Griechische Karte des antiken Böotien

Eutrēsis ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:ISO15924:97: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:149: attempt to index field 'data' (a nil value) in Linear B)[1] war eine antike Stadt in Böotien in Mittelgriechenland.

Informationen durch antike Autoren

Die Existenz von Eutrēsis wurde zunächst von Homer in der Ilias überliefert, wo es gemeinsam mit Eleōn, Peteōn und Hylē im Schiffskatalog des 2. Gesangs unter den böotischen Städten genannt ist, Eutrēsis in Vers 502, die anderen drei Städte in Vers 500.[2] Im 6. Jahrhundert n. Chr. lokalisierte Stephanos von Byzanz das antike Eutrēsis an der Straße von Thespiai nach Plataiai. Der englische Archäologe William Martin Leake vermutet jedoch einen Fehler im Text, bei dem statt Thespiōn (Θεσπιῶν) hier Thisbōn (Θισβῶν) zu lesen sei. Der Ort hätte demnach bei der antiken Stadt Leuktra (Λεύκτρα) gelegen. Nach Stephanos stand in Eutrēsis ein bekannter Tempel mit einem Orakel,[3] den die Einwohner Eutrēsis’ dem Apollon geweiht hatten (Εὐτρειτιδιεῖες Άπόλλωνι Eutreitidieies Apollōni).[4] In der Hellenika Oxyrhynchia wird Eutresis als selbstständige Polis zu Beginn des 4. Jahrhunderts v. Chr. erwähnt.[5]

Laut dem altgriechischen Geschichtsschreiber und Geografen Strabon sollen hier die mythischen Zwillinge Amphion und Zethos gewohnt haben, bevor diese Könige des böotischen Theben (Θῆβαι) wurden.[6] Eutrēsis wird von Strabon als Dorf im Gebiet der Thespier bezeichnet.[7]

Zeugnis auf Linear B-Tafeln

Zwischen November 1993 und Februar 1995 entdeckte man bei Ausgrabungen in Theben, in mykenischer Zeit Hauptstadt Ost-Böotiens, den nach Knossos (etwa 2500) und Pylos (etwa 1200) drittgrößten Fund an Linear-B-Täfelchen (über 250 Täfelchen und Fragmente). Sie gehörten zum Archiv des mykenischen Palastes auf der Kadmeia. Zumindest der Komplex des Palasts, in dem u. a. die Linear B-Täfelchen gefunden wurde, wurde wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts durch einen Brand zerstört.[8][9] Auf den Täfelchen ist neben Eleōn, Peteōn und Hylē auch Eutrēsis verzeichnet. Die Schreibung Eutrēsis in Linear B befindet sich in Zeile 2 des Täfelchens TH Ft 140 als e-u-te-re-u, einer Lokativform von Eutreus (oder ähnlich). Die Stadt ist dort als größter Lieferant von Öl-Einheiten im Raum Theben genannt.[10]

Archäologische Erforschung und Siedlungsgeschichte

Auf der Grundlage der antiken Überlieferungen führte die amerikanische Archäologin Hetty Goldman in den Jahren von 1924 bis 1927 Ausgrabungen nahe Leuktra durch.[11] Der Ort trägt heute nach der antiken Stadt den neugriechischen Namen Lefktra und hieß bis zum 27. Februar 1915 Parapoungia.[12] Bei den Ausgrabungen östlich des Ortes fand man einen Stein mit der Aufschrift [ΕΥ]ΤΡΕΙΣΙΣ.[13] Seit der mittleren Jungsteinzeit besiedelt, sind Fundstücke aus dem Frühhelladikum zahlreich. Stilistische Entsprechungen zwischen dem 24. und 21. Jahrhundert v. Chr. mit der Kastri-Kultur lassen einige Forscher eine einheitliche Kultur des griechischen Festlands mit der der Kykladen, einer sogenannten Lefkandi I-Kultur, annehmen. Während des Späthelladikums (ab etwa 1700 oder 1600 v. Chr.[14]), herrschten in Eutrēsis noch lange für das Mittelhelladikum typische Kulturelemente, speziell Keramik, vor, während sich hier die mykenische Kultur erst wesentlich später als auf der Peloponnes durchsetzte. Die mit einer Wehrmauer befestigte Siedlung wurde kontinuierlich bewohnt, bis sie im zweiten Viertels des 12. Jahrhunderts v. Chr. (innerhalb der Phase Späthelladisch III C früh[15]) aus bisher nicht geklärten Gründen aufgegeben wurde.[16] Einer Neubesiedlung ist archäologisch erst für die Zeit ab ca. 600 v. Chr. nachweisbar. Ob es eine zeitweilige Wiederbesiedlung vor 600 v. Chr. gab, ist unklar, da in Eutresis bisher nur zwei geometrische Scherben aus der Zeit vor dem 7. Jahrhundert v. Chr. ans Licht kamen.[17]

Literatur

  • Hartmut Beister: Eutresis. In: Siegfried Lauffer (Hrsg.): Griechenland: Lexikon der historischen Stätten von den Anfängen bis zur Gegenwart. C. H. Beck, München 1989, S. 227.
  • Klaus Freitag: Eutresis. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 4, Metzler, Stuttgart 1998, ISBN 3-476-01474-6, Sp. 321.
  • Penelope A. Mountjoy: Orchomenos V: Mycenaean Pottery from Orchomenos, Eutresis and other Boeotian Sites. Bayerische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch – Historische Klasse, Neue Folge, Heft 89, München 1983.
  • Alfred Philippson: Eutresis. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VI,1, Stuttgart 1907, Sp. 1519.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. e-u-te-re-u. minoan.deaditerranean.com, abgerufen am 1. Februar 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 149: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  2. Homer: Ilias, Zweiter Gesang – Traum, Versuchung, Schiffskatalog. www.gottwein.de, abgerufen am 30. Mai 2011 (Vers 500).
  3. Dictionary of Greek and Roman Geography (1854). William Smith, LLD, Ed. (perseus.tufts.edu), abgerufen am 30. Mai 2011.
  4. Mogens Herman Hansen, Thomas Heine Nielsen: An inventory of archaic and classical poleis. Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-814099-1, S. 441 (books.google.de [abgerufen am 30. Mai 2011]).
  5. Edzard Visser: Homers Katalog der Schiffe. B. G. Teubner Verlag, Stuttgart / Leipzig 1997, ISBN 3-519-07442-7, S. 269 (books.google.de [abgerufen am 29. Mai 2011]).
  6. Strabon, Geographie 9,2,28
  7. Strabon, Christoph Gottlieb Groskurd: Strabons Erdbeschreibung in siebenzehn Büchern. Band 2. Nicolaische Buchhandlung, Berlin / Stettin 1831, S. 169 (books.google.de [abgerufen am 29. Mai 2011]).
  8. Die genaue Datierung der Zerstörung des Komplexes des Palasts, in dem u. a. die Linear B-Dokumente und auch eine Sammlung kostbarer Lapislazuli-Rollsiegel gefunden wurden, ist weiterhin ungeklärt, auch weil die gefundene Mykenische Keramik (laut älteren Angaben nur bis SH III B1 reichend) immer noch nicht publiziert ist. Ein Datierungsvorschlag von Edith Porada aufgrund kassitischer Siegel, deren Interpretation als Geschenk des Tukulti-Ninurta I. nach dessen Plünderung Babylons (s. Edith Porada: The Cylinder Seals Found at Thebes in Boeotia. Archiv für Orientforschung Band 28, 1981/82, S. 1–70) aber nicht unstrittig ist, setzen die Zerstörung einige Jahre nach 1225 v. Chr. (also in die Phase SH III B2) an. Siehe dazu zusammenfassend auch: Konstantinos Kopasias: The Late Bronze Age Near Eastern Cylinder Seals from Thebes (Greece) and their historical implications. Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung (AM) 123, 2008, S. 40 f., bes. Anm. 4 und 7. - online bei Academia.edu
  9. Dagegen behauptet Joachim Latacz: Troia und Homer. Der Weg zur Lösung eines alten Rätsels. 6., aktualisierte und erweiterte Auflage. Koehler & Amelang, Leipzig 2010, ISBN 978-3-7338-0332-2, S. 306/307. , mit Berufung auf Frank Starke, Studia Troica 1997, S. 468f., die Zerstörung sei um 1200 v. Chr. „sicher“ datierbar.
  10. Joachim Latacz: Troia und Homer. Der Weg zur Lösung eines alten Rätsels. 6., aktualisierte und erweiterte Auflage. Koehler & Amelang, Leipzig 2010, ISBN 978-3-7338-0332-2, S. 312, 315/316.
  11. Παραπούγγια – Λεύκτρα. pandektis.ekt.gr, abgerufen am 3. Juni 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 149: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  12. Die absolute Datierung des Beginns des Späthelladikums ist von der Datierung der „Minoischen Eruption“ abhängig
  13. Penelope A. Mountjoy: Regional Mycenaean Decorated Pottery. Rahden 1999, ISBN 3-89646-011-0, Band 2, S. 642. Die SHIII C früh-Keramik aus Eutresis abgebildet ebenda Abb. 262, Nr. 189–191 und 193.
  14. Wolfgang Kullmann: Realität, Imagination und Theorie: Kleine Schriften zu Epos und Tragödie in der Antike. Hrsg.: Antonios Rengakos. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-515-08184-4, S. 123 (books.google.de [abgerufen am 29. Mai 2011]).

Koordinaten: 38° 15′ 0″ N, 23° 15′ 0″ O

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