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Christenberg


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Christenberg (Begriffsklärung) aufgeführt.

Der 387 m hohe Christenberg (früher Kesterburg) ist ein Berg im Burgwald, Hessen, Deutschland.

Martinskirche, Südostansicht

Als Kuppe aus Buntsandstein befindet sich der Christenberg etwa 2 km (Luftlinie) östlich von Münchhausen. Auf seinem Gipfel steht am Ort der keltischen bzw. fränkischen Festungsanlagen und inmitten eines Friedhofs die Martinskirche. In der Nähe befindet sich außerdem ein Ausflugslokal. In der westlichen Umgebung des Gipfels wurden Hügelgräber gefunden, die Bestattungsorte der früher auf dem Berg befindlichen Ansiedlungen sein könnten. Vom höchsten Punkt des Christenberges kann man u. a. zum Kellerwald blicken.

Geschichte

Wall und Graben um den Christenberg
Burgmauerreste aus der Frankenzeit
Das sogenannte Südtor auf dem Christenberg

Die Lützelburg: Erste keltische Besiedlung

In der späten Hallstattzeit wurde auf einer Erhebung etwa 500 m nordwestlich des Plateaus auf dem Gipfel des Christenbergs die erste bekannte Ansiedlung errichtet. Auf ca. 1,5 ha entstand eine durch einen Wall umschlossene keltische Befestigungsanlage. Ab dieser Zeit ist für die Umgebung des Christenberges eine dichte Besiedlung nachweisbar.

Befestigung des Bergplateaus

In der frühen La-Tène-Zeit (um 420 v. Chr.) wurde das ca. 3 ha umfassende, an drei Seiten durch Abhänge geschützte und eine Frischwasserquelle bergende Plateau des Berges von den Kelten auf der einzigen leicht zugänglichen Seite in Richtung Osten mit einer Kastenmauer aus Baumstämmen, Erdreich und Steinen befestigt und später noch durch einen vorgelagerten Graben gesichert. Vermutlich handelte es sich um die Erbauer der Lützelburg. Archäologische Funde im Inneren der Befestigungsanlage deuten auf eine dichte Bebauung mit Holzgebäuden hin. Auch ehemalige Lager und Vorratsgruben für Nahrungsmittel wurden bei den zwischen 1964 und 1970 durchgeführten Ausgrabungsarbeiten entdeckt. Weitere Artefakte deuten auf lokales Handwerk sowie auf Verbindungen zu keltischen Siedlungen auf dem Balkan und im heutigen Böhmen hin. Um 200 v. Chr. wurde die Ansiedlung nach einem Brand aufgegeben.

Fränkisches Kastell zur Zeit der Sachsenkriege

Erst in der Zeit der Karolingerherrschaft im Frankenreich wurde der Ort wiederum befestigt, diesmal mit einer umschließenden Mauer und einer doppelten Mauer zur Ostseite hin. Die Anlage wurde in der Folge mehrfach erweitert durch Vorwälle, Gräben und einen Rundturm im Nordwesten des Geländes. Mauerreste sind noch heute sichtbar bzw. wurden teilweise nach dem alten Verlauf angelegt. Funde legen eine vornehmlich militärische Nutzung nahe. Dass 778 während der Sachsenkriege die Schlacht von Laisa und Battenberg ganz in der Nähe des Christenbergs stattfand, stützt diese These.[1]

Dass der Missionar und spätere Heilige Bonifatius am Christenberg gewirkt haben soll, wird vielfach angenommen, kann aber nicht bewiesen werden.

Dekanat Kesterburg

Die Martinskirche

1227 findet sich der Name „Kesterburg“ erstmal in einer Urkunde. Vom Mittelalter bis zum Jahr 1522 bestand das gleichnamige Dekanat Kesterberg des Erzbistums Mainz nebst einem Kloster als Keimzelle des heutigen Ortsteils Münchhausen (ehem. Munichehusen, Monchehusen).

Mit der religiös bedeutsamen Geschichte des Ortes hängt wahrscheinlich falsche, volksetymologische Bildung der heutigen Bezeichnung Christenberg (seit 1625 belegt) zusammen. „Kesterburg“ leitete sich aber wahrscheinlich von lat. castrum = Burg ab. In die Zeit des Christenbergs als geistliches Zentrum fällt auch die Erweiterung der Martinskirche, deren Vorgängerbau aus der Zeit um die erste nachchristliche Jahrtausendwende errichtet wurde.

Martinskirche

Küsterhaus

Der heute evangelische Kirchenbau aus dem lokal vorhandenen roten Sandstein wurde im romanischen Architekturstil errichtet und ist der Nachfolgebau eines vermutlich karolingischen Gotteshauses an dieser Stelle. Sein einschiffiges Langhaus und der Wehrturm (linker Bildhintergrund) stammen aus der Zeit um 1000. Das Chorgebäude, das das Langhaus an der Ostseite abschließt, wurde erst 1520 hinzugefügt. Eine weitere Besonderheit ist eine Außenkanzel an der Südseite, die mit 1618 datiert ist. Die Kirche wird noch heute von der Kirchengemeinde Münchhausen für Trauergottesdienste und eine Lichtmess am Heiligabend genutzt.

Nahe bei der Kirche befindet sich ein historisches Küsterhaus in Fachwerkbauweise, für das ebenfalls Vorgängerbauten belegt sind. Heute beherbergt es eine Dauerausstellung über den Christenberg und seine Geschichte.

Den Schlüssel zur Martinskirche und zum historischen Küsterhaus kann man in der nebenangelegenen Berggaststätte ausleihen.

Der Friedhof, der sich um die Martinskirche herum erstreckt, wird heute noch für Begräbnisse genutzt.

Quellen

  1. http://home.germany.net/100-108816/html/christenbg.html

Weblinks

50.9547222222228.7491666666667387Koordinaten: 50° 57′ N, 8° 45′ O


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