Lustrum

Ein Lustrum (lateinisch, zu lustrare „hell machen“, „reinigen“) war ursprünglich in der altrömischen Religion ein Reinigungs- oder Sühneopfer, dann auch die Bezeichnung für einen Zeitraum von fünf Jahren.

Lustrum als Opfer

Die von den Censoren durchgeführte Steuereinschätzung und Musterung der Bürger (Census) wurde mit diesem Opfer beendet. Es fand auf dem Marsfeld vor den Toren Roms statt. Einer der Censoren ließ drei Opfertiere (Suovetaurilia: Eber, Widder und Stier) von Bürgern mit Glück verheißenden Namen um das versammelte Volk herumführen, die anschließend dem Mars geopfert wurden. Zuvor opferte der Censor eigenhändig Wein, während die blutige Opferhandlung an den Tieren wie üblich von besonderen Opferdienern, den victimarii, durchgeführt wurde.

Abbildung eines Lustrums auf dem Zensus-Relief des sogenannten Altars des Domitius Ahenobarbus. In der Mitte empfängt der Censor von einem Opferdiener den zu opfernden Wein, während von rechts die Opfertiere herangeführt werden, links findet die eigentliche Zählung statt, bei der die Angaben der Bürger festgehalten und beeidet werden, und zur Kontrolle der militärischen Ausrüstung sind auch gerüstete Bürger erschienen. Es handelt sich um eine der wenigen Abbildungen des Militärs der späten Republik. Die hochgewachsene, als Offizier gekleidete Gestalt links neben dem Altar wird meist als der Gott Mars interpretiert, der Rom für die nächsten fünf Jahre seinen Schutz gewähren soll. Neben ihm begleiten zwei Musiker mit Kithara und Aulos die Opferhandlung.[1]

Lustrum als Zeitraum

Da sich das Lustrum alle fünf Jahre wiederholte, war die Bezeichnung ab Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. allgemein für einen Zeitraum von fünf Jahren, ein Jahrfünft, im Gebrauch. Das Wort war bei römischen Dichtern aus metrischen Gründen beliebt und hat sich in der gehobenen Sprache bis heute erhalten.

„Wer im Begriffe ſteht, ſein zwölftes Luſtrum zu beendigen, der wird wohl thun, von früheren poetiſchen Arbeiten ſeine Hand abzuziehen, um nicht denſelben durch weitere Abänderungen an lebendiger Friſche Werthvolleres zu rauben, als ſie durch größere Korrektheit gewinnen können.“

Karl Streckfuß, Vorwort zu Ariosto’s Rasender Roland, 1839

Eine andere historische Bezeichnung für einen Fünfjahreszeitraum ohne religiösen Bezug war das Quinquennium.

Literatur

  • Werner Eisenhut: Lustrum. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 3, Stuttgart 1969, Sp. 790 f.

Weblinks

Wiktionary: Lustrum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Jona Lendering: Lustrum. In: Livius.org (englisch)

Einzelnachweise

  1. Thomas Fischer: Die Armee der Caesaren. Archäologie und Geschichte. Pustet, Regensburg 2012, ISBN 978-3-7917-2413-3, S. 35–37.

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