Koordinaten: 38° 17′ 37″ N, 67° 58′ 44″ O

Karte: Erde
marker
Chaltschajan
Magnify-clip.png
Erde
Kopf einer Tonskulptur
Kopf einer Tonskulptur aus Chaltschajan – mit großer Sicherheit ein Porträt des sonst von Münzen bekannten Yuezhi-Stammesherrschers und Begründers des Kuschanareiches, Heraios/Heraus, der wohl auch den Palast von Chaltschajan errichten ließ.[1]

Chaltschajan sind die Reste einer antiken Stadt, im Süden des heutigen Usbekistan am Surxondaryo gelegen. Der Ort wurde 1959 bis 1963 zum Teil ausgegraben. Dabei kamen vor allem die Reste eines Palastes zu Tage, der reich mit bemalten Tonskulpturen dekoriert war, die zu den wichtigsten Skulpturen Zentralasiens gehören.

Die Tonskulpturen befanden sich alle auf der Galerie, die in drei Metern Höhe um die 17,5 × 6 Meter große Haupthalle herumführte. In der Mitte standen die Figuren eines Herrschers und seines Hofstaates. Darüber schmückten Tonfiguren von Göttern die Wand. Andere Figuren, die sich an den Seitenwänden befanden, verkörpern Reiter und setzen den Dionysoskult in Szene.[2]

Chaltschajan wurde wahrscheinlich im 2. Jahrhundert v. Chr. von den Yuezhi gegründet. Der Palast datiert wahrscheinlich ins 1. Jahrhundert v. Chr. und damit unter die Kuschana, die aus den Yuezhi hervorgegangen waren. Die gefundenen Figuren sind vor allem wegen ihres Realismus von Bedeutung. Einige von ihnen stellen wahrscheinlich Herrscher dar, so dass auch vermutet wird, dass es sich hier um die Reste eines Tempels für einen Herrscherkult handelte. Es fanden sich auch Reste von Wandmalereien, die jedoch nur schlecht erhalten waren.

Literatur

  • Boris J. Stawiskij: Die Völker Mittelasiens im Lichte ihrer Kunstdenkmäler, Bonn 1982, ISBN 3-921591-23-6, S. 87–92

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl. Identifikation des Porträts in der Encyclopaedia Iranica (auch im Artikeltext vertreten) nach der Ausgräberin Pugachenkova 1966.
  2. Vadim M. Masson: Das Land der tausend Städte. Baktrien – Choresmien – Margiane – Parthien – Sogdien. Ausgrabungen in der südlichen Sowjetunion. Udo Pfriemer, Wiesbaden/Berlin 1987, S. 92f

Die News der letzten Tage

17.05.2022
Sprache | Primaten
Schimpansen kombinieren Rufe zu einer Vielzahl von Lautsequenzen
Verglichen mit dem menschlichen Sprachgebrauch erscheint Tierkommunikation einfach, doch unklar blieb bisher, wie sich unsere Sprache aus einem so einfachen System entwickelt haben könnte.
12.05.2022
Genetik | Nach_der_Eiszeit | Wanderungen
Genetische Herkunft der ersten Bauern der Welt geklärt
Der genetische Ursprung der ersten Ackerbauern im Neolithikum schien lange Zeit im Nahen Osten zu liegen.
12.05.2022
Gehirn
Das bewusstlose Gehirn ist alles andere als stumm
Die Grosshirnrinde gilt als zentrale Hirnregion für bewusste Verarbeitung: Während einer Vollnarkose wird dieser Bereich jedoch nicht lahmgelegt.
12.05.2022
Genetik | Erdgeschichte
Der Ursprung des Lebens: Eine neue Weltsicht
Chemiker schlagen ein neues Konzept vor, eine Mischung aus RNA-Molekülen und Peptiden brachten die Evolution hin zu komplexeren Lebensformen in Gang.
10.05.2022
Aufrechter Gang | Gehirn | Australopithecus
Schwierige Geburt und kognitive Fähigkeiten des Menschen sind Folge des aufrechten Ganges
Beim Menschen ist die Geburt schwieriger und schmerzhafter als bei Menschenaffen: Lange nahm man an, dass dies auf das grosse Gehirn und die engen Verhältnisse im mütterlichen Becken zurückgeht.
05.05.2022
Sprache | Gehirn | Kultur
Wie unser Gehirn die Veränderung von Sprache beeinflusst
Unsere Sprache verändert sich ständig: Wissenschafter*innen haben herausgefunden, dass jene Lautmuster, die häufig in unserer Sprache vorkommen, über Jahrhunderte hinweg noch häufiger wurden.