Otter / CC BY-SA 3.0

Isbister Cairn


In der Kammer des Tomb of the Eagles

Der Isbister Cairn (auch Tomb of the Eagle genannt) ist eine Megalithanlage auf South Ronaldsay, einer Insel der Orkney, die zu Schottland gehört. Isbister Cairn wurde von dem Landwirt Ronald Simison (geb. 1922) im Jahre 1958 entdeckt und 1976 ausgegraben. Simison wurde 2008 mit dem "MBE award" ausgezeichnet.

Die Entdeckung

Simison stieß auf einem nahe an der Steilküste gelegenen, von Gras überwachsenen Hügel auf die Oberkante einer Mauer. Beim Nachgraben fand er drei Äxte, einen polierten Keulenkopf, ein flaches ovales wie ein Messer geformtes Stück Kalkstein, und einen runden Knopf. Die Ausgrabung des Cairns zeigte, dass dieses wertvolle kleine Depot auf dem Sockel an der Basis der äußeren Mauer gelegen hatte.

Die Ausgrabung

Trotz des Interesses, das die Entdeckung unter den Archäologen geweckt hatte, vergingen wegen Geldmangels Jahre ohne eine professionelle Ausgrabung des Standorts. In den 1970er-Jahren unternahm Ronald Simison die Ausgrabung selbst, nachdem er die professionelle Ausgrabung von Liddle Burnt Mound, einem Ancient cooking place auf seinem Land, durch John W. Hedges beobachtet hatte.

Die Anlage

Wie Unstan Cairn so ist auch Isbister architektonisch ein Hybride. Die Anlagen stellen einen Übergangstyp zwischen den älteren Stalled Cairns und den jüngeren Passage tombs des Maes Howe-Typs dar. Die Kammer ist sowohl durch aufrechte Platten in fünf Abteile geteilt und hat zusätzlich aber noch zwei (statt einer) Endkammern und drei von der Hauptkammer aus zugängliche Nebenkammern, die ebenso wie der laterale Zugang auf den Maes-Howetyp weisen. Die Endkammern sind wie beim Unstan Cairn mittels Schwellensteinen vom zentralen Teil abgegrenzt. Die beiden Seitenzellen auf der Westseite der Kammer waren intakt und sind etwa 90 cm hoch. Die Kammer wurde ursprünglich von einem Kraggewölbe und einem ovalen Cairn bedeckt. Die Hauptkammer war mit Erde und Steinen gefüllt worden, als das Grab aufgelassen wurde, während die Zellen unverfüllt waren.

Funde im Inneren

Die beiden intakten Zellen enthielten hauptsächlich menschliche Schädel. Auf dem Boden besonders entlang den Wänden der Hauptkammer lagen eine Menge menschlicher Knochen. Sie erweckten den Eindruck in kleinen Haufen deponiert worden zu sein, jeder mit einem Schädel. Die Analyse erwies indes, dass die Haufen aus Teilen von mehreren Individuen bestanden. Insgesamt waren es die Überreste von etwa 338 Menschen. Es fanden sich auch in der Verfüllung der Kammer Knochen. Sie gehörten zu mindestens elf Menschen. Zusammen mit den Knochen wurden die Krallen von mindestens acht Seeadlern und einigen anderen Vögeln gefunden. Dies stellt allerdings keinen Einzelfall dar, denn in anderen Anlagen wurden Hundeschädel Tierknochen oder Fischgräten gefunden. Der Adler hatte bis in piktische Zeit symbolhafte Bedeutung auf den Inseln. Er findet sich in Stein geritzt auf dem Brough of Birsay und dem Knowe of Burrian.

Das Museum

Der etwa 90-jährige Bauer Ronald Simison betreibt mit seiner Tochter ein kleines Museum bei der Farm, wo er Funde vom Isbister Cairn zeigt und Besucher nach Liddle und Isbister begleitet. Am Cairn hat er einen seilgezogenen Rollwagen installiert auf dem der Besucher liegend durch den engen Zugang in die Kammer gelangt.

Siehe auch

Literatur

  • RCAHMS: Exploring Scotland's Heritage, Orkney and Shetland (Anna Ritchie, Ed.), Edinburgh 1985 ff, ISBN 0-11-492458-9

Weblinks

58.74485-2.916674Koordinaten: 58° 44′ 41″ N, 2° 55′ 0″ W


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages

Elemente:

,

06.03.2021
Ursprung des europäischen Haushundes im Südwesten Deutschlands vermutet
Ein Team der Universität Tübingen hat gemeinsam mit internationalen Forschenden die Anfänge der Domestizierung von Wölfen in Europa untersucht.
02.03.2021
Wie sind Hunde nach Amerika gekommen?
Forscher analysierten das mitochondriale Genom des Hundes und kamen zu dem Schluss, dass das Tier zu einer Linie von Hunden gehörte, deren Entwicklungsgeschichte bereits vor 16.700 Jahren von der der sibirischen Hunde abwich.
18.02.2021
Neandertaler-Gene und Covid-19 Verläufe
Letztes Jahr entdeckten Forscher, dass wir den wichtigsten genetischen Risikofaktor für einen schweren Verlauf der Krankheit Covid-19 vom Neandertaler geerbt haben.
29.01.2021
Als Flüsse durch eine grüne Sahara flossen
Große Teile der heutigen Sahara-Wüste waren vor Tausenden von Jahren grün.
29.01.2021
Beweglicher Daumen ebnete den Weg zur menschlichen Kultur
Präzise Greifen und grazilere Werkzeuge herstellen: Vor rund zwei Millionen Jahren verschaffte ihre bessere Feinmotorik den ersten Menschen einen evolutionären Vorteil
23.01.2021
Befreundete Schimpansen kämpfen gemeinsam gegen Rivalen
Menschen kooperieren in großen Gruppen miteinander, um Territorien zu verteidigen oder Krieg zu führen.
21.01.2021
Über 18.000 Funde: Forschungsgrabung in Untermaßfeld abgeschlossen
Seit vier Jahrzehnten wird in der thüringischen Wirbeltierfundstelle Untermaßfeld regelmäßig ausgegraben.
21.01.2021
Was das Genom des Lungenfischs über die Landeroberung der Wirbeltiere verrät
Das vollständig sequenzierte Genom des Australischen Lungenfisches ist das größte sequenzierte Tiergenom und hilft, den Landgang der Wirbeltiere besser zu verstehen – Evolutionsbiologen der Universität Konstanz sind maßgeblich beteiligt
21.01.2021
Alte DNA gibt Aufschluss über die Besiedlung der Marianeninseln
Im Vergleich zur Erstbesiedlung Polynesiens hat die Besiedlung der Marianen im Westpazifik vor etwa 3.500 Jahren bisher nur wenig Beachtung gefunden.
21.01.2021
Asiatische Gewürze erreichten den Mittelmeerraum vor mehr als 3000 Jahren
Der LMU-Archäologe Philipp Stockhammer fand Hinweise über asiatische Gewürze wie Kurkuma und Früchte wie die Banane im Mittelmeerraum schon viel früher als bislang gedacht.
10.12.2020
Fossilien zeigen Folgen der Ozeanerwärmung auf
Forschende aus Berlin und Großbritannien haben die ökologischen Auswirkungen einer raschen und ungewöhnlich intensiven Phase der Klimaerwärmung während der Jurazeit vor etwa 182 Millionen Jahren auf die Meeresfauna erforscht.
03.12.2020
Das älteste “Ortsnamenschild” der Welt
Wissenschaftler der Universität Bonn haben zusammen mit dem Ägyptischen Antikenministerium das älteste Ortsnamenschild der Welt entschlüsselt.
30.11.2020
Der Popa-Langur: ein neu entdeckter Affe aus Asien
Erbgutanalysen, unter anderem an hundert Jahre altem Museumsexemplar, erlauben Einblick in die Evolutionsgeschichte der Haubenlanguren.
25.11.2020
Treue Paare im Regenwald
Rote Springaffen verzichten auf Seitensprünge.
24.11.2020
Manche mögen‘s heiß: Globale Erwärmung als Motor für Evolution der Langhalssaurier
Ein internationales Paläontologen-Team, zu dem auch SNSB-Forscher Oliver Rauhut gehört, findet Belege für einen raschen Klimawandel vor 180 Millionen Jahren als Ursache für die Ausbreitung der weithin bekannten Langhalssaurier (Sauropoden).
03.11.2020
Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab
Als Grund für das Aussterben der Neanderthaler vermuten einige Forscher, dass die damaligen Mütter ihre Säuglinge lange stillten und die Säuglinge so nicht früh genug vielfältige Nährstoffe für eine Höherentwicklung des Gehirns erhielten.
31.10.2020
Populationsgeschichte der Hunde deckt sich nur teilweise mit der des Menschen
Wissenschaftler haben die Genome von bis zu 10.900 Jahre alten Hunden untersucht und zeigen, dass die Populationsgeschichte der prähistorischen Hunde sich nur teilweise mit der des Menschen deckt.
30.10.2020
Denisovaner-DNA im Erbgut früher Ostasiaten
Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften haben das Genom des ältesten menschlichen Fossils, das bis jetzt in der Mongolei gefunden wurde, analysiert: Die 34.000 Jahre alte Frau hatte rund 25 Prozent ihrer DNA von Westeurasiern geerbt.
24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler durch Experimente mit einer künstlichen Grammatik herausgefunden. Daraus lässt sich schliessen, dass diese Fähigkeit auf gemeinsame Vorfahren zurückgeht.
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und den vorgelagerten Steppen durch bronzezeitliche Viehhalter im heutigen Süden Russlands.
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde im vergangenen Jahrtausend ausgerottet.
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp berichtet über einen Reaktionsweg, bei dem sich Zucker an Mineralien ohne Wasser bilden.
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht.