Das Botding, Bodthing oder Botting (gebotenes Gericht) war ein periodisches Gericht oder Thing im mittelalterlichen Friesland sowie in Holland und Nordwestdeutschland. Botding und Fimelthing (Nachgericht) werden im westfriesischen Schulzenrecht des 12. Jahrhunderts erwähnt.

Zuständigkeit

Das Botding wurde jedes vierte Jahr abgehalten und stand unter dem Vorsitz des Grafen oder dessen Stattvertreter. Sachen die hier nicht verhandelt wurden, hat man nachträglich im sogenannten Fimelthing abgehandelt. Wer an beide teilgenommen hatte, brauchte des Königs Banngewalt binnen Jahresfrist nicht zu folgen. Das Fimelthing gab es so weit bekannt nur in Westfriesland, die Belege für Botdinge stammen aus einem weiteren Kreis vom Niederrhein über Westfalen und Stade bis nach Brandenburg und Sachsen.[1][2]

In Nordwestdeutschland stand das Botding oder gebotenen Ding im Gegensatz zum gewöhnlichen (ungebotenen) Grafengericht oder Goding. Das Botding, das als das höchste Gericht (iudicium supremum) galt, wurde bei Bedarf einberufen und erforderte die Ladung der Dinggenossen.

Erstbelege

"Eine Rechtsverhandlung, der gewöhlich bodthing genannt wird", wird am Beginn des 12. Jahrhunderts in den Registern der Grafschaft Holland erwähnt. Andere Schreibweisen waren budinc, buding, būding, bûdingun, buttink oder bottinge. Zusätzliche friesische Formen waren baduthing oder bedthing. Den Terminus wurde auch für einen bestimmten Steuer verwendet, den die Einwohner leisten mussten, um die Reise- und Verbleibkosten des Grafen während des Botdings zu erstatten.[3] In der Herrlichkeit Drenthe, das zum Bistum Utrecht gehörte, hat man dafür den Terminus Batting benutzt.[4]

Beda

Laut einer Forschungstradition, die vor allem durch Georges Dumézil und Rudolf Simek befürwortet wurde, stehen Botding und Fimelthing in Bezug zu den beiden Göttinnen Beda und Fimmilena, die auf einem englischen Votivstein des 3. Jahrhunderts, gestiftet von Söldnern der Civitas Tuihanti, erwähnt werden. Die Götternamen sollen auf ein germanisches System von festen Rechtversammlungen (Thincsus) hinweisen, mit Sondersitzungen (Beda) und informellen Sitzungen (Fimmilena), die sich in den späteren friesischen Rechtsformen wiederfinden ließen. Der zeitliche Abstand zwischen dem römischen Zeitalter und den spätmittelalterlichen Quellen ist immerhin beträchtlich.

Einzelnachweise

  1. Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:DtRechtswörterbuch“ ist nicht vorhanden.
  2. Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:DtRechtswörterbuch“ ist nicht vorhanden.
  3. Oud-Nederlands Woordenboek, Art. Botthink
  4. Woordenboek der Nederlandsche Taal, Art. Botting

Siehe auch

Literatur

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.