Antikenhehlerei


Als Antikenhehlerei wird der illegale Handel mit archäologischen Funden und Kunstobjekten bezeichnet.

Bedeutung und Umfang

Innerhalb des Kunsthandels mit antiken Gegenständen hat die Antikenhehlerei einen großen Anteil, da in den meisten Regionen mit archäologisch bedeutenden Kulturen seit dem 19. Jahrhundert Denkmalschutzgesetze bestehen, die Grabungen und Ausfuhr von Funden an offizielle Genehmigungen binden. Objekte ohne entsprechende Provenienznachweise sind deshalb in den allermeisten Fällen illegal ausgegraben und außer Landes gebracht worden.

In vielen Ländern gilt zudem ein sogenanntes Schatzregal, wonach die Funde rechtlich Eigentum des jeweiligen Landes sind, Ausgrabung und Ausfuhr sind deshalb als Unterschlagung (Raub) zu bezeichnen. Provenienzangaben "aus alter Sammlung" sind meist unglaubwürdig, da sich vor Inkrafttreten der betreffenden Alterumsgesetze etwa im osmanischen Reich kaum ein Reiseverkehr aus Europa entwickelt hatte.

Heute ist Antikenhehlerei eng mit Raubgräberunwesen, Sondengängertum, aber auch dem internationalen Terrorismus verbunden[1]. Nach Schätzungen des FBI beträgt der Umsatz - Stand 1999 - sechs bis neun Milliarden Schweizer Franken. Er dürfte heute deutlich höher liegen. Antikenhehlerei liegt damit vom Umsatz gleich hinter dem Drogen- und Waffenhandel und ist eines der einträglichsten illegalen Geschäftsfelder. Die Bundeskriminalpolizei der Schweiz geht davon aus, dass auch die Geldwäscherei im Kunsthandel ein umsatzstarker illegaler Geschäftszweig ist.[2].

Maßnahmen gegen die Hehlerei

Mehrere internationale Vereinbarungen wenden sich gegen den illegalen Handel, so das Übereinkommen über Maßnahmen zum Verbot und zur Verhütung der unzulässigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut[3] der UNESCO von 1970. Da dieses nur die zwischenstaatlichen Belange betrifft wurde 1995 durch das "Internationale Institut für die Vereinheitlichung des Privatrechts" (UNIDROIT) in Rom ein ergänzendes Übereinkommen, die UNIDROIT Convention on Stolen or Illegally Exported Cultural Objects[4], die 1995 verabschiedet wurde.

Der Prähistoriker Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, fordert zudem eine Selbstverpflichtung des Handels, nur Stücke mit klarer Provenienz zu verkaufen[5]. Ein Verband, der sich eine derartige Selbstverpflichtung auferlegt hat, ist die "International Association of Dealers in Ancient Art" (IADAA), ein Zusammenschluss von 29 Händlern aus neun Ländern. Mitglieder der IADAA kaufen oder verkaufen nur Stücke, deren Provenienz "lückenlos nachweisbar" ist. Dieser Selbstverpflichtung haben sich auch Auktionshäuser angeschlossen. Die IADAA, deren Pressesprecherin Ursula Kampmann ist, arbeitet seit 1996 mit dem Art-Loss-Register zusammen. [6].

Literatur

  • Th. Otten: Archäologie im Fokus. Von wissenschaftlichen Ausgrabungen und illegalen Raubgrabungen. Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz, Bonn 2008
  • Frank Brunecker (Hg.): Raubgräber, Schatzgräber. Theiss, Stuttgart, ISBN 978-3-8062-2238-8
  • EvB Magazin 4/20 Sonderausgabe Kulturgutraub (pdf; 503 kB)
  • Michael Müller-Karpe, Eckard Laufer: Kriminalarchäologie, Mainz, Römisch-Germanisches Zentralmuseum 2011, ISBN 978-3-88467-179-5.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Blutige Schätze. Der Antikenhandel und der Terror. Ein Film von Rainer Fromm, Kristian Lüders und Michael Strompen: ZDFmediathek
  2. T. Buomberger, Die Wege des illegalen Kunsthandels.EvB Magazin 4/20 Sonderausgabe Kulturgutraub, 16ff.
  3. Übereinkommen über Maßnahmen zum Verbot und zur Verhütung der unzulässigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut abgerufen 14. Januar 2012
  4. UNIDROIT Convention on Stolen or Illegally Exported Cultural Objects abgerufen 14. Januar 2012
  5. Parzinger: "Natürlich wäre es am allerbesten, wenn sich der Handel aus dem Bereich archäologischer Fundstücke zurückzöge." "Aber weil man das nicht erwarten und auch nicht erzwingen kann, muss man an alle Beteiligten appellieren, sorgfältiger zu sein bei der Prüfung der Herkunft. Ohne eine solche Selbstverpflichtung des Handels geht es nicht. Die Museen haben sich diese Grundregeln auch verordnet", zitiert in: Catrin Lorch: Antiken vom Lastwagen : Der internationale Markt schützt seine Ware durch Provenienzforschung: Aber wer kauft das Raubgut?, in: Süddeutsche Zeitung, 23./24./25. April 2011, Seite 20
  6. siehe Catrin Lorch: Antiken vom Lastwagen : Der internationale Markt schützt seine Ware durch Provenienzforschung: Aber wer kauft das Raubgut?, in: Süddeutsche Zeitung, 23./24./25. April 2011, Seite 20

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages

Elemente:

,

21.11.2020
Manche mögen‘s heiß: Globale Erwärmung als Motor für Evolution der Langhalssaurier
Ein internationales Paläontologen-Team, zu dem auch SNSB-Forscher Oliver Rauhut gehört, findet Belege für einen raschen Klimawandel vor 180 Million...
11.11.2020
Der Popa-Langur: ein neu entdeckter Affe aus Asien
Erbgutanalysen, unter anderem an hundert Jahre altem Museumsexemplar, erlauben Einblick in die Evolutionsgeschichte der Haubenlanguren.
03.11.2020
Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab
Als Grund für das Aussterben der Neanderthaler vermuten einige Forscher, dass die damaligen Mütter ihre Säuglinge lange stillten und die Säuglinge...
31.10.2020
Populationsgeschichte der Hunde deckt sich nur teilweise mit der des Menschen
Wissenschaftler haben die Genome von bis zu 10.900 Jahre alten Hunden untersucht und zeigen, dass die Populationsgeschichte der prähistorischen Hunde...
30.10.2020
Denisovaner-DNA im Erbgut früher Ostasiaten
Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften haben das Genom des ältesten me...
24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler du...
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und ...
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde...
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp ber...
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht. Gemäss dem internationalen Forscherteam so...
08.10.2020
Forscher rekonstruieren Käfer aus der Kreidezeit
Ein internationales Forscherteam hat vier neu gefundene Exemplare der fossilen Käfer Mysteriomorphidae mithilfe der Computertomographie untersucht un...
01.10.2020
Jagdverhalten säbelzahntragender Raubtiere erforscht
Ein internationales Team von Forschenden aus dem Vereinigten Königreich und Spanien sowie unter Beteiligung vom Museum für Naturkunde in Berlin, unt...
25.09.2020
Vor 120.000 Jahren: Älteste sicher datierte Nachweise von Menschen auf der arabischen Halbinsel
Unter Verwendung hochauflösender paläoökologischer Informationen, die aus versteinerten Fußabdrücken gewonnen wurden, präsentiert eine neue, in ...
25.09.2020
Neandertaler haben männliches Geschlechtschromosom vom modernen Menschen übernommen
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipz...
21.09.2020
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald: Forscherteam entschlüsselt fossile Mikrowelten
Paläontologen des Museums für Naturkunde Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg führen aktuell in Manebach bei Ilmenau wissenschaftliche Grabung...
21.09.2020
Auch Schimpansen leiden ein Leben lang, wenn sie im Kindesalter die Mutter verlieren
Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind traumatisch und Waisenkinder leiden häufig für den Rest ihres Lebens unter diesem Verlust – ein verzö...
21.09.2020
Älteste Spermien der Welt
In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses 100 Millionen Jahre alte Riesenspe...
17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrat...
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa. Das aus eine...
09.09.2020
Das letzte Zucken der Eiszeit
Ein internationales Team von Forschenden blickt präzise wie nie in das Ende der letzten Eiszeit. Wann und wo genau die Jüngere Dryaszeit begann und ...
03.09.2020
Milchverträglichkeit hat sich in wenigen Tausend Jahren in Mitteleuropa verbreitet
Paläogenetiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden nur in wenigen Knochen vom bronzezeitlichen Schlachfeld an der Tollense Hinweise auf ...
03.09.2020
Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert
Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universit...