Idalion (Königreich)


35.01538888888933.423972222222Koordinaten: 35° 0′ 55″ N, 33° 25′ 26″ O
Karte: Zypern
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Idalion (Königreich)
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Zypern

Idalion, phönizisch 'dyl (אדיל), altgriechisch Ιδάλιον, war ein eisenzeitliches Königreich auf der Mittelmeerinsel Zypern.

Lage

Idalion liegt in der Nähe des heutigen Dali 15 km südöstlich von Nikosia in der Nähe der Kupfervorkommen des Troodos-Gebirges am Südufer des Yialias. Topographisch befindet sich die antike Siedlung auf zwei Hügeln im Süden der heutigen Ortschaft, diese befinden sich derzeit in der militärischen UN-Pufferzone.[1]

Aufbau der Stadt

Der westliche Hügel mit einer Akropolis und den Resten des königlichen Palastes konnten bereits durch amerikanische Archäologen untersucht werden, die Bauten wurden dem 5. und 4. Jahrhundert zugeordnet. Hier wurden auch Teile der Stadtmauer und weitere Gebäudekomplexe freigelegt. Die untersuchten Mauerreste der Stadtbefestigung hatten eine Stärke von 10 Metern, die einstige Höhe der Stadtmauer soll über 8 Meter betragen haben. Die Informationen zur östlichen Akropolis und zur Unterstadt sind noch spärlich.

Antike mythologische Bedeutung

In Idalion wurden besonders Aphrodite und ihr Geliebter Adonis verehrt. Nach der antiken Mythologie wurde Adonis in der Gegend von Idalion von einem Eber getötet, der von dem eifersüchtigen Ares geschickt worden war. Aus dem Blut des Getöteten wuchs eine Rose oder Anemone hervor.

Grabungen

Die ersten Funde aus der Region wurden durch den amerikanischen Konsul und Raubgräber Luigi Palma di Cesnola in den Jahren 1865 bis 1876 geborgen, er war am Ortsrand auf ein antikes Gräberfeld aufmerksam geworden und rühmt sich in seiner Biographie dort mehr als 10.000 Gräber mit reichen Beigaben geöffnet zu haben. Bereits Max Ohnefalsch-Richter hatte hier Ausgrabungen im Aphrodite-Tempel durchgeführt. Die Funde, meist archaische Statuen und deren Reste aus Kalkstein und Terrakotta befinden sich heute in Berlin. 1980 wurden in Dali beim Abriss eines Stalles weitere Statuen gefunden, die hier vielleicht durch Philipp Michaili, einem Grabungsvorarbeiter von Ohnefalsch-Richter, versteckt worden waren.

1970-1987 fanden hier Ausgrabungen durch die Universitäten SUM-Albany und Harvard statt. Sie wurden 1987 unter Leitung von Pamela Gaber vom Oriental Institute in Chicago weitergeführt.

Geschichte

Seit dem 5. Jahrhundert und der persischen Herrschaft war die Stadt dem Königreich Kition untertan oder befand sich in einem dauerhaften Bündnis mit diesem. Nach einer Bronzetafel, die in Idalion gefunden wurde, wurde die Stadt von den Medern und Kitioniern belagert. Dies wird gewöhnlich zwischen 478 und 445 v. Chr. oder später angesetzt. Pumjaton führte den Titel „König von Kitium und Idalion“ (mlk kty w'dyl). Der Stadtgott von Idalion war Mukol [2].

Literatur

  • Pawel Flourentzos: A Group of Sculptures from Idalion. In: Paul Åström und Dietrich Sürenhagen (Hrsg.): Periplus, Festschrift für Hans-Günter Buchholz zu seinem achtzigsten Geburtstag am 24. Dezember 1999. 1999, S. 59ff.
  • Maria Hadjicosti: The Kingdom of Idalion in the Light of New Evidence. The City-Kingdoms of Early Iron Age Cyprus in Their Eastern Mediterranean Context. In: Bulletin of the American Schools of Oriental Research. Band 308, 1997, S. 49-63.
  • Franz Georg Maier: Factoids in ancient History: The case of Fifth-Century Cyprus. In: Journal of Hellenic Studies. Band 105, 1985.
  • K. Nicolaou: IDALION Cyprus. In: R. Stillwell et al. (Hrsg.): The Princeton Encyclopedia of Classical Sites. Princeton 1976.
  • Lawrence E. Stager/Anita M. Walker: American expedition to Idalion, Cyprus 1973-1980. In: Oriental Institute Communications. Band 24. The Oriental Institute of the University of Chicago, Chicago 1989.
  • Lawrence E. Stager/Anita Walker/G. Ernest Wright (Hrsg.): American Expedition to Idalion, Cyprus, First Preliminary Report: Seasons of 1971 and 1972. Bulletin of the American Schools of Oriental Research. Supplement 18. Cambridge 1974.
  • Javier Teixidor: The Phoenician Inscriptions of the Cesnola Collection. In: Metropolitan Museum Journal. Band 11, 1976, S. 55-70.
  • Andreas Schneider: Zypern, DuMont Reiseverlag, Köln 1988, ISBN=3-7701-1857-X (DuMont Kunstreiseführer), S. 145

Weblinks

Anmerkungen und Quellen

  1. Zur Besichtigung freigegebene Areale sind mit Hinweisschildern markiert.
  2. Javier Teixidor, The Phoenician Inscriptions of the Cesnola Collection. Metropolitan Museum Journal 11, 1976, S. 57.

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