 1987 fünf archäologische Feldforschungen unternahm. Seit 1978 war Eggert Assistent am Archäologischen Institut der Universität Hamburg, nach der Habilitation 1983 Privatdozent. 1988 übernahm er eine Professur für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg. Von 1993 bis zu seiner Pensionierung 2006 war er ordentlicher Professor am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen.

Forschungsschwerpunkte

Seit 1997 bzw. 1998 führt Eggert Feldforschungen in Kamerun durch, zuletzt im Rahmen einer DFG-Forschergruppe „Ökologischer Wandel und kulturelle Umbrüche in West- und Zentralafrika“ zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Frankfurt am Main. Er nimmt ferner teil am DFG-Schwerpunktprogramm 1171 „Frühe Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse: Zur Genese und Entwicklung frühkeltischer Fürstensitze und ihres territorialen Umfeldes“, wo er für ein Teilprojekt zur Außensiedlung der Heuneburg verantwortlich ist, das durch Siegfried Kurz bearbeitet wird.

Insbesondere Studierenden ist Eggert auch durch seine Einführung Prähistorische Archäologie: Konzepte und Methoden (zuerst 2000) bekannt. Ein Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der theoretischen Reflexion und Grundlegung des Faches. In einzelnen Arbeiten hat er Interpretationsmodelle der prähistorischen Archäologie hinterfragt und damit manche kontroverse Diskussion angestoßen, wie die deutschsprachige Diskussion um die New Archaeology. Eggert plädierte hier für eine genauere und kritischere, methodenreflektierte Herangehensweise und gegen positivistische Interpretationen. Wie die aktuelle, von Eggert mehrfach aufgegriffene Diskussion um die späthallstattzeitlichen Fürstensitze zeigt, wurden seine Warnungen jedoch vielfach nicht verstanden.

Publikationen (Auswahl)

  • Mitherausgeber von Saeculum. Jahrbuch für Universalgeschichte (begründet von Georg Stadtmüller), erscheint jeweils in zwei Halbbänden 2006 im 57. Jahrgang im Böhlau Verlag Köln, ISSN 0080-5319

Monographien

  • Prähistorische Archäologie: Konzepte und Methoden. UTB 2092, Tübingen/Basel 2012, 4. Auflage.
  • Retrospektive: Archäologie in kulturwissenschaftlicher Sicht. Hrsg. von M. Augstein und S. Samida, Münster u. a. 2011.
  • Archäologie: Grundzüge einer Historischen Kulturwissenschaft. UTB 2728, A. Francke Verlag, Tübingen/Basel 2006, 306 S. mit einigen sw-Abb., ISBN 3-8252-2728-6.
  • Die Urnenfelderkultur in Rheinhessen. Wiesbaden 1976.
  • mit S. Samida: Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie. UTB Basics 3254, Tübingen/Basel 2013, 2. Auflage.

Aufsätze

  • Zum Kulturkonzept in der prähistorischen Archäologie. Bonner Jahrb. 178, 1978, S. 1–20.
  • Prähistorische Archäologie und Ethnologie: Studien zur amerikanischen New Archaeology. Praehist. Zeitschr. 53, 1978, S. 6–164.
  • Die konstruierte Wirklichkeit: Bemerkungen zum Problem der archäologischen Interpretation am Beispiel der späten Hallstattzeit. Hephaistos 10, 1991, S. 5–20.
  • Prestigegüter und Sozialstruktur in der Späthallstattzeit: Eine kulturanthropologische Perspektive. Saeculum 42, 1991, S. 1–28.
  • Vergangenheit in der Gegenwart? Überlegungen zum interpretatorischen Potential der Ethnoarchäologie. Ethnogr.-Arch. Zeitschr. 34, 1993, S. 144–150.
  • Der Tote von Hochdorf. Bemerkungen zum Modus archäologischer Interpretation. Arch. Korrbl. 29, 1999, S. 211–222.
  • Das Materielle und das Immaterielle: Über archäologische Erkenntnis. In: U. Veit u. a. (Hrsg.): Spuren und Botschaften: Interpretationen materieller Kultur. Tübinger Arch. Taschenb. 4, Münster/New York/Berlin/München 2003, S. 423–461.
  • mit F. Lüth: Mersin und die absolute Chronologie des europäischen Neolithikums. Germania 65, 1987, S. 17–28.

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