Etoro


Die Etoro sind ein kleiner Volksstamm Papua-Neuguineas. Sie leben im Nordosten des Strickland-Bosavi-Gebiets.[1]

Die Etoro glauben, dass Sperma die Quelle aller männlichen Stärke und Macht sei. Sie glauben zudem, dass Sperma eine knappe Ressource sei, die nicht produziert, sondern nur von Männern an pubertierende Jungen weitergereicht werden könne. Daher geben Männer ungerne ihr Sperma an Frauen ab, außer zum Zweck der Reproduktion und nicht außerhalb von etwa 100 rituellen Tagen pro Jahr. Die Initiation vom Kind zum Mann verlangt es, dass die pubertierenden Jungen Fellatio an älteren Männern ausführen und ihr Sperma schlucken. So sollen die Jungen die Fähigkeit erhalten, Sperma an jüngere Jungen und an Frauen abzugeben.[1]

Zudem steht bei den Etoro, im Gegensatz zu vielen anderen Stämmen Papua-Neuguineas, nicht das Schwein im Mittelpunkt von Prestige und Subsistenz. Prestige können Männer durch Schenken von Sperma an Jungen, Teilen von Fleisch oder sonstigen Gütern erlangen. Frauen werden als minderwertig betrachtet, weil sie diese Dinge nicht bereitstellen können. Die Ernährung besteht vorrangig nicht aus Schweinefleisch und Süßkartoffel, sondern aus Palmsago. Hinzu kommen Gartenbau für Gemüse, sowie Fischen und die Jagd. Wenige Etoro haben heute Zugang zu verarbeiteten Lebensmitteln.[1]

Das Verwandtschaftssystem der Etoro ist patrilinear. Frisch vermählte Ehemänner müssen zudem eine gewisse Zeit im Garten ihrer angeheirateten Verwandten arbeiten, um Ehe und resultierende Kinder zu legitimieren.[1]

Die Furcht vor Hexerei ist so bedeutend, dass Menschen, deren Familien von Todesfällen von gesunden Ehefrauen oder Kindern betroffen sind, und die den Älteren nicht gehorchen, von eigenen Familienmitgliedern als Hexen exekutiert werden. Der Anthropologe Raymond Kelly, der seit den 1960ern die Etoro studiert, berichtete von einer Frau, der nach einer längeren Unglückssträhne eines nachts von ihrem nächsten Verwandten die Kehle durchgeschnitten wurde.[1]

Literatur

  • Peter D. Dwyer: The pigs that ate in the garden. A human ecology from Papua New Guinea. University Press, Ann Arbor 1990, ISBN 0-472-10157-9.
  • Raymond C. Kelly: Etoro social structure. A study in structural contradiction. University Press, Ann Arbor 1977, ISBN 0-472-08502-6.
  • Raymond C. Kelly: Constructing Inequality. The Fabrication of a Hierarchy of Virtue among the Etoro. University of Michigan Press, Ann Arbor 1994, ISBN 978-0-47206-528-8.
  • James F. Weiner (Hrsg.): Mountain Papuans. Historical and comparative perspectives from New Guinea fringe highlands societies. University Press, Ann Arbor 1988, ISBN 0-472-09377-0.
  • Hans-Reinhart Wittram: Konzeptionen von Verwandtschaft. Das Beispiel der Etoro und Daribi (Paua Neuguinea). Magisterarbeit, Universität Göttingen 1993.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Barbara A. West: Encyclopedia of the Peoples of Asia and Oceania, Bd. 1. Sonlight Christian, New York 2008, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 202.

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