Etruskischer Tempel

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Etruskischer Tempel

Der etruskische Tempel (lat. templum tuscanum) ist ein weitverbreiteter Typ der antiken Tempelarchitektur und die bisher am besten dokumentierte Gebäudeform der Etrusker.

Vitruvs Architekturkonzept

Lange Zeit galten die Angaben von Vitruv als richtungsweisend für den etruskischen Tempel: Die Gebäude seien auf einem Podium mit Freitreppe eindeutig orientiert gewesen, das Verhältnis zwischen Vorhalle mit toskanischen Säulen (pars antica) und Cella-Trakt (pars postica) seien 1:1 gewesen, dieser hintere Bereich wäre dreigeteilt, und das Verhältnis von Länge zu Breite entspräche 6:5. Grundsätzlich gelten diese Angaben für viele etruskische Sakralbauten, jedoch wurden insbesondere in den letzten Jahren vermehrt auch andersartig konzipierte Anlagen ergraben.

Entwicklung und Typen

Die frühesten Tempel des 6. Jahrhunderts v. Chr. bestehen aus einem einzelnen Kultraum, dessen Dach mittig von zwei Stützen getragen wird (Veji – Piazza d´Armi). Erst seit dem späten 6. Jahrhundert v. Chr. setzten sich die tuskanischen Tempel mit einem dreigeteilten hinteren Trakt durch, die die etruskische Ära prägten (Veji – Portonaccio-Heiligtum, Orvieto – Belvederetempel, Pyrgi – Tempel A). Entgegen dem römischen Triastempel auf dem Kapitol diente jedoch einzig der mittlere Raum (Cella) der Verehrung eines einzelnen Gottes, die Funktion der beiden schlauchartigen Nebenräume (Alae) ist umstritten. Die Grabungen der letzten Jahrzehnte haben jedoch auch andere Tempeltypen im etruskischen Kernland ans Licht gebracht. So fand man aus dem Griechischen entlehnte Peripteroi (Pyrgi – Tempel B), Sakralgebäude mit umgebender Säulenhalle (Tolfa), einräumige Kultstätten mit einer Temenosmauer (Bolsena – Poggio Casetta) und etruskische Tempel mit einer oder mehreren Vorterrassen (Tarquinia – Ara della Regina, Talamone – Talamonaccio).

Architektur

Der etruskische Tempel steht normalerweise auf einem steinernen, profilierten Podium, zu dem eine vorgelagerte Freitreppe führt. Außer in den Fundamentlagen war er aus Holz und Lehm errichtet. Um diesen vergänglichen Aufbau vor Wind und Wetter zu schützen, wurde das Dachgestell mit gebrannten und bemalten Terrakottaplatten verkleidet. Häufige Fundstücke sind die plastisch ausgestalteten Stirnziegel an der Traufe (Antefix), vielfältige Verkleidungsplatten und plastische Hochreliefs (Antepagmentum), die dem Schutz der Balkenköpfe dienten. Im Gegensatz zum griechischen Tempel war der Giebel bis in das 3. Jahrhundert v. Chr. offen. Plinius berichtet, dass die Gebäude im Innenraum oft mit bemalten Stuckreliefs geschmückt waren, was archäologisch teilweise nachgewiesen werden konnte (Falerii – Tempel von Celle, Pyrgi – Tempel A).

Literatur

  • Stefan Steingräber: Etrurien. Städte, Heiligtümer, Nekropolen. München 1981 (Wissenschaftlicher Reiseführer durch Etrurien)
  • Arvid Andrén: Architectural terracottas from Etrusco-Italic temples. Lund 1940/41
  • Josef Ambros Pfiffig: Religio Etrusca. Graz 1975
  • Giovanni Colonna (Hrsg.): Santuari d´Etruria. Mailand 1985 (Katalog der Ausstellung Arezzo 1985)

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