Verbreitung der Elp-Kultur.

Die Elp-Kultur (1100 und 850 v. Chr.) ist eine regionale Gruppe der europäischen Hügelgräberbronzezeit, die sich westlich der Weser, nördlich der Mittelgebirge und in den Nordost- und Mittelniederlanden entwickelte. Namensgebender Fundort ist das Dorf Elp (Gemeinde Midden-Drenthe) zwischen Assen und Emmen in den Niederlanden, wo erstmals eine Siedlung dieser Kulturperiode ausgegraben wurden.[1]

Charakteristika

Die Elp-Kultur zeichnet sich durch ihre typischen großen dreischiffigen Bauernhäuser aus. Diese sind im Allgemeinen mehr als 25 Meter lang und etwa 6 Meter breit. Der Archäologe Harm Tjalling Waterbolk berechnete, dass in ein Wohnstallhaus vom Typ Elp bis zu 26, teilweise sogar 30 Rinder passen. Der Stallteil der Häuser ist in der Regel durch die dichter gesetzten Ständer erkennbar und befand sich im östlichen Teil der Gebäude. Die schmalen Eingänge befanden sich in den Schmalseiten der Häuser oder in der Längswand zwischen Wohn- und Stallteil. Da der Wohntrakt genauso groß oder noch länger als der Stallteil war, wird vermutet, dass die Häuser von Großfamilien bewohnt waren.[2] Im namensgebenden Fundort wurden mehr als zwölf Häuser innerhalb eines Hektars nachgewiesen. Diese wurden über einen Zeitraum von 700 Jahren erbaut. Es wird daher vermutet, dass die Höfe dreißig bis vierzig Jahre bewohnt waren und dann verlassen wurden, um an anderer Stelle in unmittelbarer nähe der alten Hofstelle ein neues Gebäude zu errichten.[3] Die älteren Gebäude dienten dabei als Bausubstanz für die neuen Häuser.[4]

Einige Grundrisse aus Elp oder Emmerhout besitzen eine extreme Länge von mehr als 60 Metern. Diese wurden von Waterbolk als Gebäude mit zentraler Funktion interpretiert.

Weiterhin ist die Kultur durch ihre Hügelgräber gekennzeichnet.

Quellen

  1. Wolfgang Schwarz: Ur- und Frühgeschichte. In: Karl-Ernst Behre, Hajo van Lengen (Hrsg.): Ostfriesland. Geschichte und Gestalt einer Kulturlandschaft. Ostfriesische Landschaft, Aurich 1995, ISBN 3-925365-85-0, S. 39–74, hier S. 56.
  2. Nico Roymans, Harry Fokkens: Bronzezeitliche und früheisenzeitliche Siedlungen in den Niederlanden. – Eine Übersicht. In: Beiträge zur Urnenfelderzeit nördlich und südlich der Alpen. Ergebnisse eines Kolloquiums (= Römisch-Germanisches Zentralmuseum zu Mainz. Monographien. Bd. 35). Habelt, Bonn 1995, ISBN 3-7749-2740-5, S. 91–108, Digitalisat (PDF; 8,93 MB). Eingesehen am 27. November 2013.
  3. Harry Fokkens: Die Wirtschaft der Nordischen Bronzezeit: Mehr als Getreide säen und Vieh züchten. In: Martin Bartelheim, Harald Stäuble (Hrsg.): Die wirtschaftlichen Grundlagen der Bronzezeit Europas. = The economic foundations of the European bronze age (= Forschungen zur Archäometrie und Altertumswissenschaft. Bd. 4). Leidorf, Rahden (Westfalen) 2009, ISBN 978-3-89646-874-1, S. 85–104, Digitalisat (PDF; 1,17 MB). Eingesehen am 27. November 2013.
  4. Bradley, Richard: The Past in Prehistoric Societies. Routledge, London 2002, ISBN 978-0415276283, S. 58–71.

Die News der letzten Tage

17.05.2022
Sprache | Primaten
Schimpansen kombinieren Rufe zu einer Vielzahl von Lautsequenzen
Verglichen mit dem menschlichen Sprachgebrauch erscheint Tierkommunikation einfach, doch unklar blieb bisher, wie sich unsere Sprache aus einem so einfachen System entwickelt haben könnte.
12.05.2022
Genetik | Nach_der_Eiszeit | Wanderungen
Genetische Herkunft der ersten Bauern der Welt geklärt
Der genetische Ursprung der ersten Ackerbauern im Neolithikum schien lange Zeit im Nahen Osten zu liegen.
12.05.2022
Gehirn
Das bewusstlose Gehirn ist alles andere als stumm
Die Grosshirnrinde gilt als zentrale Hirnregion für bewusste Verarbeitung: Während einer Vollnarkose wird dieser Bereich jedoch nicht lahmgelegt.
12.05.2022
Genetik | Erdgeschichte
Der Ursprung des Lebens: Eine neue Weltsicht
Chemiker schlagen ein neues Konzept vor, eine Mischung aus RNA-Molekülen und Peptiden brachten die Evolution hin zu komplexeren Lebensformen in Gang.
10.05.2022
Aufrechter Gang | Gehirn | Australopithecus
Schwierige Geburt und kognitive Fähigkeiten des Menschen sind Folge des aufrechten Ganges
Beim Menschen ist die Geburt schwieriger und schmerzhafter als bei Menschenaffen: Lange nahm man an, dass dies auf das grosse Gehirn und die engen Verhältnisse im mütterlichen Becken zurückgeht.
05.05.2022
Sprache | Gehirn | Kultur
Wie unser Gehirn die Veränderung von Sprache beeinflusst
Unsere Sprache verändert sich ständig: Wissenschafter*innen haben herausgefunden, dass jene Lautmuster, die häufig in unserer Sprache vorkommen, über Jahrhunderte hinweg noch häufiger wurden.