Olaf Tausch / CC BY 3.0

Dieser Artikel beschreibt den Siedlungshügel bei Tell el-Amarna und die altägyptische Stadt Achet-Aton. Für weitere Bedeutungen siehe Amarna (Begriffsklärung).
Amarna in Hieroglyphen
N27
X1 O1
M17X1
N35
N5

Achet-Aton
3ḫ.t-Jtn
Horizont des Aton
Karte von Amarna

Tell el-Amarna, auch kurz nur Amarna, ist ein abgelegener Ort am Ostufer des Nil in Mittelägypten, im Gouvernement Al-Minya. Mit Amarna werden in der ägyptologischen Forschung meist die in der Nähe befindlichen Ruinen der ehemaligen altägyptischen Hauptstadt von König Echnaton, Achet-Aton, bezeichnet.

Der Ort ist namengebend für einen Zeitabschnitt der späten 18. Dynastie, der als Amarna-Zeit bezeichnet wird.

Etymologie

Der Begriff Tell el-Amarna wurde von europäischen Reisenden im 19. Jahrhundert geprägt.[1] Er setzt sich aus dem Namen der modernen Siedlung „et-Till“ und entweder der Bezeichnung „Beni Amran“ (früherer arabischer Volksstamm) oder „al-Amaria“, einem weiteren Dorf in der Umgebung, zusammen. Dagegen hat der Begriff nichts mit Tell, der arabischen Bezeichnung für einen Siedlungshügel, zu tun, da es in dieser Gegend keinen solchen Hügel gibt.[2]

Forschungsgeschichte

Erste systematische Ausgrabungen wurden im Winter 1891-1892 von Flinders Petrie durchgeführt. Tell el-Amarna war einer der Forschungs- und Ausgrabungsschwerpunkte der Deutschen Orient-Gesellschaft (DOG) von 1911 – 1914 unter Ludwig Borchardt. Er fand am 6. Dezember 1912 in der Werkstatt des Bildhauers Thutmosis die berühmte Nofretete-Büste, die seit 2009 wieder im Neuen Museum Berlin zu sehen ist. Danach grub hier die Egypt Exploration Society (EES) und heute werden die Untersuchungen des Areals von Barry Kemp (Cambridge, UK) weiter geleitet.

Gründung

Grenzstele U

An diesem Ort gründete König (Pharao) Echnaton (Amenophis IV.) die neue Hauptstadt Achet-Aton zu Ehren des Aton beziehungsweise für diesen Gott. Die Größe der Stadt legte Echnaton durch insgesamt 15 sogenannte „Grenzstelen“ fest, die er in seinem fünften, sechsten und achten Regierungsjahr am Ost- und Westufer des Nils errichten ließ.[3] Gemäß der Inschriften einer aus seinem 5. Regierungsjahr zu datierenden Grenzstele war dies der Platz „der Schöpfung, den er (der König) ihm (dem Gott) bereitet hat“[4]. Aufgrund der Verwendung von sogenannten Talatat dauerte die Bauzeit der Stadt ca. drei Jahre.

Merkmale

Bauten

Räume des Nordpalastes

Die in den Fels der Wüste geschlagenen Grenzstelen zeigen den König, die Königin und einige der Töchter. Die Inschriften berichten von der Gründung der Stadt. Neben den Stelen waren auch Statuen der Herrscherfamilie in den Fels gehauen. Im Zentrum der Stadt befanden sich die meisten öffentlichen Gebäude. Hier ist vor allem der Aton-Tempel zu nennen, dessen Mauern ein Gelände von 730 mal 229 Meter einnahmen. Bei einem kleineren Aton-Tempel handelt es sich eventuell um einen Tempel für den Atonkult, aber auch für den Kult des Herrschers. Im Zentrum der Stadt befanden sich auch Palastanlagen, die aus verschiedenen Höfen und Sälen bestanden. Von hier aus wurde das ganze Land regiert. So ist es nicht verwunderlich, dass man ein nahezu unversehrtes diplomatisches Archiv in Form von Keilschrift-Tontafeln auffand, die sogenannten Amarnatafeln.

Die meisten Paläste waren einst reich mit Statuen und Malereien, wie auch mit in Wände eingelegte Glas- und Keramikfayencen dekoriert. Nördlich und südlich des Stadtzentrums befanden sich die eigentlichen Wohngebiete. Ganz im Süden stand eine als Maru-Aton bezeichnete Anlage unbekannter Funktion. Ganz im Norden fand sich ein weiterer Stadtteil. Hier konnten starke Mauern beobachtet werden, doch ist dieser Teil der Stadt schlecht erhalten. Es wurde vermutet, dass es sich hier um den eigentlichen Wohnpalast von Echnaton handelte. Eine Arbeitersiedlung, wohl zum Bau von Grabanlagen fand sich im Osten, circa zwei Kilometer in der Wüste, von der eigentlichen Stadt entfernt.

Kunst

Wandmalerei aus einem Palast von Amarna (Ashmolean Museum, Oxford)

Die Künstler von Amarna führten Malerei, Bildhauerei und Reliefkunst zu einer beispiellosen Blüte, mit äußerst lebendigen, teilweise auch karikierenden, Szenen aus dem täglichen Leben und einer menschlichen Darstellung auch des Königspaares Echnaton und Nofretete, die im Gegensatz zu der erstarrten abstrakten und typisierten archaischen Kunst Ägyptens stand. Die Kunst dieser Zeit wird deshalb auch als Amarnakunst bezeichnet.

Felsengräber

Hauptartikel: Liste der Felsengräber von Amarna

In den östlichen Bergen liegt die Nekropole von Amarna, die sich in einen Nordfriedhof (Grabnummern 1 bis 6), den Südfriedhof (Grabnummern 7 bis 25) und das königliche Wadi, mit dem Königsgrab sowie vier weiteren sogenannten Nebengräbern (Gräber 27 bis 30), gliedert. Bis auf die Nebengräber im Königswadi konnten alle Gräber namentlich zugeordnet werden. Die nördlichen und südlichen Gräber sind allesamt Privatgräber, wobei die Bestatteten im nördlichen Friedhof Ratgeber des Königs waren und jene in den südlichen Gräbern zur Exekutive in Echnatons Regierungszeit zählten.

In diesen Grabmälern sind zum Teil eine Vielzahl von Dekorationen in Form von Malereien oder Reliefs erhalten geblieben. Sie ermöglichen heute den Forschern einen tiefen Einblick in die Lebensgewohnheiten der Einwohner der damaligen Stadt Achet-Aton, des Aton-Kultes, der königlichen Familie und der Art ihrer Regentschaft. Die Beamtengräber wurden im Dezember 1891 von Alessandro Barsanti entdeckt. So findet sich im Grab des Eje (Nr. 25) die einzige erhaltene Fassung des sogenannten Aton-Hymnus, auch Sonnengesang oder Sonnenhymus genannt, der in 13 Kolumnen fast die vollständige Fläche der rechten Wand im Eingangskorridor ausfüllt.

Nach der Echnaton-Regentschaft

Die Stadt bestand nur für kurze Zeit. Nach Echnatons Tod zog der Hof unter König Tutanchamun in die alte Hauptstadt Memphis und Achet-Aton wurde danach nie wieder im großen Umfang besiedelt. Spätere Pharaonen zerstörten sehr viel von dem Werk des Echnaton, um die Erinnerung an ihn auszulöschen. So fanden sich Talatat-Blöcke aus Achet-Aton vor allem in den Tempeln von Hermopolis, auf dem anderen Flussufer, wo sie als Füllmaterial für andere Bauwerke dienten.

Literatur

  • Dorothea Arnold: The Royal Women of Amarna. Images of Beauty from Ancient Egypt. The Metropolitan Museum of Art, New York 1996, ISBN 0-87099-816-1.
  • Patrick Farsen: Die Amarnakunst. Statuen und Reliefs aus der Zeit der ausgehenden 18. Dynastie. AVM, München 2010, ISBN 3-8997-5393-3.
  • Erik Hornung: Echnaton - Religion des Lichtes. 2. Aufl., Artemis & Winkler, Düsseldorf/ Zürich 2001, ISBN 3-7608-1223-6.
  • Barry J. Kemp, Salvatore Garfi: A survey of the ancient city of El-'Amarna. London 1993.
  • Maya Müller: Die Kunst Amenophis III. und Echnatons. Basel 1988.
  • William J. Murnane, Charles C. Van Siclen III.: The boundary stelae of Akhenaten. London/ New York 1993, ISBN 0-7103-0464-1
  • J. D. S. Pendlebury: Tell el-Amarna. London 1935.
  • W. M. Flinders Petrie: Tell El Amarna. Methuen & Co., London 1894.
  • Herbert Ricke: Der Grundriss des Amarna-Wohnhauses. Leipzig 1932.
  • Heinrich Schäfer: Amarna in Religion und Kunst´. In: 7te Sendschrift der Deutschen Orient-Gesellschaft. Leipzig 1931.
  • Christian Tietze: Amarna. Lebenräume-Lebensbilder-Weltbilder. (Ausstellungskatalog Köln 2008) Potsdam 2008.
  • Carola Wedel: Nofretete und das Geheimnis von Amarna. Sonderheft: Antike Welt. der Reihe: Zaberns Bildbände zur Archäologie. von Zabern, Mainz 2005, ISBN 3-8053-3544-X, ISBN 978-3-8053-3544-7.
  • Steffen Wenig: Meisterwerke der Amarnakunst. Leipzig 1977.
  • Hugo Winckler: Die Tontafeln von Tell-el-Amarna. Berlin 1896.

Weblinks

 <Lang> Commons: Amarna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Tell el-Amarna – Reiseführer

Einzelnachweise

  1. B. Kemp: LÄ VI, Sp. 309ff
  2. Gabriele Höber-Kamel: Zur Geschichte der Amarna-Zeit in: Nofretete, Kemet Heft 3/2010, S. 4
  3. Nicholas Reeves: Echnaton. Ägyptens falscher Prophet. S.182
  4. Hermann A. Schlögl: Echnaton - Tutanchamun. S.102

27.66166666666730.905555555556Koordinaten: 27° 39′ 42″ N, 30° 54′ 20″ O


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