Kow Swamp ist ein Gebiet in Victoria, Australien, im zentralen Murray-River-Tal und wird von Archäologen als Sammelbezeichnung für die Überreste von mehr als 22 Menschen benutzt. Diese Menschen lebten zu unterschiedlichen Zeiten vor etwa 7.000 bis 13.000 Jahren.

Sie sind robust in ihrer Morphologie. In den frühen Arbeiten über die Überreste wurden die Schädel als „das Überleben von Eigenschaften des Homo erectus bis vor 10.000 Jahren“ (survival of Homo erectus features in Australia until as recently as 10,000 years ago)[1] angesehen. Von anderen Wissenschaftlern wurde dem entgegengestellt, dass die Schädel im Rahmen einer kulturellen Praxis künstlich verformt worden seien.[2]

Die Überreste von Kow Swamp wurden von Alan Thorne wegen ihrer robusten Morphologie dem Mungo Man und der Mungo Lady gegenübergestellt, da diese grazile Eigenschaften aufweisen. Damit versuchte er die Hypothese vom multiregionalen Ursprung des modernen Menschen zu untermauern, wonach der Mensch sich in verschiedenen Erdteilen aus dem Homo erectus entwickelt habe; grazile und robuste Menschen in Australien seien demnach Nachfahren zweier verschiedener Einwanderungswellen aus verschiedenen Nachfahren des Homo erectus. Er steht damit im Widerspruch zur heute weitgehend anerkannten Out-of-Africa-Theorie der Ausbreitung des Menschen.

Einzelnachweise

  1. A. G. Thorne u. a.: Discoveries of Late Pleistocene man at Kow Swamp. In: Nature. 238, 1972, S. 316–319, zitiert nach www-personal.une.edu.au (Memento des Originals vom 17. Mai 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www-personal.une.edu.au
  2. D. Brothwell: Possible evidence of a cultural practise affecting head growth in some late Pleistocene East Asian and Australasian populations. In: Journal of Archaeological Science. 2, 1975, S. 75–77, zitiert nach peterbrown-palaeoanthropology.net

Weblinks

  • Peter Brown’s Australian & Asian Anthropology Kow Swamp, zugegriffen 17. Januar 2016

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.