Cynewulf (auch Chuniulfus, Cyneuulf, Cynulf, Kynewulf, Kinewlf, Cenulf, Cenulfus etc.; † 786) war 757 bis 786 König des angelsächsischen Königreichs Wessex.[1]

England zur Zeit Cynewulfs

Leben

Familie

Cynewulf soll aus dem Haus Wessex stammen, doch mag diese Behauptung aufgestellt worden sein um sein Königtum zu legitimieren. Er gehört zu einer Gruppe von fünf westsächsischen Königen aus der Zeit zwischen 726 und 802, deren Herkunftsangaben mit Skepsis zu betrachten sind.[2]

Herrschaft

Sigeberht folgte im Jahr 756 dem verstorbenen Cuthred auf dem Thron.[3] Bald aber erhoben sich Klagen gegen seinen Herrschaftsstil, sodass Sigeberht vom westsächsischen Witenagemot abgesetzt und mit der Herrschaft über Hamtunscir (Hampshire) abgefunden wurde; neuer König von Wessex wurde Cynewulf. Doch auch als Herr von Hampshire traf Sigeberht auf Widerstand. Nachdem er des Mordes an Ealdorman Cumbra, seinem letzten Anhänger, angeklagt wurde, wurde er von Cynewulf aus dem Land vertrieben. Er floh in das Weald im Grenzland zwischen den Königreichen Kent und Sussex.[4] Dort wurde er nach 757 von einem Schweinehirten, der Ealdorman Cumbra rächen wollte, bei Pryfetesflodan (Privett, Hampshire) ermordet.[1]

Es scheint, dass Æthelbald von Mercia während der Zeit der inneren Unruhen in Wessex ein gewisses Maß an Autorität über Wessex ausüben konnte, da er im Jahr 757 Land in Wiltshire an den westsächsischen Abt von Malmesbury Abbey vergeben konnte. Einer der Zeugen der Urkunde war König Cynewulf von Wessex.[5] Wiltshire war ein zwischen Mercia und Wessex umstrittenes Gebiet. Nach anderer Lesart handelte es sich dabei um die Rückgabe „besetzter“ Gebiete und die Anerkennung Cynewulfs als rechtmäßigen König durch Æthelbald. Æthelbald wurde noch im selben Jahr von seinem Leibwächter erschlagen, sodass es in Mercia zu einer Periode der Thronwirren kam, die Cynewulf ausnutzte, um für Wessex völlige Unabhängigkeit zu erringen.[2]

Er gewann vermutlich auch die Kontrolle über das Kloster Cookham und Teile von Berkshire zurück.[6] Auch im nordwestlich angrenzenden, von Mercia abhängigen, Königreich Hwicce konnte er nördlich des Flusses Avon Gebiete annektieren.[7] Zu Offa (757–796), dem neuen König von Mercia, unterhielt er zunächst gute Beziehungen. Cynewulf war ein Wohltäter der Kirche. Er stiftete Ländereien in Somerset, Dorset und Wiltshire an Klöster, doch gibt es auch ein Beispiel dafür, dass er von der Kirche beanspruchte Landgüter für sich behielt. Er führte mehrere Kriege gegen das britische Cornwall und zumindest eine Landschenkung an die Kirche sollte diese Feldzüge durch die Gebete der Mönche unterstützen. Mit dem aus Wessex stammenden Mainzer Bischof Lullus (754–786) stand er im Briefwechsel.[2] Er förderte die ins Stocken geratene Entwickelung der Hafen- und Handelsstadt Hamwic (Southampton) und veranlasste dort vermutlich Münzprägungen.[8]

Im Jahr 772 nahm Cynewulf in Sussex an einem Treffen der Könige Offa von Mercia und Ecgberht II. von Kent mit den von Offa besiegten südsächsischen Adligen teil. Offa konnte über Ländereien in Sussex nach eigenem Ermessen verfügen. Die einstigen Könige Oswald (fl. 772), Osmund (fl. 758/765–772), Ælfwald (fl. 765–780) und Oslac (fl. 765–780) trugen in einer Charta[9], die sie als Zeugen unterschrieben, nur noch den Titel Dux bzw. Ealdorman.[10] Gegenstand der Versammlung war wahrscheinlich das weitere Schicksal von Sussex als von Mercia kontrollierte Provinz.[2] Eine Charta[11] Cynewulfs aus dem Jahr 778 ist eines der frühesten Zeugnisse für Landübertragungen, deren Begünstigter nicht die Kirche, sondern ein Laie, in diesem Fall sein comes (Gefolgsmann) und minister (Diener, Helfer) Bica, ist.[12]

779 kam es bei Bænesingtun (Benson in Oxfordshire) zur Schlacht zwischen Offa und Cynewulf. Cynewulf musste sich zurückziehen und verlor in der Folge auch Cookham (Berkshire) und Gebiete des nordöstlichen Grenzlandes.[2] Im Jahr 781 musste er als Ergebnis der Synode von Brentford[7] das Kloster in Bath und Gebiete beiderseits des Flusses Avon an Offa abtreten. Trotz dieser Gebietsverluste scheint Cynewulf weiterhin als völlig unabhängiger König in seinem geringfügig verkleinerten Reich geherrscht zu haben. Ungeachtet dieser Konflikte nahmen Cynewulf und Offa 786 gemeinsam an der Synode von Canterbury mit Legaten des Papstes Hadrian I. teil. Im Jahre 786 strebte Cyneheard, ein Bruder des abgesetzten Sigeheard, selbst die Königswürde an. Er überfiel Cynewulf in Merentun (vermutlich Marton bei Grafton in Wiltshire). Beide fielen in diesem Kampf. Cynewulf wurde in Winchester beigesetzt und Beorhtric wurde sein Nachfolger.[2]

Quellen

Literatur

  • Barbara Yorke: Kings and Kingdoms of early Anglo-Saxon England. Routledge, London-New York 2002, ISBN 978-0-415-16639-3. PDF (6,2 MB)
  • Barbara Yorke: Wessex in the early Middle Ages (Studies in the Early History of Britain), Continuum, 1995, ISBN 978-0-7185-1856-1.
  • D. P. Kirby: The Earliest English Kings, Routledge, London-New York 2000, ISBN 978-0-415-24211-0.
  • Dorothy Whitelock: English Historical Documents 500-1041, Vol 1, Routledge, London 1995 (2. Aufl.), ISBN 978-0-415-14366-0.

Weblinks

Wikisource: Bright's Anglo-Saxon Reader/Cynewulf and Cyneheard – Quellen und Volltexte (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 149: attempt to index field 'data' (a nil value))

Anmerkungen

  1. 1,0 1,1 Simon Keynes: Kings of the West Saxons. In: Lapidge et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2001, ISBN 978-0-631-22492-1, S. 511–514.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Heather Edwards: Cynewulf. In: Oxford Dictionary of National Biography, Oxford University Press, 2004, doi:10.1093/ref:odnb/6990 (kostenpflichtige Registrierung erforderlich).
  3. Angelsächsische Chronik zum Jahr 754
  4. Angelsächsische Chronik zum Jahr 755. vgl.: Barbara Yorke: Kings and Kingdoms of early Anglo-Saxon England. Routledge, London-New York 2002, ISBN 978-0-415-16639-3, S. 146.
  5. Charta S96
  6. Barbara Yorke: Kings and Kingdoms of early Anglo-Saxon England. Routledge, London-New York 2002, ISBN 978-0-415-16639-3, S. 113.
  7. 7,0 7,1 Barbara Yorke: Wessex in the early Middle Ages (Studies in the Early History of Britain), Continuum, 1995, ISBN 978-0-7185-1856-1, S. 62–63.
  8. Barbara Yorke: Kings and Kingdoms of early Anglo-Saxon England. Routledge, London-New York 2002, ISBN 978-0-415-16639-3, S. 141.
  9. Charta S108
  10. Simon Keynes: Kings of the South Saxons. In: Lapidge et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2001, ISBN 978-0-631-22492-1, S. 509–510.
  11. Charta S264
  12. Barbara Yorke: Wessex in the early Middle Ages (Studies in the Early History of Britain), Continuum, 1995, ISBN 978-0-7185-1856-1, S. 245–246.

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